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Hier finden Sie Presse- und Premierenberichte der verschiedenen Regionalzeitungen bis zurück ins Jahr 1975. Viel Spaß beim Blättern durch unsere Theatergeschichte. Badische Zeitung vom 29. November 2010 Liebeswirrungen im Reifrock Prächtige Kostüme und überzeugende Schauspieler / Figaro-Wagnis im "Bühneli" ist gelungen VON UNSERER MITARBEITERIN VICTORIA SCHLUSCHE LÖRRACH. Bei der Premiere von "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" präsentierte das "Bühneli" seine bisher aufwändigste Produktion. Der Stoff ist ein Klassiker und inspirierte Mozart zu seiner populären Oper: Kammerdiener Figaro (herrlich frisch gespielt von Rainer Sautter) plant, die Zofe Susanne zu heiraten, doch der Graf möchte das eigentlich zuvor von ihm abgeschaffte Recht in Anspruch nehmen, die erste Nacht mit ihr zu verbringen. Nun muss sich der Verliebte etwas einfallen lassen. Im verworrenen Stück von Gerd Sprenger nach der Vorlage des Franzosen Beaumarchais spinnt aber nicht nur Figaro selbst die Intrigen. Denn natürlich haben auch die anderen, teils skurrilen Figuren des Hofes ihre eigenen Interessen, die sie mit aller Macht durchzusetzen versuchen. Komplizierte Liebeswirrungen und sich steigernde Verwicklungen während der vier Akte machen das Lustspiel zu einem anspruchsvollen Vorhaben, das dem "Bühneli" jedoch wunderbar geglückt ist. Den Zuschauern wurde das Verständnis dadurch erleichtert, dass Marie Antoinette wie eine Art "Erzählerin" als prachtvoll eingekleidete Bühnenfigur auftrat und somit von Anfang an das Geschehen kommentierte (und häufig auch ins Lächerliche zog). Durch die Mischung aus moderner Sprache, gespickt mit altertümlichen Begriffen, allerlei Wortspielen und ebenso witzigen wie geistreichen Dialogen gelang es den Schauspielern, die Zuschauer teilweise minutenlang laut am Lachen zu halten. Besonders der Musiklehrer Bazile (dargestellt von Attila Varai) mit seinen rosa Wangen im lilaseidenem Kostüm begeisterte das Publikum, wenn er sich mit dem zerstreuten Richter (Wolfgang Hertstein) unterhielt und dabei ständig erschrockene, spitze Schreie ausstieß. Sehr überzeugend schalt auch der den betrunkenen Schlossgärtner spielende Karlfrieder Geiser seine junge Schauspielkollegin Julia Elkemann, die ihre amüsante Rolle als Page Cherubin mit Bravour meisterte. Zwar schien der letzte Akt ein wenig holperiger als die ersten drei, doch tat dies dem "tollen Tag" im Ganzen keinen Abbruch: Allein das aufwändige Bühnenbild für das Finale erntete von den Zuschauern schon Applaus. Neben diesem Hintergrund rundeten zahlreiche Komparsen in prächtigen Kostümen die gelungene Inszenierung ab: Lange muss es gedauert haben, die Haare jedes einzelnen Akteurs so sorgfältig zu zerkringeln und alle gelockten Perücken echt aussehen zu lassen. Besonders die raumgreifenden Röcke der Frauen waren so detailreich, dass sie wahrhaft aus der Zeit um die französische Revolution hätten stammen können. Die vielen Türen und Eingänge lockerten das Schauspiel ebenso auf wie ein fein gekleideter Ober, der mit steifem Gang zwischen zwei Akten plötzlich in der ersten Reihe Sekt servierte. Das Ziel, dem Publikum einen "heiteren und unbeschwerten Theaterabend" zu bereiten, hat Regisseur Günther Geiser in jedem Fall erreicht. Der Abend hat sich mehr gelohnt als manch eine Fahrt zum Schauspielhaus in Basel. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 30. November 2010 Ein toller Tag im Bühneli "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit": Großer Premierenerfolg vor ausverkauftem Haus Lörrach (dr). Begeistert nahm das Publikum am Samstag die Premiere "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" im Bühneli auf. Die gefällige und spritzige Inszenierung von Günter Geiser fand den ungeteilten Zuspruch der Besucher. Auch das gesamte Ensemble wurde mit Applaus überschüttet. Mit dieser aufwändigen Produktion knüpft das Bühneli an seine früheren Erfolge an. Das auf einer Vorlage von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais beruhende Lustspiel gehört wie die Werke von Moliere auch heute noch zu den Klassikern guter Unterhaltung. Dies gilt erst recht, wenn das Werk so eng an die Vorlage angelehnt ist wie bei Günter Geiser. Mit einem grandiosen dramaturgischen Trick hat der Bearbeiter und Übersetzer Gerd Sprenger die gesellschaftlichen Zustände aus dem späten 18. Jahrhundert für den heutigen Zuschauer verdeutlicht. Um die Zusammenhänge der Zeit kurz vor der Französischen Revolution ins Gedächtnis zu rufen, lässt Sprenger eine Kommentatorin auftreten. Diese erscheint in Gestalt von Marie Antoinette, was einerseits in die Entstehungszeit des Stückes passt, andererseits historisch freilich rein fiktiv ist. Bei jedem Kommentar friert die Szene quasi ein. Der "tolle Tag", das Stück ist auch Vorlage zu der Mozartoper "Die Hochzeit des Figaro", beinhaltet eine gehörige Portion von Gesellschaftskritik. Auf einen Nenner gebracht heißt das: schlaue Domestiken gegen dümmlichen, eingebildeten Adel. Dem ganzen Ensemble sei hier Lob gezollt. Ein Feuerwerk von Regieeinfällen sorgt für viele Lacher. Für besondere Heiterkeit sorgten Attila Varai als bisexuell angehauchter Musiklehrer Basel, Karlfrieder Geiser als weinseliger Gärtner Antonio und Wolfgang Herstein als lispelnder Dorfrichter. Zur Handlung: Figaro, Kammerdiener des Grafen, möchte die Zofe der Gräfin, Susanne, heiraten. Aber auch dem Grafen gefällt Susanne, und so möchte der Graf das von ihm selber abgeschaffte "Recht der ersten Nacht" gerne wieder aufleben lassen. Dies gefällt der Gräfin nun gar nicht, und so kommt es zu vielfältigen Intrigen. Zwischen allen Fronten flirtet der Page Cherubin mit allen weiblichen Wesen, was zu weiteren Verwicklungen führt. Cherubin ist eine der klassischen Hosenrollen. Der junge Mann soll so um die 15 Jahre alt sein - die Rolle wird aber stets von einer Frau gespielt. Am Ende dieses tollen Tages... - nun ja: Am besten ist's, man schaut sich das neue Stück des Bühneli selber an. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 15. Februar 2010 Die alte Dame rächt sich wieder Überzeugende Premiere von "Martha Jellneck" im Lörracher Bühneli / Ringen um Wahrheit und Mut Von Veronika Zettler Lörrach. Es ist ein ruhiges und intensives Stück, das am Samstag im Bühneli Premiere feierte, eine Alternative für Nicht-Fasnächtler, so Regisseur Günther Geiser, der dann auch volles Haus verbuchen konnte. Das Drama „Martha Jellneck" zog die Zuschauer in seinen Bann. Martha Jellneck (Rose-Marie Chaghaghi-Hermann) ist 72, gebrechlich und einsam. Mit ihrem altersschwachen Hund Afra lebt sie im dritten Stock eines Mietshauses, das sie seit Jahren nicht mehr verlassen hat. Nur der Zivildienstleistende Thomas (Attila Varai) und die gierige Nachbarin Hanne (Kerstin Kapfer) bringen ab und zu etwas Leben in ihre gute Stube. Doch alles ändert sich, als Martha zufällig das Foto eines gewissen Franz Laub sieht. Zunächst irritiert sie nur der Name, denn auch ihr 1944 in der Normandie gefallener Bruder hieß so. Aber dann tun sich immer mehr Fragen auf. Martha wälzt sie Tag und Nacht, schwelgt in Erinnerungen, kramt in alten Briefen, beginnt schließlich ihre Recherche. Auf der Bühne wird es hell und dunkel, um die verfließenden Tage anzuzeigen. Als Martha besagten Franz Laub endlich zu Kaffee und Kuchen in ihre Wohnung einlädt, ist sie längst überzeugt davon, dass er in Wahrheit ein Kriegsverbrecher ist, der nicht nur ein französisches Kind, sondern auch ihren Bruder auf dem Gewissen hat. Zufällig liegt Gift griffbereit... Natürlich spielt Rose-Marie Chaghaghi-Hermann einen großartigen Racheengel, man erinnere sich nur an ihren Auftritt in Dürrenmatts „Besuch der Alten Dame" 2003 bei den Burgfestspielen. Reichlich Dürrenmatt'sches Gedankengut enthält auch dieses Stück von Beate Langmaack (Drehbuch) und Knut Koch (Bearbeitung). Auch hier geht es um Vergeltung für ein verborgen gebliebenes Unrecht, und wie in Dürrenmatts „Verdacht" gibt ein Foto den Ausschlag für die Entdeckung eines NS-Verbrechers, der sich nach 1945 eine weiße Weste übergezogen hat. Allerdings ist Martha Jellneck eher das Gegenstück zum bärbeißigen Kommissar Bärlach. Gerade in der beharrlichen Darstellung ihres Alleinseins, ihrer Gebrechlichkeit und des Gefangenseins in einem widersinnigen Alltagstrott liegt das Besondere dieses Kammerspiels mit vier Personen und einem Plüschhund. Regisseur Günther Geiser, hat mit seinem Ensemble ein über weite Strecken leises und unaufgeregtes Schauspiel gewagt. Intensiv wird das zähe Ringen um Wahrheit und Mut gezeigt, eine greise Antigone, die sich mit gebeugtem Rücken und Kittelschürze durch ihre Wohnung schleppt, lange Selbstgespräche führt und oft ratlos schweigt. Unterdessen gibt Attila Varai in schönem Kontrast einen übersprudelnd lebhaften Zivi, und sowohl Horst Bachmann als auch Karl-Frieder Gressel, die je nach Vorstellung den Franz Laub spielen, glänzen in der Rolle eines Mannes, hinter dessen Zivilisiertheit sich schiere Brutalität verbirgt. zum Archiv Badische Zeitung vom Februar 2010 Starke Frau im Kittelschurz Umjubelte Premiere des Kammerstücks "Martha Jellneck" im Bühneli / Große Darstellerin Von Barbara Ruda LÖRRACH. Neben Kishons Lustspiel hat das Bühneli erstmals in einer Saison ein zweites Stück am Start. „Martha Jellneck", das am Samstagabend bei der Premiere umjubelt wurde, obwohl es dem Publikum einiges abverlangt, ist ernstes Kammertheater ohne Schnörkel, aber mit großer Wirkung - und für Nicht-Narren ist es eine schöne Alternative zur Fasnacht. Für die Charakterdarstellerin Rose-Marie Chaghaghi-Hermann, auch durch Auftritte bei den Burgfestspielen bekannt, bietet die Martha Jellneck eine Paraderolle, in der sie ihre Kunst voll ausspielen kann. Günther Geiser sei Dank, der normalerweise in seinen Inszenierungen ordentlich Gas gibt. In dem Stück von Beate Langmaack und Knut Koch ist es ihm gelungen, seiner Protagonistin die Zeit zu lassen, die sie braucht, um die Flüchtlingsfrau aus Böhmen und ihre psychologische Entwicklung eindringlich zu zeichnen. Dazu gehören lange Selbstgespräche und nachdenkliches Schweigen. Außer ihrer Wohnung im dritten Stock eines Miethauses, in der sie sich mit ihrem von der Arthrose gebeugten Rücken in Kittelschürze oder Morgenrock wie ein gefangenes Tier hin und herschleppt, ihrem altersschwachen Hündchen Afra und einem Kästchen voller Erinnerungen ist ihr nichts geblieben. Abwechslung in ihren eintönigen Tageslauf bringen bloß Thomas, ein junger Zivildienstleistender, der ihr täglich ein warmes Mittagessen liefert, und die Nachbarin Hanne, die ein bisschen auf Marthas Wohnung spekuliert, weil die heller ist und günstiger. Wie die Zeit verrinnt, wird dem Publikum durch so genannte „Blackouts", also Dunkelheit auf der Bühne angezeigt. Wenn es spannend wird, zerteilt das laute Tick... tack... einer Uhr die Zeit in Sekunden. Kerstin Kapfer lässt als Hanne ihrer Schnauze freien Lauf. Da gibt es dann durchaus auch humorvolle Momente, die den Zuschauern den Kloß im Hals lösen. Mit dem Zivi (Attila Varai) kann Martha Jellneck sogar selbst mal herzlich lachen. Beide haben ein Lachen, das gut zusammen passt. Eines Tages entdeckt die alte Dame in einer Werbebroschüre ihres Menüdienstes das Foto eines Mannes, der nicht bloß heißt wie ihr gefallener Halbbruder Franz Laub, sondern auch noch am selben Tag Geburtstag hat. Irritiert beginnt sie mit Nachforschungen und rekonstruiert ein widerliches Verbrechen. Dies aufzuklären, entwickelt Martha Jellneck eine unerbittliche Beharrlichkeit und eine Stärke, die man ihr gar nicht zugetraut hat. Um das Kriegsverbrechen zu sühnen, lädt sie den vermeintlichen Franz Laub - als Wolf im Schafspelz bei der Premiere glänzend gespielt von Horst Bachmann (Karl-frieder Gressel ist die andere Besetzung) zum Kaffee ein. „Martha Jeilneck" ist nicht bloß ein Rachedrama, sondern, weil es die deutsche Vergangenheit betrifft, auch ein spannendes Zeitdokument. zum Archiv Der Sonntag vom 21. Februar 2010 Ein Theater mit zwei Gesichtern Martha Jellneck – Ein leises Drama im Bühneli Das Stück sei „emol wieder eweng öbbis anderes" schmunzelt Theaterleiter Günther Geiser. „Martha Jellneck" heißt das nachdenkliche und minimalistische Kammerspiel, das vorige Woche im Lörracher Theater „Bühneli" Premiere feierte. Doch zeige man Aufführungen „mit mehr Tiefgang" nicht zum ersten Mal, betont Geiser und verweist auf erfolgreiche Inszenierungen wie den „Urfaust", „Endstation Sehnsucht", „Sommernachtstraum" oder „Jedermann". Erstmals zeigt das Bühneli in einer Saison gleich zwei Stücke, und zwar Ephraim Kishons humorvolle Satire „Es war die Lerche" nebst dem ernsten Krimidrama „Martha Jellneck" von Beate Langmaack (Drehbuch) und Knut Koch (Bühnenbearbeitung). Mit dem Kontrastprogramm möchte man verschiedenen Geschmäckern etwas bieten. Weil nach der monatelangen Spielzeit von „Das Wirtshaus im Schwarzwald" einige der rund 20 Schauspieler eine Pause einlegen wollten, nun also zwei Stücke mit jeweils nur vier Akteuren. Dass mit Rose-Marie Chaghaghi-Hermann eine Darstellerin zur Verfügung steht, die „das Charakterfach mit Liebe und Leidenschaft" ausfüllt, gab mit den Ausschlag für die „JeJlneck". Erzählt wird die Geschichte einer alten, gebrechlichen Frau, die zufällig einem NS-Verbrecher auf die Spur kommt und sich nach langer Grübelei zu einem Vergeltungsschlag durchringt. Damit besiegelt sie allerdings auch ihr eigenes Schicksal. Wie Martha zu ihrer Entscheidung findet, welche Zweifel sie umtreiben, bildet die Essenz der ruhigen Handlung, die sich zu einem guten Teil in der ausdrucksstarken Mimik der Hauptdarstellerin widerspiegelt. Auch in der übrigen Besetzung setzt das Stück auf feine Nuancen. Die Figur des Verbrechers spielen sowohl Horst Bachmann als auch Karl-Frieder Gressel brillant. Jeder zeigt auf seine Weise die schleichende Wandlung vom Gentleman zum Widerling. Bisher kam das Stück sehr gut beim Publikum an, erzählt Günther Geiser. Allerdings habe er es überhaupt noch nicht erlebt, dass eine Bühneli-Inszenierung bei den Zuschauern durchfiel. Schließlich bestehe das Ensemble sowohl vor als auch hinter der Bühne aus eingefleischten Detailfanatikern, die auf mindestens semiprofessionellem Niveau arbeiten. Der umtriebige Leiter des Bühnelis steckt schon mitten in der Planung für die kommende Spielzeit. Zahlreiche Stücke lässt er sich von Verlagen zuschicken, liest manchmal 15 bis 20 pro Monat, trifft eine Vorauswahl, bespricht sie mit seinem Team. Was für das Bühneli in Frage kommt, macht Geiser in erster Linie von seinen Spielern abhängig. „Ich weiß, was ich ihnen zumuten kann" sagt er. Günther Geiser hat die Leitung des Bühneli 1975 übernommen. Wer zum ersten Mal nach Durchqueren des eher nüchternen Hinterhofs in der Brombacher Straße 3 ins Bühneli kommt, wird von der außergewöhnlichen Einrichtung mit Kinosesseln und nostalgischem Mobiliar angenehm überrascht. Programm gibt es, außer im August, das ganze Jahr über, einschließlich verschiedener Gastspiele. Das Theater muss ohne Fördergelder auskommen und finanziert sich über die Eintrittsgelder. VERONIKA ZETTLER zum Archiv Badische Zeitung vom 30. November 2009 Den Dauerbrenner neu inszeniert "Bühneli" spielt wieder Kishons "Es war die Lerche" Von Barbara Ruda LÖRRACH. Die Welt von William Shakespeare ist völlig aus den Fugen. Romeo und Julia, die der Dichter einst als der Liebe Inbegriff erdachte, haben überlebt. Der zermürbende Ehealltag mit all seinen Streitigkeiten ließ in 30 Jahren die Romantik der Balkonnächte allerdings sterben und machte aus Liebe eine Art Hassliebe. Dies ist Thema im neuen Stück des Amateurtheaters „Bühneli". Das Paar, das Millionen von Menschen zu Tränen gerührt hat, unterhielt am Samstagabend bei der Premiere des heiteren Trauerspiels mit Musik „Es war die Lerche" im Bühneli die Zuschauer vortrefflich und brachte es oftmals zum Lachen. Schon als sich der Vorhang öffnete, gab es Szenenapplaus für das gelungene, detailreiche Bühnenbild - und dann sofort Gelächter, als Günther Geiser sich als Romeo fluchend aus den Federn quälte. Aus dem stürmischen Liebhaber von einst, das wurde sofort klar, ist eine klägliche Memme geworden, die bloß noch seine Wärmeflasche Lisa anhimmelt. Es ist nicht das erste Mal, dass das Lörracher Theaterensemble diese Komödie aufführt. Nach neun Jahren hat sie Günther Geiser auf vielfachen Wunsch neu inszeniert - und zwar dieses Mal in Schriftdeutsch. In die Fußstapfen des großen verstorbenen Bühneli-Spielers Klaus Beck, der in den beiden bisherigen Inszenierungen den berühmten Dichter als knorrigen, kantigen alten Mann mimte, stieg jetzt mit Oliver Dürscheidt ein Jüngerer. Ihm gelang ein glaubhafter Shakespeare im besten Mannesalter. Köstlich, wie er eines Tages mitten in einen Ehekrach seines Paares hineinplatzte und es empört anpflaumte: „Das schönste meiner Liebesdramen habt ihr zu einem lächerlichen Possenspiel zerpflückt". Als er sich in Lukretia, die aufmüpfige Tochter der Eheleute Montague-Capulet, verliebt, kommen allerdings bei ihr solch edle Verse, wie er sie Momo (Romeo) und Julia in den Mund gelegt hat, gar nicht an. In der realen Gegenwart wirken sie einfach total deplatziert. Trotzdem verknallt sich auch die Göre in Willy, den Schöpfer ihrer Eltern. Die junge Katharina Becker mimte sie herzerfrischend und mit viel Schwung. Petra Glienke und Günther Geiser schlüpften wieder in ihre alten Rollen. Sie spielten nicht bloß den gealterten Ballettlehrer und die nörgelnde Hausfrau brillant und mit sehr viel Feinheiten in Mimik und Gestik, sondern auch die beiden Alten, die sich jeweils für den jüngeren Gegenpart erwärmen: den alten Pater Lorenzo, der das Paar einst verehelichte, und Julias alte Amme. Beide erwiesen sich am Samstag als Paraderollen, in denen Geiser und Glienke ihr Talent für die Studie und Überzeichnung von Charakteren voll ausspielten. Dass sie auch singen können, bewiesen alle vier Darsteller bei der Interpretation von Liedern, die von Pia Durandi am Klavier souverän begleitet wurden. Dank der Leistung aller, auch der von Bühnenbild, Kostüm und Maske, machte das Bühneli-Ensemble aus Kishons Stück ein vergnügliches, locker-leichtes Gesamtkunstwerk aus geschliffenen Dialogen, geistreichem Versteckspiel mit Shakespeare-Zitaten und Musikeinlagen. Zahlreiche Vorhänge waren der Lohn. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom November 2009 Ehekriese bei Romeo und Julia Bühneli Lörrach spielt "Es war die Lerche" Von Claudia Bötsch Lörrach. Auf vielfachen Wunsch hat das BühneliTheater Lörrrach das heitere Trauerspiel „Es war die Lerche" von Ephraim Kishon wieder aufgenommen. Die bereits ausverkaufte Premiere ist am Samstag, 28. November. Romeo und Julia sind das größte Liebespaar aller Zeiten - nach Shakespeares Version. Doch was wäre mit ihnen geschehen, hätte der Tod sie nicht auseinandergerissen? Kishon spinnt diesen Gedanken mit vielen satirischen Spitzen fort. Er sieht Romeo (Günther Geiser, der auch Regie führt) und Julia (Petra Glienke) nach 30 Jahren Zweisamkeit im Alltag angekommen: Das Paar ist frustriert, Streitereien stehen auf der Tagesordnung. Der Balletlehrer Romeo (Momo) Montague, der nur noch Augen für seine Wärmeflasche „Lisa" hat und die Hausfrau Julia Montague Capulet, die immer schlampiger wird, sind zudem mit der missratenen Tochter Lucretia (Katharina Becker) geschlagen. Doch Rettung naht: William Shakespeare (Oliver Dürscheidt) steigt persönlich aus seinem Grab, um sein Werk zu vollenden. Das heitere Trauerspiel nimmt seinen Lauf. „Es war die Lerche" ist kein Schenkelklopfer wie zum Beispiel „Mi Chuchi", meint Geiser. „Aber ein heiteres, lustiges Stück. Der sprachliche Clou: Das Stück enthält zahlreiche Zitate aus Shakespeare-Originalen, nicht nur aus „Romeo und Julia". Zudem ist „Es war die Lerche" gespickt mit lustigen, unterhaltsamen Liedern. Für Günther Geiser liegt der Reiz des Stücks im Rollentausch. Er und Petra Glienke, die bereits vor rund zehn Jahren Teil des Original-Ensembles waren, agieren in Doppelrollen. Petra Glienke spielt neben der Julia die Amme, Günther Geiser Romeo und den Pater. In nur acht Proben haben sich die vier Schauspieler auf die Premiere vorbereitet. Große Veränderungen an der Inszenierung wurden nicht vorgenommen. „Es war ja gut, wie es war", so Geiser. Das Bühneli-Stück wird von Pia Durandi am Klavier begleitet. Um den Erfolg des Stücks dürften sich Geiser und Team angesichts des Vorverkaufs keine Gedanken machen. Die Vorstellungen im Dezember sind nahezu ausverkauft. Für die Silvestervorstellung, 31. Dezember, um 16.30 Uhr, gibt es noch Karten. zum Archiv Wochenblatt vom November 2009 Die Lerche im Theater Aus dem bekanntesten Liebespaar wird ein verbittertes Ehepaar Lörrach. Romeo und Julia, das größte Liebespaar aller Zeiten, hat Ephraim Kishon in seiner Satire „Es war die Lerche" nicht sterben lassen, sondern sie sind nunmehr über 30 Jahre verheiratet. Das Bühneli in Lörrach feierte mit dem Stück am Samstag, 28 November 2009, Premiere. Die TragödienTraumpaar-Rollen des Romeo und der Julia sind Günther Geiser und Petra Glienke mal wieder auf den Leib geschrieben, die beide in dem Stück eine Doppelrolle besetzen. Günther Geiser lebt die Charaktere der Rollen bis in die Feinheiten aus, und bietet mit witzigem Dialog und Gesang zusammen mit seiner ihm ebenbürtigen Partnerin dem Publikum einen kurzweiligen, heiteren Abend. Untermalt wird das Theaterstück mit Live-Musik am Klavier von Pia Durandi. Und so erfahren die Theaterbesucher das aus dem bekanntesten Liebespaar der Weltgeschichte ein verbittertes, zänkisches Ehepaar geworden ist, und Romeo lieber Trost sucht bei seiner mit weiblichen Rundungen ausgestatten Wärmflasche „Lisa", als bei seiner schlampigen Julia, die sich mit ihrer missratenen Tochter Lucretia und mit welkem Rettich rumschlägt. Romeo sucht Hilfe bei der alten Amme und Julia in der Beichte bei dem greisen Pater Lorenzo, aber diese beiden liefern nur ihren Teil zum heiteren Trauerspiel. Die Eheleute treiben es so bunt, das sich schließlich William Shakespeare, gespielt von Oliver Dürscheidt, höchstpersönlich aus dem Grab bequemt, um die Ordnung wieder herzustellen. Er versucht sein Werk zu vollenden, lässt sich von Tochter Lucretia, gespielt von Katharina Becker, aber den Kopf verdrehen, zieht mit ihr hinaus in die Welt und verpasst so das überraschende Ende. (saz) zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 6. Oktober 2008 Das Glück kommt unverhofft Das Bühneli begeisterte mit der Premiere "Das Wirtshaus im Schwarzwald". Von Ursula König Lörrach. Wild geht es zu bei den Räubern ums Wirtshaus im Schwarzwald. Auf Pflichten verzichten sie und akzeptieren nur Rechte. Um nicht von Hartz IV leben zu müssen, planen sie einen Rachefeldzug. Denn ihr Hauptmann Karl hat einst seinen Besitz an den geld und machtgierigen Grafen von Sandau verloren. Mit der Räuberkomodie "Das Wirtshaus im Schwarzwald", frei nach der Erzählung "Das Wirtshaus im Spessart" von Wilhelm Hauff, überraschte das Theater Bühneli Lörrach am Samstag mit einer großartigen Premiere. Die begeisterten Zuschauer erlebten einen äußerst amüsanten Abend mit vielen Turbulenzen und Verwicklungen, bei dem zu guter Letzt die Liebe and das Gute siegen. Bis ins Detail aufeinander abgestimmte Requisiten bringen die Atmosphere einer längst vergangen Zeit auf die Bühne. Regisseur Günther Geiser und sein Team spannen aber auch mit politischen Anspielungen einen Bogen zur heutigen Zeit. "Wer genug hat, der will immer mehr, und die Taschen vom Volk bleiben leer". Die Ballade von den schrecklichen Räubern im finsteren Wald führt nicht nur menschliche Schwächen vor Augen, sondern auch das Suchen nach Glück und die Verwirrungen der Liebe. Die spürt zuerst der Räuberhauptmann, der mit seiner wilden Bande die Tochter des Grafen, Prinzessin Christian von Sandau, entführt, um ein Lösegeld von ihrem Vater zu fordern. Eigentlich möchte er sich für den Überfall bei ihr entschuldigen, doch seine Stimmbänder verwickeln sich, und er gerät zunehmend in Verwirrung. Sie fängt ebenfalls schnell Feuer, zumal sie nicht darauf erpicht ist, den General Knüppeldick zu heiraten, wie von ihrem Vater geplant. Die Prinzessin wird nebst Zofe und Gouvernante in das Wirtshaus verschleppt, wo sich auch zwei ehrbare Handwerksburschen aufhalten. Die feinen Damen sind es zwar nicht gewohnt, mit Männern zu sprechen, die ihnen nicht vorgestellt wurden, doch andererseits geht es nicht so langweilig zu wie im Schloss. Die illustre Gesellschaft weiß, sich die Zeit gut zu vertreiben, und die Handwerksburschen ersinnen eine Idee, um die Frauen zu retten. Amors Pfeile schwirren derweil im Gasthaus wild umher and lassen alle Beteiligten spüren: Die Liebe kommt oft unverhofft and lässt sich nicht erklären. Und so nimmt nicht nur die Komodie ein gutes Ende, begeisterten Beifall erhalten auch die wunderbaren Schauspieler fUr ihr hervorragendes Spiel. zum Archiv Badische Zeitung vom 6. Oktober 2008 Liebe, Lügen, Leidenschaft Beim "Wirtshaus im Schwarzwald" im Bühneli ist auch der Autor Bernd Kobrik begeistert. Von Barbara Ruda LÖRRACH. Bernd Kolarik geizte nicht mit Lob. Seine musikalische Räuberkomödie nach Märchenmotiven von Wilhelm Hauffs "Das Wirtshaus im Spessart", das Bühneli-Chef Günther Geiser in den Schwarzwald verlegt and als Zwerchfell erschütternde Räuberpistole um Liebe, Lügen und Leidenschaften inszeniert hat, bereitete ihm sichtlich Vergnügen. Wie die übrigen Premierengäste, zu denen sich der Autor samt Frau am Samstagabend gesellt hatte, ergötzte er sich an dem wilden Klamauk im Wald and im Wirtshaus. Diese "kleine" Fassung, so erzählte Kolarik, habe er neu geschrieben, und eigentlich sei die Lörracher Inszenierung die erste Aufführung überhaupt. "Insgesamt sehr charmant mit sehr schönen Einfällen und auch vom spielerischen sehr gut" - diesem Urteil des Fachmanns kann man sich nur voll und ganz anschließen. Allein, dass der Regisseur nicht seine, Kolariks, sondern größtenteils die bekannten Melodien von Franz Grothe aus dem berühmten Film von 1958 zur Aufführung brachte - nicht, ohne im Text kleine oder größere Modifikationen mit aktuellen (politischen) Bezügen angebracht zu haben - mochte dem Autor nicht ganz so gut schmecken. Aber stimmig, das gab er unumwunden zu, war's für ihn auch so. Apropos Lieder: Indem er alle Spielerinnen und Spieler auf der Bühne singen ließ, hat Günther Geiser mit seinem Ensemble wieder etwas Neues gewagt. Dank Gergana Schneider, die alle gesangstechnisch trainierte und bei der Aufführung am rechten Bühnenrand das dramatische Geschehen auch pianistisch begleitete, ist diese Premiere auf ganzer Linie geglückt. Ein Feuerwerk an witzigen Regieeinfällen Dass der Spielleiter für jede Rolle die ideale Besetzung fand, dass er mit den Dialekten, voran dem Alemannischen, spielte und wieder ein Feuerwerk von witzigen Regie-Einfallen abbrannte, ist beinahe müßig zu erwähnen. Die liebevollen Klischees, von denen die Komodie lebt, konnte er so voll ausspielen: Klasse, wie Attila Varai, Sven Glienke und die rassige Tanja Bissinger die ungehobelten Räuber gaben, die im Grunde genommen ein großes Herz haben. Das Duo Karlfrieder Geiser and Horst Bachmann lief zu Hochform auf: Auch wenn Lispeln und Stottern wenig originell sind - diese beiden machten das mit so viel Witz und Charme, dass sie beim Publikum in schöner Regelmäßigkeit Lachsalven auslösten. Die Rolle der forschen Wirtin, die ihr großes Herz auf der Zunge trägt, war Ursula Golomb auf den Leib geschrieben. Den geldverliebten Grafen von Sandau, der seine Tochter (Petra Glienke) samt Zofe (Vanessa Schneider) and Gouvernante (Christina Rasch) lieber in den Händen der Räuber lässt, als Lösungsgeld zu bezahlen, gab Günther Geiser gleich selbst. Keine Rolle ist dämlich genug, als dass er sich nicht darin wohl fühle. Um das fesche Frauentrio aus den Händen der Räuber zu retten, schlüpften die Handwerksburschen Felix (Rainer Sautter) and Franz (Stefan Burkhardt) in ihre Klamotten. Die aus dieser Travestie resultierende Situationskomik allein wäre nicht unbedingt ein Garant für einen durchschlagenden Erfolg, wie es "Das Wirtshaus im Schwarzwald" sicherlich sein wird. Doch Rainer Sautter war als Prinzessin ganz in seinem Element und bewies eindrücklich, warum er vor zwei Jahren mit dem "Oskarle" als bester Laiendarsteller in Baden Württemberg ausgezeichnet wurde. Wie er sich den Annaherungsversuchen des verliebten Räuberhauptmanns (Thomas Kaitinnis) erwehrte, wie er mit kleinen spitzen Schreien über die Bühne stolperte war zum Schreien komisch. Die phantasievollen historischen Gewänder (Elke Schneider) und das aufwändig gestaltete Bühnenbild (Stefan Burkhardt, Walter Böhler, Lioba Suvaal) zeigten wieder viel Liebe zum Detail und setzen dem unterhaltsamen Theatervergnügen das Sahnehäubchen auf. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom Dezember 2007 Aristokraten auf der schiefen Bahn Bühneli: Furiose Premiere der Krimikomödie „Feine Herrschaften“ Von Ursula König Lörrach. Was sind das nur für feine Herrschaften? Wohlerzogen und gebildet, mit einem Herz für Bedürftige geraten sie in Robin Hood Manier auf die schiefe Bahn. Eine „seltene Vereinigung von Talenten“ war bei der Premiere der Krimikomödie „Feine Herrschaften“ am Samstag im Bühneli Theater in Lörrach zu erleben. London in den 20er Jahren: Die verarmte Lady Appleby (Rose-Marie Chagaghi) hat in ihrer Wohnung Zimmer untervermietet. Jede Mieterin und auch der General (Günther Geiser) haben im Zusammenleben ihre Macken, aber wenn es darauf ankommt, halten Sie zusammen wie Pech und Schwefel. Lady Appleby hat nicht nur ein Herz für ledige Mutter. Sie gab auch der jungen Lilly nach einer Gefängnisstrafe wegen Diebstahls eine Chance als Dienstmädchen. Lilly wollte ihrer Dienstherrin eigentlich nur etwas Gutes tun, als sie ein Pelzcape der Nachbarin „mitgehen“ ließ. Doch wie sollte das wertvolle Ding zuruckgegeben werden? Gemeinsam mit der leicht schrulligen Gesangslehrerin Nanette (Dorothea Seiter) and der immer aufgeregten Porzellanrestauratorin Elisabeth (Kerstin Kapfer) arbeitet der General an einem genialen Plan: Zunächst werden die Truppen „unter Alkohol gesetzt“ und das Dienstmädchen weggeschickt. Dann kann die erste Angriffsstufe erfolgen. Unterstützung erhält die feine Gesellschaft durch eine Freundin von Lady Appleby, Lady Alice Miller. Zum dumm nur, dass beide Frauen offensichtlich auch ein Auge auf den stattlichen General geworfen haben and ganz nebenbei versuchen, diesen zu becircen. Lady Beatrice etwa will mit ihm in Monte Carlo alte Erinnerungen aufwärmen und der Welt zeigen, „dass der Geburtsschein nichts mit dem Alter zu tun hat“. Der General dagegen, ganz der militärischen Disziplin verpflichtet, hat sich den Luxus von Gefühlen nie gestattet. Doch bei der Flirtstrategie der Lady Alice könnte auch er schwach werden. Zunächst jedoch steht die Operation „Hermelin“ an. Mit einem gefälschten Lagerschein soll ein Pelz erschwindelt und an einen Hehler weitergegeben werden. Mit allen Tricks wird hier vorgegangen, and das Publikum fiebert mit, ob auch alles gut geht, denn längst hat man die schrägen Herrschaften and auch das kecke Dienstmädchen in sein Herz geschlossen. Die Spannung steigert sich dramatisch, als Scotland Yard sich ankündigt... Mit viel Liebe zum Detail gelang dem Bühneli-Ensemble unter Leitung von Günther Geiser eine gelungene und ausgesprochen unterhaltsame Vorstellung, in der die Ensemblemitglieder ihrer Spielfreude freien Lauf lassen konnten. Eine furiose Premiere: Applaus! zum Archiv Badische Zeitung vom 17. Dezember 2007 Grenzenlose Nächstenliebe Günther Geiser inszeniert mit seinem Bühneli-Ensemble eine Kriminalkomödie Vordergründig betrachtet handelt es sich bei dem bunt zusammengewürfelten Völkchen, das sich die Wohnung von Lady Appleby an einer vornehmen Londoner Adresse teilt, um feine Herrschaften - gewiss! Ein bisschen schrullig vielleicht, aber respektabel und über jeden Zweifel erhaben. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, dass die Nächstenliebe der verarmten Dame und ihrer Untermieter keine Grenzen kennt - nicht einmal die des Gesetzes. Genauso kommt es aber: Lily, eine auf die schiefe Bahn geratene junge Frau, die Lady Appleby als Dienstmädchen bei sich aufgenommen hat, löst ungewollt eine Lawine aus. Um an Geld für gestrauchelte Frauen und ledige Mutter zu gelangen, meinen die Gutmenschen nämlich, die ideale Methode gefunden zu haben. Die „Operation Hermelin“ wird gestartet, hinter der nichts anderes als ein Pelzdiebstahl steckt. Und weil alles so prima läuft, folgt der nächste und der nächste und so weiter und so fort. Wie die „Feinen Herrschaften“ dann doch ganz schön in die Bredouille geraten und ob sie wieder heraus kommen, erzählt die gleichnamige Kriminalkomödie von Peter Coke, die Günther Geiser jetzt mit dem Lörracher Bühneli-Ensemble inszeniert hat. Wie bei der Premiere am Samstagabend zu erleben war, geht das Stück gehörig ans Zwerchfell und lebt vor allem durch die komödiantisch angelegten Figuren des Stücks und ihre ideale Besetzung. Die Schauspielerin Rose-Marie Chagaghi schlüpft fürs Bühneli endlich einmal wieder in eine tragende Rolle. Sie gibt die Hausherrin Lady Beatrice Appleby sehr resolut and mit einem Hauch von Noblesse. Nie scheint sie an dem zu zweifeln, was sie tut - ganz im Gegenteil zur Porzellanrestauratorin Elisabeth Hatfield, die herrlich überkandidelt von Kerstin Kapfer gespielt wird und aus den „Hachs“ und „Ochs“ gar nicht mehr rauskommt. Dorothea Seiter als Gesangslehrerin Nanette Parry und Ursula Golomb als Lady Alice Miller und Freundin der Hausherrin - treue Bühneli-Besucher haben die beiden noch bestens in Erinnerung als Anni and Martha, die beiden „herzigen“ alten Damen aus „Gift un Spitzehübli“ - glänzen auch im neuen Stück wieder als altjüngferliche, etwas kauzige Alte. Mit erhobener Stimme in amerikanischem oder wahlweise französischem Akzent startet die Parry per Telefonapparat ihre Ablenkungsmanöver - sehr überzeugend. In punkto Grillenhaftigkeit steht der einzige Mann in der Gesellschaft, der Generalmajor Albert Brain, den Damen aber ins nichts nach. Eher im Gegenteil: Er entwickelt die „Schlachtpläne“ für die Operationen und kommandiert seine Komplizinnen mit Stoppuhr und eiserner Hand herum. Günther Geiser kann in dieser Rolle sein komödiantisches Talent wieder einmal prima ausleben. Als Gegenpol zu den Herrschaften wird das Hausmädchen Lily von der Jüngsten aus dem Ensemble, Katharina Becker, mit herzerfrischendem Charme gegeben. So locker die Spieler die Kriminalkomödie auf die Bühne zaubern, so exakt müssen sie dabei vorgehen - freilich, ohne das den Zuschauer merken zu lassen. Drei Akte lang wird fast ununterbrochen gesprochen, da darf kein Einsatz verpasst werden. Wie vom Bühneli kaum anders zu erwarten, bewältigen alle das enorme Textpensum ohne Probleme. Und die Leute hinter der Bühne sorgen mit einem detailreichen Bühnenbild, abwechslungsreicher Beleuchtung, altbackenen Frisuren und extravaganten Outfits - man denke nur an den grandiosen Hut oder den weißen Hermelinmantel - für das stimmige Flair. Beste Unterhaltung also bei der rundum gelungenen Inszenierung, die das Premierenpublikum begeisterte. Barbara Ruda zum Archiv Badische Zeitung vom 18. November 2006 Bühneli kennt kein Tabu Im neuen Schwank "Zum Deufel mit´m Sex" geht es heiß her / Premiere ist am 25. November Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda. LÖRRACH. Franziska Botschli sieht vor ihrem geistigen Auge schon die Zeitungsschlagzeile vom nächsten Tag: "Pornografie im päpstlichen Altpapier" könnte die lauten. So etwas wäre natürlich undenkbar in der Wohlfühlstadt Lörrach, deren Ruhm sogar bis nach Rom gedrungen ist, sodass hier die Vatikan-Bank ihre erste Filiale außerhalb Italiens geöffnet hat. "Zum Deufel mit'm Sex - mir sin vo Lörrach" heißt denn auch das Lustspiel von Anthony Marriot und Alistar Foot, mit dem das Bühneli bereits im Jahr 1998 einen Riesenerfolg landete. 88 Vorstellungen mit über 10 000 Zuschauern gab es seinerzeit and Günther Geiser ist sich sicher, dass das Stück auch in der Neuauflage von 2006 ein großer Renner wird. Der Regisseur hat den Schwank nicht bloß in alemannische Mundart Übertragen, sondern auch aktualisiert und mit einer gehörigen Prise Lokalkolorit versehen. Beispielsweise lässt er die Lörracher Oberbürgermeisterin in den Nachrichten auftauchen und über der Tür der Wohnung des Filialleiters der Vatikanischen Bank hängt ein Foto von Papst Benedikt. Im Schwank bekommt Franziska Botschli, die Frau des jungen Filialleiters, die sich mit dem Verkauf von wertvollen Kristallwaren ein wenig Geld zuverdienen will, aufgrund einer Verwechslung pornografische Artikel zugesendet. Dieses kompromittierende Material muss man natürlich möglichst schnell wieder loswerden, was den Filialleiter, seine Frau und den Hauptkassierer Paul Vogel in arge Bedrängnis bringt. Obendrein wird dann auch noch ein Inspektor aus Rom angekündigt, der nachsehen soll, ob in der Lörracher Filiale alles in Ordnung ist. Die Situation gerät bald völlig außer Kontrolle und alles kommt noch schlimmer als erwartet. In zwei Besetzungen probt das Bühneli diesen herrlichen Theaterspaß, weil nach der Premiere am Samstag, 25. November, um 20 Uhr, dreimal die Woche gespielt werden soll. Schon bei den Proben geht es ziemlich turbulent zu. Die, die im "Publikum" sitzen und im Textbuch mitlesen, um - falls nötig - helfend einzugreifen, können nicht anders als lachen, wenn Rainer Sautter den dappigen "Paule" mimt. Und die Tür wird im Eifer des Gefechts so fest zugeknallt, dass das Foto über der Tür gefährlich ins Wackeln gerät. "Papa chunnt gli abe", lacht der Regisseur. Dass in der kurzweiligen Komödie auch eine gehörige Prise Erotik mitschwingt, ist aufgrund der "heißen" Materie selbstverständlich. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt Da wird der Vogel zum Güggel "Zum Deufel mit'm Sex... mir sin vo Lörrach" / Bühneli-Premiere Von Bernhard Konrad Lörrach. Es kann mit diesem Beitrag des "Bühneli" nicht abschließend geklärt werden, welches Verhältnis die Lörracher zum Thema "Sex" haben. Sicher ist indes, dass der Lörracher Filialleiter der Vatikanbank diesem delikaten Thema zumindest beruflich mit der gebührenden Distanz zu begegnen hat. Da macht es sich nicht gut, wenn durch eine unglückliche Verwechslung der für mildtätige Zwecke bestimmte Scheck bei einem Unternehmen landet, dass sich ausdrücklich auf Sex spezialisiert hat: vom Versand der schlüpfrigsten Artikel bis zum Vor-Ort-Service durch professionelle Callgirls. Fortan wird in Lörrach heftig gestöhnt, allerdings aus schierer Verzweiflung - der Lustgewinn liegt ganz beim Publikum, das sich bei der Premiere dieser Neuauflage am Samstagabend blendend amüsierte. Nach dem Erfolg in der Spielzeit 1998/99 hat sich das Ensemble um Günther Geiser zu einer überarbeiteten Neuauflage des Lustspiels von Anthony Marriot and Alistar Foot entschlossen. Nach einer Mundartbearbeitung durch Carl Hirrlinger heißt es nun also "Zum Deufel mit'm Sex... mir sin vo Lörrach". Den speziellen Schliff fürs Bühneli und die Lerchenstadt hat Günther Geiser dieser turbulenten Komödie verpasst. Stöhnen und Ächzen, dass Gott erbarm´, muss in solch einem Stück natürlich vor allem derjenige, der am wenigsten mit allem zu tun hat. In diesem Fall der Hauptkassierer der Bank, Paul Vogel (auf furiose Weise authentisch und urkomisch: Karlfrieder Gressel), der gemeinsam mit dem Banker-Ehepaar; Markus und Franziska Botschli (überzeugend: Joachim Geiser und Vanessa Schneider) krampfhaft versucht, das kompromittierende Material los zu werden - was natürlich nicht gelingt. Verschärft wird die pikante Situation durch den Kontrollbesuch des Inspektors Bruder Nikolaus aus der, Hauptstelle in Rom (sehr professionell: Günther Geiser) und "de Schruubedampfer", Mutter Botschli (sensationell: Dorothea Seiter), die sich zu allem Überfluss noch von Bankdirektor Siebenpfund (mit weltmännischer Jovialität: Horst Bachmann) umbalzen lässt. Die Callgirls Tina (Katharina Becker) and Gina (Mira Koziol) komplettieren mit Sittenpolizist Bolliger (Attila Varai) das bunte Durcheinander in einem Ensemble, das auch durch Textsicherheit und Bühnenpräsenz beeindruckte. Natürlich geht's drunter und drüber: mit Irrungen, Wirrungen, Nervenzusammenbrüchen und unerwarteten Sinnesfreuden. Wer wissen möchte, wie ein harmloser Vogel letztlich zum veritablen Güggel mutiert, der sollte sich's ansehen. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 23. Mai 2006 Vom "Missgeschick" Fremdgehen Theater Bühneli präsentiert neue Komödie "Die Perle Anna" Lörrach (zet). Mit seinem neuen Stück "Die Perle Anna" von Marc Camoletti feierte am Samstag das Theater Bühneli vor einem begeisterten Publikum Premiere. Unter der Regie von Günther Geiser gelang der kleinen Bühne in der Brombacherstraße erneut ein heiter-temporeiches Lustspiel mit hinreißenden Mimen. Ins Eheleben von Claudine (Vanessa Schneider) und Gerard (Günther Geiser) ist die Ruhe vieler Ehejahre eingekehrt. Jeweils im Glauben, vom anderen betrogen zu werden, haben sich die Partner Liebhaber zugelegt - jedoch ohne von diesen ernsthaft angetan zu sein. Und da Pierre (Attila Varai), der Liebhaber von Madame. immer im entscheidenden Moment massive Mattigkeit überkommt, und Catherine (Tanja Bissinger), die Geliebte von Monsieur, nur aufs Heiraten versessen ist, mag bei keinem der Untreuen rechte Freude aufkommen In einer Nacht, in der beide Eheleute den anderen auf Reise Wähnen, werden die Geliebten ins Haus eingeladen. Doch auch Anna (Christina Rasch), das Dienstmädchen, hat beschlossen, ihre angekündigte Fahrt aufzuschieben, und ein paar Tage im Hause der Herrschaft zu verbringen. Als Anna beide Liebschaften entdeckt, setzt sie mit viel Raffinesse alles daran, damit sich die Paare nicht über den Weg laufen. Keine leichte Aufgabe, denn kaum schließt sich die Türe zum einen Schlafzimmer, öffnet sich die Tür zum anderen. Die Zuschauer werden Zeugen einer turbulenten Nacht, in der Anna viele Widersprüche plausibel machen und ebenso viele Indizien unter den Teppich kehren muss. Wie maßgeschneidert sind die Rollen für das Bühneli-Ensemble, das sein Publikum mit liebevoll inszenierter Situationskomik und herrlichem Mienenspiel in den Bann zu ziehen versteht. In diesem wortwitzigen Stück spielt jeder eine Hauptrolle. Da ist Günther Geiser, der in seinen Gerard die ganze Gefühlspalette eines Midlife-Crisis-gepeinigten Gatten zu legen weiß. Und Claudine, auf deren Gesicht sich die widerstreitenden Gefühle sichtbar widerspiegeln. Da ist der von Attila Varai wunderbar trottelig gespielte Pierre. Er fürchtet sich im Dunkeln und kann dabei so bezaubernd jammern, dass er schnell zum Publikumsliebling wird. Oder Catherine, die so zwanghaft lieben möchte, dass sie selbst vor einem Mord nicht zurückscheut. Und natürlich dei Perle Anna, die nicht nur ein drohendes Fiasko mit rasender Ideenflut zu verhindern weiß, sondern dabei auch noch kräftig absahnt, und es am Ende versteht, aus vier frustrierten Liebeshungrigen zwei glückliche Paare zu machen. zum Archiv Badische Zeitung vom 23. Mai 2006 Tete-atete mit Hindernissen Das Lörracher Bühneli zeigt das Lustspiel "Die Perle Anna" von Günther Geiser Eine x-beliebige Stadt nahe Paris in den 60er-Jahren: Von einer Stunde auf die andere wollen Annas Herrschaften plötzlich getrennt verreisen: Gerard dienstlich nach Lyon, Claudine auf Besuch zu ihrer Mutter. Aber schnell wird dem Publikum klar, dass das alles bloß Ausreden sind. In Wirklichkeit hoffen die Eheleute auf eine sturmfreie Bude, um sich mit ihren jeweilgen Geliebten zu treffen. Und damit ihnen das neugierige Dienstmädchen Anna nicht dazwischenfunkt, wird sie flugs mit einem kleinen Reisezuschuss für einige Tage auf Urlaub geschickt. Ganz der liebevolle Ehemann bringt Gerard seine Frau zum Bahnhof, wo ihr "Chérie" bereits auf sie wartet. Und er sorgt auch dafür, dass Anna mit ihnen zusammen die Wohnung verlässt. Als das Licht darin erlöscht, kann das turbulente Spiel beginnen. Mit "Die Perle Anna" hat Günther Geiser mit dem Lörracher Bühneli zum dritten Mal ein Lustspiel des französischen Autors Schweizer Herkunft Marc Camoletti inszeniert. Und wieder dreht sich darin alles um versuchte Seitensprünge und die aus diesen Verirrungen resultierenden Verwirrungen. Man ahnt schon, was da kommt. Zunächst kehrt Anna in die dunkle Wohnung zurück, da sie das Reisegeld sparen will. Bei der Premiere am Samstagabend füllte Christina Rasch diese Rolle mit viel Witzund herbem Charme. Mit Ursula Golomb gibt es für sie eine Zweitbesetzung. Kaum ist sie mit der Calvados-Flasche aus der Hausbar in ihr Zimmer verschwunden, dreht sich erneut der Schlüssel in der Tür. Dieses Mal stolpern Claudine (Vanessa Schneider) und ihr Freund Pierre (Attila Varai) in den Salon. Feurig kann man diesen etwas tumben Kerl nun wahrlich nicht nennen. Während Claudine einer sündigen Liebesnacht entgegenfiebert, nölt er ständig herum "Wenn wir doch bloß zu mir gegangen wären". In dieses Tete-a-tete mit Ladehemmung platzt alsbald Anna herein und Cludine geht auf: "Alles nicht so einfach, wenn eine anständige Frau ihren Mann betrügt." Doch immer noch nicht genug der Katastrophe: Nachdem das Paar im Schlafzimmer und Anna wieder in ihr Zimmer verschwunden ist, erscheinen auch noch die beiden anderen Turteltauben. Günther Geiser als alternder Gerard, der sich für die junge Freundin zum Affen macht - sie nennt ihn Wauwau, weil sie treue Bernhardiner so gerne hat - und die naive Catherine (Tanja Bissinger), die zu gerne Gerards Ehefrau werden würde. Ob und wie Anna es schafft, eine wirkliche Perle zu sein und das Zusammentreffen der Vier zu verhindern - da entscheiden manchmal Sekundenbruchteile -zeigt das pfiffige Stück, das neben der erfrischenden Darstellung der Figuren vor allem von seinen temporeichen Dialogen und der Situationskomik lebt. Die fünf Akteure servieren einen herrlich unterhaltsamen Theaterspaß. Da macht es auch nichts, dass man so eine Seitensprunggeschichte schon in vielen anderen Variationen gesehe hat. Barbara Ruda zum Archiv Wochenblatt aus dem 1. Quartal 2006 "Bühneli" spielt die "Kikerikiste" 11. bis 29. März: Theaterstück für Kindergartenkinder von Paul Maar Lörrach. Streiten, immer nur streiten...,das ist doch blöd, stellen Kümmel und Bartholomäus fest - aber leider erst nach einer langen Reihe kleinerer und größerer Zänkereien, die ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt hatten. Ein geheimnisvoller Fremder, der Musikmarschierer, war mit lautem Paukenschlag aufgetaucht und hatte es fast geschafft, die beiden Freunde auseinander zu bringen. Zuerst versprach er Kümmel, ihn zum Obermarschierer zu machen, um gleiches dann auch Bartholomäus zuzusichern - heimlich natürlich. Immer gut verstanden hatten sich die Spielkameraden, deren Leben eng mit ihren zwei Kisten verbunden ist. Manchmal hatten sie ja schon gewetteifert, wer nun die Schönste hat, letztlich ging es aber immer friedlich zu. So hätten sie munter die Zeit verbringen können, und alles wäre "fantastomatisch" gewesen, wenn nicht plötzlich Bartholomäus Behausung verschwunden wäre. Als dann auch Kümmels bunter Kasten wie vom Erdboden verschluckt war, dämmert es ihnen. Sie merken plötzlich, dass der große, scheinbare Freund nicht wirklich etwas Gutes im Sinn hat und eifrig versucht, ihre Beziehungs-Kiste zu zerstören. Letztlich durchschauen die beiden Clowns dann aber die niederträchtigen Absichten des lärmenden Trommelmannes und versprechen sich die ewige Freundschaft. Bevor es jedoch soweit ist, haben sie mehrere heikle und überraschende Situationen zu meistern, und Bartholomäus wird sogar noch richtig frech zu dem Eindringling.... Geschrieben hat das Theaterstück Paul Maar, einer der namhaftesten deutschen Autoren, der wesentlich die deutsche Kinder- und Jugendliteratur geprägt hat. Er schuf das "Sams", das kleine Känguru, den tätowierten Hund und die Kuh Gloria. Seine "Kikerikiste" zählt zu den meistgespieltesten Stücken des deutschen Kindertheaters, die Regie der Aufführung im "Bühneli" übernahm Karlfrieder Gressel. Die Geschichte will Überbringer der Botschaft sein, dass Uneinigkeit, gepaart mit Dummheit und Falschheit, zu keinem guten Ende führt. Maar's Dialoge, eingepackt in Witz und Hintersinn, machen die Figuren glaubhaft und verleihen ihnen farbige Konturen. Die Darsteller sind Mira Koziol (Kümmel), Ramona Hupfer (Bartholomäus) und Attila Varai (Musikmarschierer). Ines Bode zum Archiv Badische Zeitung vom 14. März 2006 Wer streitet, der verliert Das Bühneli inszeniert Paul Maars "Kikerikiste" / Große Leistung, beste Unterhaltung LÖRRACH. Ein lang gezogenes Kikeriki schallt durchs Bühneli und über zwei Holzkisten hinweg. Zuerst lockt der Weckruf Bartholomäus aus seiner Kiste heraus: Der Bursche reckt und streckt sich, dann tut es ihm Kümmel gleich. Doch der morgendliche Frieden hält nicht allzu lang. "Du Schwein" oder "Du Nilpferd" sind einige der Nettigkeiten, die sich Bartholomäus und Kümmel bald an den Kopf werfen. Eigentlich sind die beiden ja Freunde. Nur wenn es darum geht, wer von ihnen die schönere Kiste hat, geraten sie sich in die Haare. Und da die Kisten außerordentlich fabelhaft sind und überhaupt die besten Kisten, die ihnen je begegnet sind, weil sie darin schlafen, wohnen und spielen, passiert das immer und Immer wieder. Deshalb geht es im neuen Kinderstück des Bühneli namens "Kikerikiste" nach dem Buch des Kinderbuchautors Paul Maar, das am Samstag Premiere hatte, auch manchmal ganz schön laut zu. Aber auch sehr lustig. Wenn die Freunde "vollautomatischen Brunnen mit Elektro" spielen, wenn sie ihre Kisten gegenseitig bespucken oder treten, wenn Bartholomäus in seinen langen Clownschuhen stolpert und Kümmel sich so herrlich über den Freund aufregt, dann tönt glucksendes Lachen durch die mit kleinen Kindern und Ihren Eltern besetzten Ränge. Das liegt größtenteils an dem wunderbar lockeren, ungezwungenen Spiel der jungen Frauen Ramona Hupfer (Bartholomäus) und Mira Koziol (Kümmel). "Phantastomatisch", Bartholomäus Lieblingsausdruck, wenn ihm etwas besonders gefällt, mag man auch den beiden Spielerinnen für diese tolle Leistung zurufen. Und dann gibt es da noch den geheimnisvollen Musikmarschierer (Attila Varai), der mit lautem Päng, päng, trara die Szene betritt. Ein Lump und Fiesling vor dem Herrn, der den Freunden, indem er sie gegeneinander ausspielt, die Kisten abluchst. Er hatte leichtes Spiel, weil Bartholomäus und Kümmel stritten, anstatt zusammenzuhalten. Das ist die Lehre, die die Freunde aus ihrem Verlust ziehen. Und als dann eine dritte Kiste Ins Spiel kommt, hat der Musikmarschierer keine Chance mehr. Die mit leichter Hand von Karlfrieder Gressel inszenierte "Kikerikiste" ist nicht nur lehrreich, sondern bietet vor allem beste Unterhaltung für kleine und kleinste Theaterbesucher. So eine Vorstellung ist allemal ein Erlebnis und hundertmal besser, als alleine vor der anderen Kiste (der Glotze) zu sitzen. Barbara Ruda zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 17. Oktober 2005 Realistisch, packend und effektvoll Bühneli-Ensemble setzt "Endstation Sehnsucht" gut um Lörrach. In "Endstation Sehnsucht" haben sich den Filmfans zwei Schauspiel-Ikonen unauslöschlich eingeprägt: Marlon Brando und Vivian Leigh. Kein leichtes Unternehmen also, wenn sich das Bühneli Lörrach dieses berühmte Theaterstück von Tennessee Williams vorgenommen hat. Doch es hat gut funktioniert, wie die Premiere am Freitagabend zeigte. Günther Geiser hat dieses emotional aufwühlende Psycho- und Gesellschaftsdrama realistisch, packend and effektvoll inszeniert und in einprägsamen Szenen auf die Bühne gebracht. Straßengeräusche werden eingeblendet, Glocken, Autohupen, und geschickt wird mit Lichtregie gearbeitet. Schon die Ausstattung spiegelt die Beengtheit des kleinbürgerlichen Milieus, in dem zwei Welten aufeinander prallen. Nur ein Vorhang trennt die beiden schäbigen Zimmer der Kowalskis, jeder Winkel ist voll gestopft mit Bett, Couch, Schrank, Tisch. In diese Umgebung platzt die etwas verblühte Südstaatenschönheit Blanche, die ganz in ihren Illusionen lebt und verzweifelt versucht, den einstigen Glanz der alten Plantagenherrlichkeit und ihrer eigenen Jugend und Attraktivität zu bewahren. Spannend wird dargestellt, wie diese hochkultivierte, aber hochgradig nervöse und überreizte Blanche in das Leben Ihrer Schwester Stella and deren Ehemann Stanley Kowalski dringt und es unausweichlich zur Katastrophe kommen muss. Petra Glienke als elegante zartbesaitete Blanche schneit wie "vom Winde verweht" herein. Sehr drastisch and überzeugend zeichnet sie die zerrissene Persönlichkeit dieser Südstaaten-Lady, ihr hysterisches, nervlich, angespanntes Agieren, ihre Realitätsflucht, ihr flatterndes verletzliches Wesen, schließlich ihr Zerbrechen an der Wirklichkeit - eine bemerkenswerte darstellerische Leistung. Oliver Dürscheidt als ihr proletarischer Schwager Stanley ist zwar kein animalisch rebellischer Marlon Brando, auch kein "wildes Tier", sondern ein kerniges Mannsbild vom Typ Macho, Mechaniker and Mantafahrer, der Bier aus der Flasche trinkt, die Füße auf den Tisch legt und auch mal grob-brutal wird. Kerstin Kapfer gibt glaubhaft die hausfraulich genügsame Stella, die hin- und hergerissen ist zwischen ihrer kapriziösen Schwester und ihrem besitzergreifenden Mann. In Nebenrollen sieht man Joachim Geiser als schüchternen Verehrer Mitch oder Regisseur Günther Geiser selbst als polternden Nachbarn, der seine Frau (Regina Weiss) schikaniert. Durch die extremen Gegensätze heizt sich die Atmosphäre immer mehr auf, bis zum bitteren Ende. Manche Szene gelingt geradezu filmreif: Etwa die Männerrunde beim Pokern, unter der nackten Glühbirne, im dicken Zigarrenqualm - das erinnert an alte amerikanische Gangsterfilme. Jürgen Scharf zum Archiv Badische Zeitung vom 17. Oktober 2005 Nahe am Wahnsinn Überzeugende Premiere: Lörracher Bühneli inszeniert Tennessee Williams´ "Endstation Sehnsucht" Tennessee Williams Frauen liebt man vielleicht am Ende seiner Stücke, aber niemals gleich zu Beginn. Nicht anders ergeht es einem da mit der Blanche DuBois, wie Petra Glienke sie in der neusten Inszenierung des Lörracher Bühneli "Endstation Sehnsucht" verkörpert. Sie betritt das Theater durch den, Zuschauereingang und geht unsicher vor sich hin murmelnd an den Premierengästen vorbei. Als der rote Vorhang sich öffnet, gibt er den Blick frei auf ein Wohn- und ein Schlafzimmer, die nur durch ein Stück Stoff voneinander getrennt sind. Irgendwo in New Orleans, in der Nähe - man hört es - ist eine Straßenbahnhaltestelle. Wer wohl diese Straße ausgerechnet "Elysische Gefilde" getauft hat, fragt man sich unwillkürlich. Wie im Paradies leben Blanches Schwester Stella und ihr Ehemann Stanley hier nämlich nicht gerade. Es sind bescheidene, aber immerhin intakte Verhältnisse. In diesen kleinbürgerlichen Mikrokosmos platzt unvermittelt Blanche herein, Lehrerin mit großartiger Plantagenvergangenheit, ein parfümiertes Leben in Rüschen und Glamour. Im Handumdrehen stößt sie mit ihren an den Tag gelegten Allüren, mit dem ihrer vornehmen Herkunft geschuldeten überlegenen Getue und ihrer kaum zu verbergenden Alkoholsucht auf Ablehnung - nicht nur bei dem Polen Stanley Kowalski, sondern auch beim Publikum. Wenn man dann mit ansehen muss, wie sie sich in einem Gespinst aus Lügen und Selbsttäuschungen verliert und wie sich ihre Persönlichkeit nach und nach auflöst, belächelt man sie mitleidig. Durch das intensive Spiel und die impulsive Körpersprache von Petra Glienke, die glaubhaft die Nuancen in den Stimmungen zwischen Hysterie und Selbstqualen herausarbeitet, schälen sich während dieses Prozesses aber auch die Verwundbarkeit und das verzweifelte Bedürfnis Blanches nach Halt und Liebe heraus. Sie will Schönheit und Magie und scheitert am Ende an der Unfähigkeit, in der Wirklichkeit zu leben. Großartige Leistung der Hauptdarstellerin Als sie schließlich als schluchzender, bebender Leib zu Boden geht und in die Irrenanstalt, die "Endstation Sehnsucht", abgeholt wird, empfindet man Mitgefühl, Betroffenheit und Wärme. Dieses geschafft zu haben ist eine großartige Leistung von Petra Glienke. Sie brilliert neben ihrer darstellerischen Reife mit der Beherrschung eines schier unglaublichen Textpensums. Williams Drama von den Figuren her umzusetzen, ist ein großes Stück Arbeit, zumal für ein Laientheaterensemble wie das Bühneli. Günther Geiser ist das aber prima gelungen, denn auch die anderen drei Hauptrollen sind gut besetzt. Kerstin Kapfer, die schon als Gretchen im "Urfaust" auf sich aufmerksam machte, gelingt es als Stella über weite Strecken, das Hin- und Hergerissensein zwischen Stanley, dem sie verfallen ist, und ihrer Schwester überzeugend darzustellen. Zwei Männer, zwei Gegenpole: kraftvoll, leicht aufbrausend und immer bemüht, seine Stellung gegenüber den Frauen zu behaupten - und sei es mit Gewalt - der eine (Oliver Dürscheidt als Stanley), der andere (Joachim Geiser als Mitch, Zweitbesetzung ist Thomas Kaitinnis) gefühlvoll, gutmütig und verlässlich. Weitere Rollen spielen Regina Weiss (Eunice), Günther Geiser (Steve), Attila Varai und Stefan Burkhardt (Stanleys Saufkumpane), Vanessa Schneider, Stephanie Böhringer, Horst Westiner und Karlfrieder Geiser. Mit dem amerikanischen Neuklassiker "Endstation Sehnsucht" und einer überzeugenden Ensembleleistung knüpft das Bühneli nahtlos an seine anderen Inszenierungen großer Klassiker an. Das Premierenpublikum jedenfalls war vor Begeisterung vollkommen aus dem Häuschen. Den größten Beifall bekam Petra Glienke für ihr bisheriges Meisterstück. Die Anspannung vor der gewaltigen Aufgabe löste sich bei ihr nun in Tränen der Freude auf. Barbara Ruda zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 29. November 2004 Grundstein für Riesenerfolg gelegt Einakter-Abend im Bühneli wurde zur Sternstunde für Günther Geiser Lörrach (dr). Das Bühneli hat bei der Premiere mit Einaktern von Tschechow und nach Tolstoi am Samstag erneut den Grundstein zu einem Riesenerfolg gelegt. Unter der Regie von Günther Geiser mit großem personellen Aufwand in gewohnt schönen Bühnenbildern war es ein rundum gelungener Theaterabend. Über einen Hinterhof führt der Weg zu dem Kleintheater. Im Foyer hängen und stehen Requisiten vergangener Produktionen. Hin und wieder lässt sich ein kurzer Blick auf einen der Schauspieler erhaschen, der aus der Künstlergarderobe schaut. Gerade dies ist es, was den Charme des Bühneli ausmacht. Der Abend beginnt mit "Geschehen in Marseille" von Ulrich Kabitz nach einer Volkserzählung von Leo Tolstoi. Vor- und Nachgeschichte werden von einem Erzähler (Klaus Beck als stilechter Seebär) berichtet. Der Matrose Celestin (Günther Geiser) muss in einer Hafenspelunke in Marseille erfahren, dass seine ganze Familie schon vor Jahren am Fieber gestorben ist. Nur seine kleine Schwester Florence (Katharina Becker) ist noch am Leben. Nur zwölf Minuten dauert diese tragische Farce, wodurch die entscheidende Wendung recht abrupt eintritt. Die Lachmuskeln werden im anschließenden Tschechow-Einakter "Der Heiratsantrag" strapaziert. Der auf Brautschau befindliche Iwan Wassiljewitsch Lomow (herrlich hypochondrisch: Thorsten Schilling) begibt sich zu seinem Nachbarn Stepan Stepanowitsch Tschubukow (wild gestikulierend Wolfgang Hertstein) um dessen Tochter Natalia (glaubhaft zeternd und mannstoll Stefanie Böhringer) anzuhalten. Während sich die beiden Männer schnell einig sind, entzündet sich an einer beiläufigen Bemerkung der Widerspruchsgeist der Braut. Die Situation eskaliert und kann erst im letzten Augenblick durch die väterliche Vermittlung gerettet werden. Eine gekonnte Charakterstudie liefert Attila Varai als schlurfender Diener. In "Das Bankjubiläum" schlägt die große Stunde von Günther Geiser. In einem wahren Kabinettstück stellt er den näselnden und schlurfenden Bankbuchhalter Schirin auf die Bühne. Obwohl fiebernd krank, soll er für seinen in sich selbst verliebten Direktor (vornehm: Eckhard Rasch) die Festrede zum Jubiläum schreiben. Doch ständig wird er gestört. Die mondäne Direktorenfrau (Dorothea Seiter) plappert ohne Ende – eine Bittstellerin nervt so lange, bis man sie abspeist. So endet alles in einer Katastrophe. Im abschließenden "Der Bär" erscheint der Gutsbesitzer Grigóri Stepánowitsch Smirnóff (Günther Geiser) als Gläubiger bei der trauernden Witwe Jeléna Iwánowna Popówa (Rose-Marie Hermann-Chaghaghi), um die fälligen Schulden einzutreiben. Doch die kann nicht zahlen. Aber es kommt nicht zum Duell, wie dies der Gläubiger fordert, sondern zur menschlichen Annäherung. Das Publikum hatte seinen Spaß und dankte mit häufigem Szenenapplaus. zum Archiv Wochenblatt vom 19. Mai 2004 Ein großes Musical im "kleinen" Bühneli "Der Zauberer von Oz": eine exzellente Inszenierung LÖRRACH (aha). Der Applaus wollte kein Ende nehmen, und die Mitwirkenden hatten ihn sich wirklich verdient. Richtig klasse war die Premiere des Musicals "Der Zauberer von Oz" im Bühneli in Lörrach. Thorsten Schilling stand als großartig agiler Zinnmann auf der Bühne, choreografierte und führte erstmals Regie. Seine Inszenierung der aufregenden Reise von Dorothy zum mächtigen Zauberer von Oz sprühte nur so vor Aktivität, Musikalität, gekonnter Mimik und Gestik der jungen Schauspieler. Die Mitwirkenden agierten von Beginn an mit Spaß, ließen ihn aber im Laufe des Abends immer fröhlicher spüren. Dorothy (Katharina Becker) gelangt mit ihrem Hund Toto durch einen Wirbelsturm nach Oz, will aber zurück nach Kansas. Das züchtige, willens- und überzeugungsstarke und lebensfrohe amerikanische Mädchen geht mit ihren neuen Freunden – der Vogelscheuche ohne Verstand, der Löwin ohne Mut und dem Zinnmann ohne Herz – zum Zauberer von Oz. Er soll ihr und ihren Freunden helfen. Bei dieser abenteuerlichen Reise wurde aus der sicher und schelmisch agierenden Vogelscheuche (Steffi Böhringer) immer mehr ein freches, pfifiges Wesen mit ungeheuer blitzenden Augen. Ihr immerwährenden Streitereien mit dem Zinnmann führte sie mit einer gehörigen Portion Gehässigkeit und Rechthaberei, die dank ihres Wortwitzes bei Jung und Alt mehrfach für befreites Lachen sorgten. Die Retourkutschen des Zinnmanns "litten" immer mehr an seiner Liebe zu den vier Reisekameraden, was die Vogelscheuche nur noch mehr anstachelte, ihn immer kräftig zu ölen, damit er nicht einroste. War der Löwe (Sina Böhringer) anfangs noch passend verzagt und ängstlich, ließ sich Böhringer zunehmend mehr die Sicherheit und die Freude am Spiel anmerken. Wendig, beweglich, agil in ihrem Löwenfell greift sie mutig die missgünstige Westhexe (Silke Ritter) an oder räumt den fünf Freunden Hindernisse aus dem Weg, damit sie zum Zauberer von Oz gelangen. Diesen spielt attila Vàrai gekonnt hektisch tatterig. Zwar kam die Musik vom Band, aber die Schauspieler sangen alle selbst, und das wie große Musical-Stars! Bunt und phantasievoll waren das Bühnenbild (Kathrin Gischler) und die selbst genähten Kostüme (Silke Ritter). Der Licht- und Showtechnik gebührt ein Sonderlob: Daniel Böhringer, Aaron Hupfer und Sven Ritter verwandelten das Bühneli zeitweise in eine wilde Science Fiction Landschaft, in der grüne Laserlichter gespenstische Zeichnungen auf Zuschauer und Wand malten. Beeindruckend. Fazit: Das Bühneli braucht sich mit dieser Inszenierung nicht vor großen Musicaltheatern zu verstecken. Hingehen – mit Kindern ab 7 Jahren. zum Archiv Badische Zeitung vom 15. Mai 2004 Feuertaufe mit Glanz bestanden Premiere im Bühneli für das Musical "Der Zauberer von Oz" LÖRRACH (rud). Am Endedes Regenbogens liegt ein Land der frühen Kindheit. Magische Figuren bevölkern es, und wie im richtigen Leben bekämpfen sich gute und böse Mächte. Dort findet sich in "Der Zauberer von Oz" die kleine Dorothy nach einem Wirbelsturm wieder, dorthin nahm am Freitag bei der Premiere des gleichnamigen Familienmusicals die Jugendgruppe des Bühneli die Zuschauer mit. Und sie verzauberte alle mit hinreißendem, amüsantem Spiel, schönem Gesang und anmutigen Tänzen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Den Anspruch, mit ihrer ersten Inszenierung die gewohnt hohe Bühneli-Qualität zu erreichen, haben Regisseur Thorsten Schilling und seine junge Gruppe mit Bravour gemeistert. Da stimmte alles – von den bunten Bühnenbildern (Kathrin Gischler) über detailreiche Kostüme samt Maske (Silke Ritter und Steffi Böhringer), Die Schowtechnik mit wilden grünen Lasereffekten oder von der Decke rieselnden Schaumschneeflocken (Daniel Böhringer, Aaron Hupfer, Sven Ritter) bis hin zu den gelungenen Choreographien vom HipHop bis Riverdance (Sina Böhringer, Thorsten Schilling). Die Darsteller sprühten nur so vor Charme, spielten frisch von der Leber weg und mit aktuell-ironischen Zwischentönen. Kein Wunder, dass die Zuschauer die Figuren, die sich auf dem weg ins Smaragdland zum Zauberer von Oz zusammen fanden, um dort ihre Wünsche erfüllt zu bekommen, sofort in´s Herz schlossen. Katharina Becker gab die Dorothy kindlich und reizend mit einer Prise Keckheit. Zuerst traf sie die Strohköpfige Vogelscheuche. Steffi Böhringer konnte in dieser Rolle ihr komisches Talent richtig ausleben. Mangelte ihr es an Verstand, so beklagte der quirlige Zinnmann (Thorsten schilling) sein fehlendes Herz. Der mutlose Löwe schließlich, bei der Premiere mit viel Wärme und Humor verkörpert von Mira Kozial (im Wechsel mit Sina Böhringer), fürchtete sich vor allem und jedem. In Oz gab es jedoch nicht nur Freunde. Für Spannung und allerlei Bühnenzauber sorgten die böse Westhexe (Silke Ritter) und ihr gutes Pendant (Svenja Kuhn / Sina Schmidt). In weiteren Rollen schlüpften Ramona Hupfer, Kathrin und Nadine Geiser. Als sich die vier Freunde nach bestandenen Abenteuern am Ziel ihrer Träume wähnten, entpuppte sich der Zauberer von Oz (Attila Vàrai) als plumper Hochstapler und das Smaragdland als viel Bühnennebel und ein paar grüne Brillen. "Der Rest", so verriet der vermeintliche Zauberer, "hat sich in den Köpfen der Menschen abgespielt". Aber da hatten Dorothys Gefährten längst in ausreichendem Maße Verstand, Herz und Mut bewiesen, weil sie an sich geglaubt hatten. Nicht zu überhören war das gesangliche Potenzial der Schauspieler, die mit klaren Stimmen auch schwierige Passagen sauber intonierten und so manches Lied mit Ohrwurmqualitäten zum Besten gaben wie "Nimm meine Hand" oder "Somewhere over the Rainbow". Riesenapplaus gab´s am Ende und ein sichtlich gerührter Günther Geiser gratulierte seinem Theater-Ziehsohn Thorsten Schilling zur ganz und gar gelungenen Regiepremiere. zum Archiv Badische Zeitung vom 15. Dezember 2003 Ideal besetzt, flott gespielt Neue Bühneli-Komödie "Boeing-Boeing" ist ein echter Lachschlager Turbulenzen um drei Bräute LÖRRACH (rud). Als sich der Vorhang hebt, gibt es spontanen Applaus für das in kräftigen Farben gehaltenen Bühnenebild, das sich dem Publikum im Bühneli bietet. Ein Zimmer mit Kamin, Hausbar und Souvenies aus allen Teilen der Welt, dazu die Aussicht auf Paris und den Eiffelturm und mittendrin der charmante Bernard mit seiner Verlobten Janet beim Frühstück. Erneut brandet Beifall auf, als Günther Geiser als Bruno die Szene betritt und angewidert einen Mundwinkel hochzieht: "Für einen anständigen Diener ist das kein Leben in diesem Haus", seufzt er aus tiefstem Herzen. Es wird bei der Premiere von Camolettis Boulevardkomödie "Boeing-Boeing", keineswegs das letzte Mal sein. Schließlich ist Bruno rund um die Uhr beschäftigt, wegzuräumen, was zuerst Janet und nach ihr auch die beiden anderen Verlobten von Bernard hinterlassen, und Speisepläne zu ändern, je nachdem welche der Damen gerade im Hause landet. Stewardessen sind alle drei, und der genauen Abstimmung der Flugpläne und ausgeklügelten Terminplanung durch den Hausherrn sei dank, weiß eine nicht von der anderen. Und so soll es nach dem Willen von Bernard auch bleiben. Der Zuschauer ahnt freilich sofort, dass das turbulente Hin und Her der drei Damen dem Casanova eines Tages das Kreuz brechen wird. Fünf Zimmertüren weisen darauf hin – und wirklich: Bald taucht rechts eine auf, wenn die andere gerade links verschwunden ist. Zu alledem hat sich auch noch Robert, ein Freund aus der Provinz, für ein paar Tage bei Bernard einquartiert. Dieser unterhaltsame Stoff wurde von der Gesellschaftswirklichkeit inzwischen zwar überholt, in der Inszenierung des Bühnelis aber ist er trotzdem sehenswert, weil flott gespielt, perfekt getimet und ideal besetzt. Außerdem gibt es eine Menge zu lachen. Dem Männertrio gelingt eine geniale Zeichnung der Charaktere. Vom souveränen Strippenzieher mit viel Charme und einer Spur weltmännische Überheblichkeit wandelt sich Horst Bachmann allmählich in den total überforderten Mann. Sehr komisch kommt Rainer Sautter als Robert rüber, einer Rolle mit großer Bühnenpräsenz. Herlich, wie er die scheinbar etwas trottelige "Unschuld vom Lande" gibt, wie er viel Gemüt, aber auch den Clown im Manne zum Vorschein bringt. Ein Paraderolle für ihn, wie auch dies des leicht rosa angehauchten Dieners Bruno für Günther Geiser. Der gewiefte Mime und Regiesseur hat sie sich – so scheint´s – direkt auf den Leib geschrieben. Da stimmt jede Bewegung, jedes Zucken im Gesicht. Auch die drei Verlobten kommen in ihren Temperamenten glaubhaft rüber: Christina Rasch als die kalkulierende, unsentimentale Janet aus Amerika, Petra Glienke als anstrengende, etwas launenhafte Französin Jacqueline sowie Kerstin Kapfer als herzige Schweizerin Judith. Das Zusehen ist bei der neuen Bühneli-Inszenierung "Boeing-Boeing" also wieder einmal und rundum ein großes Vergnügen und wird bei der Premiere mit minutenlangen Ovationen belohnt. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 15. Dezember 2003 Witzige Dialoge und Situationskomik Bühneli-Inszenierung der Boulevard-Komödie "Boeing-Boeing" begeistert vom Publikum gefeiert LÖRRACH (ka). Bühneli ganz groß: Die mit Schwung inszenierte Boulevard-Komödie "Boeing-Boeing" von Marc Camoletti wurde nach dem letzten Vorhang vom Publikum am Freitag gefeiert. Zum Script des Stückes: Der Architekt Bernard lebt und liebt in Paris. Das polygam und nach Flugplänen, solchen von drei Stewardessen aus drei Ländern (USA, Schweiz, Frankreich). Er schafft es Janet, Judith und Jacqueline dank seines und des Timings der Fluggesellschaften und der unter Missbilligung dieses Lotterlebens gewährten Unterstützung durch seinen Butler Bruno alle drei in dem Glauben zu lassen, sie wären seine Frau fürs Leben. Dass solches auf Dauer (Flugpläne ändern sich) nicht gutgehen kann, die Damen sich in die Quere kommen müssen, lässt sich absehen. Wenn dann auch noch der Freund Robert (Rainer Sautter) aus der Provinz auftaucht, um in Paris die große und dauerhafte Liebe zu finden, ist das Chaos komplett. Doch löst es sich (Wie sollte es auch anders sein) in einem Happyend auf, nicht mit einem großen Knall. Janet erhält ein Telegramm von einem US-Millionär, der darin um ihre Hand anhält – und Millionären gibt man als US-Girl die seine gerne. Judith sichert sich in unschweizerischer mit Komik gespickter Eile Robert und Jacqueline ist und bleibt Bernards Herzdame – Vive la France. Das Stück lebt in erster Linie von witzigen Dialogen, Situationskomik und dem hervorragenden Spiel des Duos "Butler" Günther Geiser und "Architekt" Horst Bachmann. "Freund" Rainer Sautter stand den beiden nur wenig nach, was auch für das Stewardessen-Trio "Jaqueline" Petra Glienke, "Janet" Christina Rasch und "Judith" Kerstin Kapfer zutrifft. Letztere schaffte es herrlich, dem Leben abgelauscht eine weltmännische Schweizerin mit "Rösti-Sehnsucht" auf die Bühne zu bringen. Für die ausgezeichnete Vorstellung des Ensembles wurde es vom Publikum mit anhaltenden Ovationen nach dem letzten Vorhang gefeiert – und mehrmals hinter diesem hervor geholt. zum Archiv Badische Zeitung vom 15. September 2003 Märchenhaftes Theater für alle Große Begeisterung bei "Schlabberpatz"-Premiere im Bühneli LÖRRACH (rud). Potz Hackebeil und Donnerblitz, um es mal wie Onkel Leopold auszudrücken: Dieser Schlabberpatz ist schon ein sympathischer, possierlicher Bursche. Und auf den Mund gefallen ist er auch nicht, wie er da am Samstag bei der Premiere von "Schlabberpatz im Märchenland" auf die Bühneli-Bühne stürmt, laut kläfft und die kleinen und großen Theaterbesucher gleich direkt anspricht. "Ihr seid doch sicherlich gekommen, um eine tolle Geschichte zu erleben", fragt er in die vollen Ränge, um gleich darauf festzustellen: "Oh je, ist´s hier aber lahmarschig!" Doch lange bleibt das nicht so. Die jungen Gäste, von denen einige sicherlich zum erstenmal eine Theatervorstellung besuchen, müssen sich nur erst daran gewöhnen, dass sie hier anders als beim Fernsehen gleich von der ersten Minute an in das Stück mit einbezogen werden, was vor allem dem brillianten Thorsten Schilling in der Titelrolle auf Anhieb gelingt. So erleben sie zwei Stunden lang wirklich ein wunderschön inszeniertes, spannendes Abenteuer mit Schneeweißchen (Katharina Becker) und Rosenrot (Silke Ritter), deren Mutter (Kerstin Kapfer) und Onkel Leopold (Eckard Rasch). Prinz Konrad, der Verlobte von Schneeweißchen, ebenso gespielt von Thorsten Schilling, wurde vom bösen Zwerg Knorz in einen Bären (Günther Geiser) verwandelt. Dass dieser hässliche Gnom aus anderem Holz geschnitzt und durch und durch habgierig und herzlos ist, vermag Christina Rasch durch ihre Mimik und Gestik eindringlich darzustellen. "Menschengesichter", ruft sie verächtlich ins Publikum und verzieht das Gesicht. "Was, ihr habt keine Angst vor mir? Wisst ihr denn nicht, dass ich durch und durch böse bin?", keift sie und stampft wütend auf. "Ihr sollt auf der Stelle Angst haben!" Neben allerlei lustigen Begebenheiten und dem ein oder anderen Durcheinander kommt in dem Märchen auch die Romantik nicht zu kurz. Zum Dahinschmelzen schön singen Thorsten Schilling und Katharina Becker ein Liebeslied im Duett, was wiederum Peter Pan (Sven Glienke) zu einer abfälligen Bemerkung über verknallte Mädchen verleitet: "Aber jetzt mal ein bisschen Action, wenn ich bitten darf", fordert er und er kriegt sie auch. Peter Pan, Hänsel (Katharina Grether) und Gretel (Anja Schweinlin), Sterntaler (Nadine Geiser) und ein Sultan mit Gefolge erscheinen auf Wunsch der guten Fee Floralia (Kerstin Kapfer) im Traum der Schwestern und geben mit ihren schillernden Gewändern ein prächtiges Bild ab. Überhaupt haben Günther Geiser und sein Team wieder viel Mühe und Liebe in das detailreiche Bühnenbild (Dieter Golomb, Lioba Suvaal, Karl-Heinz Bieletzki, Jürgen Rudel) Kostüme (Heike Ihben, Elke Schneider) und Technik (Sven Ritter und Achim Kelsch) gelegt. So begeistert die gelungene neue Inszenierung Klein und Groß wieder rundum. zum Archiv Badische Zeitung vom 21. Oktober 2002 Erstklassig servierter Brüller Bühneli präsentiert eine überarbeitete Neuinszenierung des Mundartschwanks "Mi Chuchi" LÖRRACH (br). Komödienstadl auf alemannisch: "Erlauben Sie, dass I e weng gequält kichere?" fragt Rossmetzgersgattin Dora ihre Widersacherin Ella bei einem der unzähligen Kämpfe am Küchentisch. "Alemannenschlampe" entfährt es da der hochnäsigen Madame, die plötzlich gar nicht mehr etepetete ist. Es bleibt natürlich nicht beim zänkischen Wortgeplänkel: Schon ein paar Sekunden später werden die Hausfrauen handgreiflich, gehen mit Schuhen aufeinander los - was das Publikum mit einem weiteren Lachanfall quittiert. Überhaupt wird bei der Premiere der neuen alten Bühneli-Inszenierung "Mi Chuchi" am Freitag weniger "gequält gekichert" als lauthals gelacht - und das gleich gut zwei Stunden lang. Einhellig finden die begeisterten Zuschauer: dieser volkstümliche Mundartschwank ist ein echter Brüller, und wie Günther Geiser und Ensemble ihn auf der Bühne servieren: erste Sahne. Dabei ist es bereits das dritte Mal, dass das Bühneli "Mi Chuchi" gibt, ein Stück, in dem Hans Kirchhoff den ernsten Hintergrund der Zwangseinweisungen von Flüchtlingen in den 50er-Jahren auf vergnügliche Weise verarbeitete. Doch auch wer die Posse von früher kennt, kann sich auf einige Überraschungen gefasst machen. Der Theaterleiter schrieb nämlich zunächst einmal einen neuen Prolog. Wo 1990 noch Vater und Tochter beim Wäscheabhängen über die Situation nach dem Mauerfall politisierten und damit eine Verbindung zum Inhalt von "Mi Chuchi" knüpften, werden heuer die Gäste zwar wiederum mit Wäsche auf der Leine im Theater begrüßt - dazu tönt aber Musik von Rudi Schuricke. Mit einer lustigen "Badetagszene" geht's sogleich direkt hinein ins Vergnügen. Geiser fügte aufs Neue einige Finessen ein - gerade in sprachlicher Hinsicht, wo er den Alemannen genau "auf's Muul" schaute und ihre Redensweisen eins zu eins übernahm. Außerdem traf er mit der Auswahl seiner Spieler hundertprozentig ins Schwarze. Jede Rolle scheint den Akteuren auf den Leib geschneidert. Als sensationell muss man die Leistungen der Intimfeindinnen Erika Kranzer und Dorothea Seiter bezeichnen, von denen das Stück lebt. Erste spielt die Rolle des herrschsüchtigen, giftsprühenden Hausdrachens so umwerfend komisch, dass es Applaus auf offener Szene gibt. Wie sie zum Beispiel als menschlicher Gummiball auf und abhüpft und ihre Wut am Küchentisch auslässt! Dorothea Seiter überzeugt dagegen als naserümpfende, nörgelige Preussin, die nicht nur ihren armen Gatten (klasse: der sächselnde Thomas Kaitinnis) ständig herum kommandiert. Bei der Premiere liefert Erzkomödiant Günther Geiser einen furiosen cholerischen Pferdeschlachter ab, im Wechsel mit ihm übernimmt Karlfrieder Gressel den Part. Solchermaßen angestachelt kommt das ganze Ensemble gehörig in Fahrt. Nach langer Pause steht wieder einmal das Bühneli-"Urgestein" Ella Kostolich (wechselweise mit Ursula Golomb) auf der Bühne. Als Oma Meier beweist sie, dass man auch noch mit 80 Jahren als Schauspielerin bestehen kann. Wer nun Appetit auf diesen Zwerchfell strapazierenden Abend beim Bühneli bekommen hat, muss sich etwas gedulden: alle Vorstellungen bis Ende November sind nämlich bereits ausverkauft. zum Archiv Badische Zeitung vom 11. März 2002 KULTUR IN DER REGION Das Hohelied auf den Verzicht PREMIERE: Das Bühneli Lörrach inszeniert Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" LÖRRACH. "Oh Herr und Heiland steh' mir bei..." - ruhig, schlicht und innig spricht Horst Bachmann als Jedermann seine letzten Worte, nachdem der kurz zuvor zu Glauben und Einsicht gefunden hat. Er mag in diesem Moment die Augen geschlossen haben, wie im konzentrierten Selbstgespräch. Als er abtreten muss, haben ihn schließlich alle im Stich gelassen außer den an seiner Buße erstarkten Werken (Kerstin Kapfer). Während Jedermann im Grab verschwindet, erhebt der Glaube (Tanja Vogel) ein letztes Mal mit Nachdruck die Stimme: "Nun hat er vollendet das Menschenlos...". Atemlose Stille dann, als die Bühne im Dunkeln liegt; kein Engelsgesang, wie ihn Hugo von Hofmannsthal zum Schluss seines populären Werkes vorsah. Wie das Lörracher Bühneli den religiös behafteten "Jedermann" inszeniert hat, so endet er auch: Das Ensemble wahrt zwar die Tradition, bezieht aber nicht die Position einer bestimmten Religion. Kein Gott, der zu Beginn des Gleichnisspiels auf seinem Thron sitzt, statt dessen nur die Stimme vom Band. Aus dem Mönch und den Engeln, die Jedermann zu Hilfe kommen, wird eine schimmernde Lichtgestalt. Alles, was kitschig wirken könnte, hat Regisseur Günther Geiser weg gelassen. Und trotzdem berührt die neue Bühneli-Inszenierung die Zuschauer, die zahlreich ins Theater an der Brombacher Straße kommen, auch wenn "schwerere Kost" auf dem Spielplan steht. In einer Zeit, in der fast alles auf dem Altar des Geldes, der Jugend und der Macht geopfert wird, wirkt Hofmannsthals Hohelied auf den Verzicht auf irdische Güter zu Gunsten einer reinen Seele zunächst paradox. Doch unterscheidet sich das Sterben eines Menschen unserer Zeit wirklich so sehr von dem des Jedermann? Weder Reichtum und Ruhm sind nach dem Tod irgendjemanden von Nutzen. Günther Geiser überschüttet im goldglänzenden Gewand des Mammon den reichen Mann denn auch mit Hohn und triumphalem Gelächter, als er ihn mit ins Jenseits nehmen möchte. Das Vertrauen, das der Regisseur auf seinen Kollegen Horst Bachmann setzte, wurde nicht enttäuscht. Der meistert nämlich seine erste große Rolle im Klassikfach als Jedermann bewundernswert, zumal sie schwierig zu lernen und zu sprechen ist. Bachmann baut nicht auf Pathos, sondern auf ehrliches Spiel und Eindringlichkeit. Den Lebensgenießer gibt er sehr glaubhaft, als hartherziger Mann mit schlechtem Charakter kommt er freilich eine Spur zu sympathisch herüber. Insgesamt hat Geiser die Darsteller für die Rollen geschickt ausgewählt: Rose-Marie Hermann-Chaghaghi als Jedermanns Mutter, Petra Glienke als Buhlschaft, Thorsten Schilling als singender Vetter oder Rainer Sautter als guter Gesell, um nur einige zu nennen. Atemraubend der Moment während des aufwändig in Szene gesetzten Festbanketts, als der Tod an Jedermann heran tritt. Wieder einmal schafft es Klaus Beck in Wort und Gestik, unterstützt noch durch die direkt aufs Gesicht gemalte grinsenden Schädelfratze, dem Publikum Schauer über den Rücken zu jagen: kalt und emotionslos krallt er sich sein Opfer. Eine weitere geniale Maske verdankt Thomas Kaitinnis dem Künstler Michael Glos. Teufelsrot geschminkt springt der höllische Komödiant während der Schlusssequenz ins Niemandsland zwischen Leben und Tod. Als Verlierer, der die Welt nicht mehr versteht, verlässt er die Bühne. Warum, so mag mancher mit ihm zweifeln, darf Jedermann in Gottes Freuden eingehen, wo er doch zeitlebens seine Nächsten nicht liebte? Nimmt man den nicht enden wollenden Applaus des Premierenpublikums als Maßstab, wird der "Jedermann" sicherlich als weiterer Erfolg in die Geschichte des Bühnelis eingehen. Barbara Ruda zum Archiv Badische Zeitung vom 2. Januar 2001 Alemannische Komödie mit schwarzem Humor P R E MIERE: s'Bühneli inszeniert "Gift un Spitzehüübli" LÖRRACH. "Für die Sicherheit unserer Darsteller bitten wir darum, sämtliche Handys auszuschalten", forderte am Samstag im Bühneli eine freundliche Stimme aus dem Off. Doch wer würde im Folgenden die Gewähr für die Unversehrtheit von Theaterkritikern übernehmen, geriet mit Martin Brüschtli doch einer ihrer bekanntesten Vertreter auf der Bühne in haarsträubende bis lebensgefährliche Situationen. Bei der Familie Brüschtli handelte es sich nämlich um die alemannische Version der irren "Brewsters", bei Martin um den kopflosen Mortimer aus dem Filmklassiker "Arsen und Spitzenhäubchen". Diese Komödie des schwarzen Humors servierte das Bühneli-Ensemble am Wochenende ohne Furcht vor der filmischen Hypothek und ohne Tadel. Auch in alemannischer Tonart taten sich Abgründe auf in der kleinbürgerlichen Behaglichkeit des Salons der Schwestern Brüschtli. Und die komödiantisch angelegten Figuren des Stückes zelebrierten das Absurde so entschieden, dass die einzigen "Normalen", Neffe Martin, in den sich Thomas Kaitinnis im Laufe des Abends immer besser hineinspielte, und seine Verlobte Ellen (Gabi Kaltenbach), aus dem Rahmen zu fallen schienen. Die auch im Tonfall übersüßlichen Konversationen von Anni und Martha täuschten nur kurze Zeit darüber hinweg, dass die beiden herzensguten älteren Damen schon einige Leichen im Keller haben - genauer gesagt wartete Nummer 13 bereits in der Truhe auf ihre "Beerdigung" durch den schizophrenen zweiten Neffen. Eine Paraderolle für Horst Bachmann, der mit glänzenden Äuglein und geröteten Wangen, aber auch mit dem Ernst eines in seine Welt versunkenen Verrückten den Teddy mimte. Wenn er "Sturm!" brüllend die Treppe hinaufstürzte wackelte zwar die Bühne, die Schwestern Brüschtli aber brachte es nicht aus der Ruhe. Viel Spaß hatten offensichtlich Ursula Golomb und Dorothea Seiter an ihrer Ausgestaltung. Auf der einen Seite die charmante, aber resolut und mit Mutterinstinkt agierende Anni, daneben die altjüngferliche und trotz ihrer optischen Zerbrechlichkeit unbeirrbar ihrem Mörderhandwerk nachgehende Martha. Der plötzlich in ihre Idylle platzende dritte Neffe und Bösewicht im mit blutigen Narben drastisch gestalteten Frankenstein-Look gab Günther Geiser, der bei bloßer Erwähnung seines Aussehens in garstiger Maske erstarrte. Gemeinsam mit seinem plastischen Chirurgen (Karlfrieder Geiser) brachte er schließlich eine weitere Leiche ins vergnügliche Spiel. Bleiben noch die beiden Polizisten Oliver Dürscheidt und Simon Boos sowie Regina Weiss, die nicht nur als Heimleiterin auftrat, sondern als Souffleuse den Darstellern über vereinzelte Anfangsholperer half. Am Ende überstanden die Katastrophen im Brütschli-Haus nicht nur der Mieter Gips (Horst Westiner), sondern auch Theaterkritiker Martin und seine Lörracher Kolleginnen mit heiler Haut. Barbara Ruda zum Archiv Badische Zeitung vom 8. Oktober 2001 Kleiner Glöckner ganz groß Erfolgreiche Premiere des Kindermusicals "Der kleine Glöckner von Notre Dame" im Bühneli LÖRRACH. Es ist schon ein drolliger, aber sehr charmanter Geselle, der da als Erster die Bühne betritt und mit französischem Akzent so etwas wie "Ausgehverbot für Katzen" oder "Freiheit für Mäuse" fordert. Aber das ist auch kein Wunder, denn bei ihm, Baptiste, handelt es sich schließlich um die Kirchenmaus von Notre Dame in Paris. Das ein klein wenig großspurige Auftreten verzeiht man ihm gerne, denn der Arme wurde ja - so jammert er dem Publikum Mitleid heischend vor - sowohl vom großen Victor Hugo in der Vorlage als auch von Watt Disney im Film einfach vergessen. Beim Musical "Der kleine Glöckner von Notre Dame" von Christian Berg und Donato Deliano jedoch, das am Freitagnachmittag vor leider nur halbvollen Rängen im Lörracher Bühneli Premiere feierte, hat er endlich seinen großen Auftritt und mit ihm Torsten Schilling, der ihn ganz brillant mimt. Was aber Baptiste noch auszeichnet - und das ist ganz wichtig in dem Familienstück - ist, dass er sich seine Freunde nicht nach dem Aussehen oder der Herkunft aussucht und dass er mit ihnen durch dick und dünn geht. Beispielsweise mit Quasimodo, dem gutmütigen Glöckner (Rainer Sautter), der von seinem Ziehvater, dem Bürgermeister Frollo (Horst Westiner) als "Ausgeburt der Hölle" bezeichnet wird, nur weil er mit seinem Buckel und seinem gezeichneten Gesicht nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, oder mit der Zigeunerin Esmeralda (Christina Rasch) oder mit dem edlen Hauptmann Phöbus (Stefan Burkhard). Wenn Freunde zusammenhalten - so erzählt das Musical - auch in der Gefahr, und wenn die Toleranz den Hass und die Wut besiegt, triumphiert am Ende das Gute über das Böse. Diese "Moral von der Geschichte" wird vom Bühneli-Ensemble so amüsant und zauberhaft verpackt, dass das Zuschauen und Zuhören für Groß und Klein ein echter Genuss ist. Da wird vom Pariser Volk, dargestellt von Kindern und Mitgliedern des Ensembles und der Jugendgruppe, gemeinsam nach Kräften gesungen und getanzt, und das steckt an. Deswegen dürfen immer wieder auch die Zuschauer mittun. Zum Lachen gibt es reichlich, zum Beispiel über den herrlich trotteligen Wachmann (Günther Geiser). Aber es gibt auch viele besinnliche Momente, die mit den ausgelassenen abwechseln. Lange Umbaupausen, die man vor allem den jüngeren Zuschauern nicht zumuten will, werden vermieden, indem Dias großflächig an die Wände um die Bühne herum projeziert werden. Dann braucht es nur noch einen Altar oder einen Scheiterhaufen und fertig ist das stimmige Bühnenbild. Für die ausgefeilte Technik ist wie schon in den jüngsten Inszenierungen die Bühneli-Jugendgruppe zuständig. Viel Jubel und lang anhaltender Beifall nach dem ohrwurmverdächtigen Lied "Lasst uns Freunde sein", das am Ende des Stücks nochmals von allen Beteiligten angestimmt wird. Auch im Publikum wird aus voller Kehle mitgesungen, denn der berühmte Funke ist längst übergesprungen. Barbara Ruda zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 17. September 2000 "Mr. Shakespeare, Sie sind hier nicht in Stratford!" Dialektfassung "Es war die Lerche" im Bühneli bietet überaus geistreiche Unterhaltung, Klamauk und Witz Lörrach. "D'Lerche wars!" Romeo stampft wütend auf, rennt genervt in der Küche auf und ab, schreit ungestüm herum und gestikuliert wild. Im Streit mit der zickigen Julia meistens gereizt, mault diese launisch und frustriert: "Nein, s'war d'Nachtigall!" In Kishons Shakespeare Persiflage "Es war die Lerche", die im Bühneli Premiere feierte, musste sich der Besucher rasch von Erwartungen an schmachtend-gefühlvolle Romantik freimachen. Was sich da auf der Bühne entfaltet, ist nicht der Konflikt zweier sich zärtlich Liebender, deren Zuneigung durch sich befeindete Gruppen und Standesdünkel auf tragische Weise zerstört wird. Das Problem nach Kishon zeigt sich ganz banal. Da ist die Zärtlichkeit zwischen "Momo" (Günther Geiser) und dem "Schneckli" (Petra Glienke) nach dreißig Ehejahren auf ganz unspektakuläre Art und Weise verloren gegangen. Nun geht es darum, wie man sich auf unbürokratischem Weg loswerden kann. Das Ehepaar hält nur noch eine Art Hassliebe zusammen: Er, impotent geworden, vergnügt sich an einer schwabbligen Wärmflasche, die die Ausformungen weiblicher Brüste trägt. Sie, von der schnöden Wirklichkeit vollkommen ernüchtert, keift frustriert herum, pseudo emanzipiert hängt sie ihm die Küchenschürze um, besteht darauf, beim Frühstück die Zeitung zu lesen, während er, vor sich hin labernd, in Traumwelten flüchtet oder auf das Erbe seiner Schwiegermutter spekuliert. Ein komisches Paar, die beiden, er kein Held, sie keine Beauty-Queen, so dass das dürre Geistwesen Shakespeare, (Klaus Beck) mit grauem Bart, grauem Gesicht und langem weißen Haar und durchdringendem Blick entsetzt dazwischen werfen muss: "Die Zeit ist aus den Fugen geraten!" Er wünscht, die beiden zurückverwandeln zu können, was aber leider nicht geht, in diesem Stück ist einfach alles zu spät. Sein Part ist der des Kommentators, wenn er mit sülzigen Worten aus der Vorlage zitiert, wirkt es beinah weinerlich und meistens unverständlich. Im Dialog zweier sich entfremdeter Welten lässt er Julia fragen: "Was bedeuten seine Worte eigentlich?" und Momo antwortet hilflos: "Wenn ich das so genau wüsste!" An Glaubwürdigkeit büßt der edle und feinsinnige alte Shakespeare auch deshalb ein, weil er sich als "geiler Zahn" schließlich mit der kessen Lukretia einlässt. Kaugummikauend, mit Minirock und 86er Look ist für die aufmüpfige Göre "Willy" halt ein englischer Tourist, der sein barockes Outfit billig vom Flohmarkt erstanden hat. Einer, mit dem man um die Häuser ziehen kann, aber dessen Sonette und Dramen man getrost vergessen sollte. Der Spott, die Verulkung hohler Phrasen und die Demaskierung falscher Autoritäten macht vor niemandem halt. Ganz genial und zum Schreien komisch Günther Geiser in der Rolle des vergreisten Pater Lorenzo. In Mönchskutte, gebeugt, daher schlurfend, tut er so, als würde er rein gar nichts peilen und zeigt sich im Verlauf der Handlung als gerissener Mörder. Beide, Petra Glienke in der Rolle der Julia, Lukretia, sowie der Amme und Günther Geiser als Romeo sowie Geistlicher bewältigen ihre Doppel-, bzw. Dreifachbesetzungen aufs Meisterlichste. Was die Unterhaltung in diesem Stück so pikant macht, ist der Einsatz vielfältigster stilistischer Mittel: Chansons, von Pia Durandi einfühlsam begleitet, der augenzwinkernde Umgang mit Zitaten aus Vorlagen Shakespeares, hingegebenes Schauspiel und der despektierlich zum Zuge kommende Witz. Dem desillusionierten Romantiker sei zum Trost noch dies Wort mitgegeben: "Ob die Lerche, ob Nachtigall, die Vögel zwitschern überall!" zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 15. Mai 2000 "Räuber Hotzenplotz" begeistert auch Kinder der Fernseh-Generation Ottfried Preußlers Räuberstory feierte Premiere im Laientheater "`s Bühneli" Lörrach (kde). Lohende Feuerblitze, unheimlich wabernde Nebelschwaden, gerappte Geburtstagswünsche und theatralische Licht- und Toneffekte, das sind die neuen theatralischen Ingredienzien des von Günther Geiser, "Vater" des Bühneli Theaters, inszenierten Stückes "Räuber Hotzenplotz". Zum Glück klemmte bei der Premiere des Stückes "Räuber Hotzenplotz" nur der Vorhang im Laientheater "s' Bühneli", was von Markus Nicklas, dem Leiter der Technik-Gruppe, schnell behoben war, und nicht der Spielwitz der Akteure um Regisseur Günther Geiser, der der Laientheatergruppe seit 25 Jahren seinen Geist einhaucht. Nach einem Vierteljahrhundert fand er es an der Zeit, einmal ein Stück, das vor allem für Kinder (ab vier Jahren) gedacht ist, aufzuführen. Der von Wachtmeister Dimpfelmoser (Karlfieder Geiser) gesuchte Räuber Hotzenplotz (Karlfrieder Gressel) raubt der Großmutter die Kaffeemühle, das Geburtstagsgeschenk von Kasper (von Christina Rasch oder von Rainer Sautter gespielt) und Seppl (Simon Boos). Auf ihrem Weg in den Räuberwald, um Hotzenplotz dingfest zu machen, haben sie natürlich allerlei Abenteuer zu bestehen. Auch die böse Zauberin Petrosilia Zwackelmann (Gabi Kaltenbach) setzt ihnen zu. Aber mit Hilfe der schönen Fee Amaryillis (von Silke Ritter, Petra Glienke und Kathrin Gaida gespielt) wird schließlich alles wieder gut. Günther Geiser entschied sich bewusst für Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz nach dem ersten Buch und nicht für eines seiner anderen Werke, da Geiser der Meinung ist, dass diese Bühnenfassung zu selten gespielt wird. In bekannter Manier hat Geiser zusammen mit der Technik-Gruppe unter Markus Nicklas wieder einiges an theatralischen Effekten eingebaut, um auch ein TV-gewohntes Kinderpublikum zu begeistern. So beeindruckt die böse Zauberin Petrosilia Zwackelmann mit Feuerblitzen, wabernde Nebelschwaden machen den Räuberwald richtig unheimlich, Kasper und Seppl entrichten ihrer Großmutter gerappte Geburtstagswünsche. Auch theatralische Licht und Toneffekte sorgen dafür, dass auch fernsehgewohnte Kinder auf "Special-Effects" nicht verzichten müssen. Die ganze Inszenierung lebt vor allem aber vom Spielwitz aller Akteure, dem aufwendig und liebevoll gestalteten Bühnenbild und nicht zuletzt von der Faszination, die eine "Räuberstory" auf Kinderherzen auszuüben vermag. Günther Geiser und seinem Ensemble kann wieder einmal nur ein Glücksgriff in der Auswahl seiner Inszenierungen, dieses Mal für das jüngste und jüngere Publikum, bescheinigt werden . zum Archiv Badische Zeitung vom 25. Oktober 1999 Kultur in der Region Schmeichler, Zweifler und Verzweifelte Premiere von Goethes Urfaust: Unterstützt von moderner Technik wagt sich das Bühneli-Ensemble ins finstere Mittelalter LÖRRACH. Ein großes gotisches Fenster, davor altargleich ein einfacher Tisch mit aufgeschlagenen Büchern und einem Glas Tinte. Kulissen für eine Studierstube, die Doktor Heinrich Faust während seines berühmten Eingangsmonologs im Mittelalter zeigen, jenem Symbol für die Finsternis, aus der er zu entrinnen sucht. Verzweifelt und voll des Ekels wendet sich Günther Geiser als Protagonist von den etablierten Wissenschaften ab, die ihm nicht weiterhelfen konnten auf der Suche nach der Erkenntnis, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Eindrucksvoll, düster und ohne Pathos deklamiert der Bühneli-Chef diese Verse. Als er den Erdgeist beschwört, setzen erstmals die unsichtbaren Techniker die Ergebnisse ihrer Arbeit in Szene, quellen Licht und Nebel aus den Dielenritzen. Dann - mit einer hohen Stichflamme inmitten der Bühne - tritt Mephisto auf, der zuvor unbeweglich als Scheme hinter dem Fenster lauerte. Schon diese Eingangsszene von Goethes fragmentarischer Tragödie "Urfaust" machte am Freitagabend bei der Premiere im Bühneli eines klar: Hier wird nicht mit einem Klassiker experimentiert, wird nicht künstlich modernisiert, nicht ungestüm, sondern mit Sorgfalt inszeniert. Wohl gerade deshalb - und wie sich herausstellte auch wegen der ausgezeichneten Leistungen vor allem der drei Hauptdarsteller - gelingt der Amateur-Theatergruppe große Intensität in ihrem Spiel. Eine Tragödie im herkömmlichen Sinne vollzieht sich an der Figur Gretchens. In geradezu ergreifender Weise gelingt hier der jungen Kerstin Kapfer die Wandlung von der in unschuldiger Liebe entflammten Minderjährigen, über die Kindsmörderin hin zur unheilbar Verzweifelnden und Wahnsinnigen (ganz stark ihre Schlussszene im Kerker). Im direkten Kontrast zu Gretchens leiser Sprache und vorsichtiger Gestik agiert Petra Glienke als nicht mit ihren Reizen geizende Kupplerin Marthe. Rainer Sautter zeigt sich als böser Geist im Dom von der ernsten Seite; dann, wie er als Student das universitäre Treiben ironisch beleuchtet, auch von der komischen. Ebenso Unterhaltendes bietet die Szene in "Auerbachs Keller", in der Faust mit Mephistos Hilfe vier weinselige Burschen (Horst Bachmann, Eckard Rasch, Brono La Piana und Horst Westiner) mit einem Zauberstück zum Narren hält. Dafür, dass wirklich roter und weißer Wein aus dem Wirtstisch fließt, und dass dem unvorsichtigen Siebel die Hand in Flammen steht, sorgen die Jungen vom Technikprojekt. Und wer aus dem Bühneli-Ensemble könnte Mephisto wohl besser verkörpern als der kongeniale Klaus Beck. Ein Vergnügen, ihm zuzuschauen, wie er mit diabolisch glitzernden Augen katzengleich über die Bühne schleicht. Viele Masken trägt er: ein böswilliger Begleiter, ein Sarkast und Grobian, ein lockender Schmeichler und hintergründiger Spötter, dessen zur Fratze verzerrtes Grinsen und dessen beredte knöcherne Finger einen frieren lassen. Die ausgefeilte Bühnentechnik unter Leitung von Markus Nicklas wird in Günther Geisers Inszenierung behutsam und äußerst wirksam eingesetzt, genauso Bühnenbild und Requisiten. Längere Umbaupausen sind wohl nicht zu vermeiden. Nach der heiteren nun also schwere Kost im Bühneli, für die sich das Premieren-Publikum mit minutenlangen Ovationen bedankte. Barbara Ruda zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 21. Dezember 1998 Bühneli landete mit neuer Komödie Volltreffer Turbulente und rasante Premiere der Dialektkomödie "Bitte kei Sex, mir sin vo Lörrach!" Lörrach (kde). Mit der turbulenten und rasanten Komödie "Bitte kei Sex, mir sin vo Lörrach!" hatte beim Bühneli-Theater in Lörrach am Freitag seit langem wieder einmal ein Dialektstück Premiere. Nach zwei Stunden Lachen ohne Ende und mehrfachem Szenenapplaus kann das Fazit nur heißen: Das Warten hat sich gelohnt. Die Dialektbearbeitung von Yvette Kolb und die Adaption von Günther Geiser für die Bühneli-Inszenierung haben dem Lustspiel von Anthony Marriot und Alistair Foot frischen Wind eingehaucht. Der Plot ist schnell erzählt: Der Ruhm der Wohlfühlstadt Lörrach ist bis nach Rom gedrungen. Die Vatikan-Bank hat beschlossen, ihre erste Filiale außerhalb Italiens in Lörrach zu eröffnen. Ausgerechnet in dieser Bank des "Heiligen Stuhls" werden irrtümlicherweise nicht nur pornographische Fotos, sondern auch ebensolche Videokassetten und Bücher abgeliefert. Beim Versuch, dieses kompromittierende Material wieder loszuwerden, geraten der junge Filialleiter, seine Frau sowie einer der Angestellten in arge Bedrängnis. Und in dieser turbulenten Situation kündigt sich auch noch ein Inspektor von der Hauptstelle in Rom an. Nun ist Hektik angesagt! Wohin mit dem Sex-Kram? Die Ereignisse überstürzen sich, die Situationen geraten außer Kontrolle und alles kommt noch viel schlimmer als zuerst erwartet. Unter der Regie von Günther Geiser ist dem Bühneli mit diesem rasanten Lustspiel ein Volltreffer gelungen, bei dem das hervorragende Ensemble alle Register seiner komödiantischen Talente ziehen kann. Und die sind reichlich vorhanden. Herrlich exaltiert gibt beispielsweise Dorothea Seiter die Mutter des Filialleiters und erweist sich als echte Nervensäge, die natürlich immer zum falschen Moment den Raum betritt. Zum Schreien komisch auch Karfrieder Gressel als etwas trottliger Hauptkassierer der Bank, dem regelmäßig die Entsorgungsaktionen des "Schmuddelzeugs" in die Hose gehen. Überzeugend auch die Leistung von Thomas Kaitinnis als Filialleiter der Bank und Gabi Kaltenbach als dessen Frau, die wie die anderen Hauptdarsteller des Stücks von Anfang bis Ende ein hohes Tempo durchspielen müssen. Zur hervorragenden Ensembleleistung trugen auch Horst Bachmann als "ehrenwerter" Chef der Bankfiliale, Karlfrieder Geiser als ebenfalls etwas trottliger Bruder Nikolas vom Heiligen Stuhl und Ursula Golomb als Kommissarin der Sittenpolizei bei. Und nicht zu vergessen Silke Ritter und Tanja Vogel, die als heiße Callgirls "Gina und Tina" den gesitteten Gang der Geschichte endgültig durcheinander wirbeln. Zwei Stunden Lachen ohne Ende, reichlich Szenenapplaus und zum Schluß natürlich mehrere Vorhänge, das war der Dank des begeisterten Publikums an das Bühneli-Ensemble. Die nächsten Vorstellungen sind zwar schon bis weit in den Januar hinein ausverkauft, aber dennoch sollte man versuchen, noch eine Karte zu ergattern. Es lohnt sich, und die Lachmuskeln werden es danken. Vorverkauf und Reservation: Montag bis Freitag, jeweils von 17 bis 19 Uhr, unter der Telefonnummer 07621/4 33 31 im Theater in der Brombacher Straße 3 in Lörrach (Fax: 07621/4 33 67). zum Archiv Badische Zeitung vom 15. Juni 1998 Ein weiteres Mal hat das Bühneli dem Publikum etwas ganz Besonderes zu bieten "Gaslicht" spannend und geheimnisvoll Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda LÖRRACH. "Antworte mir!" und "Willst Du mir nicht gehorchen" - messerscharf durchschneidet die Stimme von Markus Nicklas immer wieder die leise Rede von Petra Glienke. Die junge Frau duckt sich wie ein geprügelter Hund unter seinen Worten, windet sich, ringt hilflos die Hände und vergräbt schließlich ihr Gesicht darin. fWer genau hinschaut, sieht die pure Verzweiflung in ihren Augen und Angst, die sich im Laufe des ersten Aktes bis zur Todesangst steiert. Gerade will ein Funke Lebensreude Bella wieder ins Leben holen, da fängt die Folter wieder von vorne an. Grauenhafter Mord Was sich da vor den Augen der Zuschauer im Bühneli abspielt, ist das Martyrium von Bella Manningham, die um das Jahr 1880 in einem eleganten Haus in London lebt. Warum nur quält ihr Ehemann Jack sie aufs grausamste, oder ist sie am Ende doch dabei, den Verstand zu verlieren, wie er es allen suggerieren will? Fragen, die sich die Zuschauer anfangs der ausverkauften Premiere von Patrick Hamiltons Kriminalstück "Gaslicht" stellen, während sie fast unmerklich ein tiefes Gefühl des Mitleids für diese unglückliche Frau beschleicht. Doch deren Heim birgt ein noch düstereres Geheimnis, denn vor 20 Jahren wurde dort ein unaufgeklärter, grauenhafter Mord verübt, und ein wertvoller Rubinschatz verschwand spurlos. Mosaikstein um Mosaikstein setzt sich die Geschichte des Hauses und des Mordes mit den seltsamen Vorkommnissen und dem geheimnisvollen Gaslicht des aktuellen Dramas zu einem Ganzen zusammen. Daß das Publikum recht bald schon die Zusammenhänge ahnt und auch den Mörder zu kennen glaubt, zieht es von Anfang an tief in das Stück hinein. Um so größer ist aber auch die Leistung der Schauspieler zu bewerten, denen es zweieinhalb Stunden lang gelingt, den Spannungsbogen trotzdem aufrecht zu erhalten. Dieser Herausforderung stellen sich in Günther Geisers Inszenierung "Gaslicht", der dritten im neuen Theater, die schon bühnenerfahrene Petra Glienke und Markus Nicklas. Beide gehören zur jungen Garde der Bühnelidarsteller und sind erstmals in tragenden Hauptrollen zu sehen. Daß sie ihre Feuertaufe mit Bravour bestehen, läßt zuversichtlich in die Zukunft des Amateurtheaters blicken. Erfahrene Spieler an ihrer Seite helfen den Jungen dabei durch ihre Ruhe und Gelassenheit. Die Güte in Person, und damit den Gegenpart zu Ehemann Jack, gibt Senior Klaus Beck als Inspektor Rough von Scotland Yard. Während Markus Nicklas' überhebliche, kalt glänzende Augen und sein süffisantes Lächeln einen erschauern lassen, möchte man sich vertrauensvoll an den guten väterlichen Freund anlehnen. Ursula Golomb und Kerstin Kapfer spielen lebendig und routiniert das Hauspersonal. Begeisterter Applaus Am Ende der Premiere gibt es minutenlangen begeisterten Applaus für alle Darsteller und unsichtbaren Helfer hinter den Kulissen. Das hervorragende, bis ins kleinste Detail stimmige Bühnenbild, schon beim Öffnen des Vorhangs mit viel Beifall bedacht, erhält den letzten Pfiff durch die vier offenen Gaslichter - ein Geschenk der Badischen Gas AG - die bei Bedarf herunter- und hochgestellt werden und dadurch viel zur geheimnisvollen Atmosphäre beitragen. Ein weiteres Mal hat das Lörracher Bühneli dem Publikum etwas ganz Besonderes zu bieten. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 2. Januar 1998 Bühneli landete wieder einen Volltreffer "Plaza Suite" von Neil Simon ist ein unterhaltender und lustiger Spiegel unserer Gesellschaft Lörrach (ps). Einen Volltreffer landete wieder einmal der Leiter und Motor der Heimatbühne 's Bühneli, Günther Geiser, mit der Auswahl des Stückes "Plaza Suite", einer Komödie von Neil Simon, die zum Jahresausklang als Premiere gezeigt wurde. "Plaza Suite", eine Komödie, die unserer heutigen Gesellschaft den Spiegel vorhält und damit vieles wiedergibt, was sich heute in vielen Familien abspielt. Autor Neil Simon versteht es trefflich, das Ganze mit lustigen Bonmots zu schmücken, was den Ernst der Handlung leicht und locker erscheinen läßt, zugleich tief und hintergründig den Kampf in der Familie schildert. Unter der Regie von Günther Geiser schafften es die Bühneli-Akteure, die Neuinszenierung in nur fünf Wochen bühnenreif auszuarbeiten und die Besucher bei der ausverkauften Premiere zu begeistern, welche die gezeigten Leistungen mit viel Applaus bedachten. Ein eigens für das neue Stück geschaffenes neues Bühnenbild und privat gestellte Biedermeiermöbel sowie der Hägelberger Kunstmaler Walter Christen sorgten für die Ausschmückung. Trefflich und ganz effektvoll das knisternde Kaminfeuer und ganz in die Zeit passend der Verkehrslärm, der das Schließen des Fensters erforderte. Die Hoffnung auf die Eherettung Was sich so alles in einem Luxushotel abspielen kann, wurde in zwei gegensätzlichen Szenen gespielt. New York 1969, Appartement 719 im Plaza Suite, hier macht sich Karen (Rose Marie Hermann-Chaghaghi) die Hoffnung, ihre Ehe mit einem Abend in dem Appartement, in dem man einst die Hochzeitsnacht verbrachte, noch retten zu können. Doch Sam (Günther Geiser) ihr Ehemann, ist beruflich sehr gestreßt, befindet sich in der Midlife-Crisis, verkörpert den Typ von Mann, für den nur noch das Geschäft zählt und vor allem seine attraktive Sekretärin Jean (Gabi Kaltenbach), in die er sich verliebt hat. Page (Thomas Kaitinnis) und Kellner (Horst Westiner) können hier nichts mehr retten. Im selben Hotel, zu anderer Zeit, wird. eine große Hochzeit gefeiert. Alles wartet auf die Braut Mimsey (Silke Ritter), die sich im Bad befindet und die ganze Gesellschaft im Foyer hinhält. Die Lust zum Heiraten fehlt ihr. Damit bringt sie die ganze Gesellschaft in hellste Aufregung. Vor allem ihre Mutter Norma (Dorothea Seiter) und ihren Vater Roy (Günther Geiser), die sich über das Verhalten der Tochter in Selbstvorwürfen und Schuldzuweisungen ergehen. Doch dann das große Happy-End, strahlend erscheint Mimsey im weißen Kleid und wirft sich ihrem Borden (Thomas Kaitinnis) an den Hals. Hochzufrieden zeigte sich nach der Premiere Spielleiter und Regisseur Günther Geiser und war voll des Lobes über das Team und das Mitwirken von Rose Marie Hermann-Chaghaghi und die gelungene Integration der neuen Akteure Gabi Kaltenbach, Horst Westiner und Silke Ritter, die in ihren Rollen voll aufgingen. Weitere Aufführungen finden am 3., 9., 10., 16., 17. und 31. Januar statt. Von Montag bis Freitag können von 17 bis 19 Uhr unter Telefon 4 33 31 Karten im Vorverkauf oder an der Theaterkasse in der Brombacher Straße erworben werden. zum Archiv Dreiland-Zeitung von 1997 Afführungsserie beim "Bühneli" Lörrach geht weiter "Sommernachtstraum" Die Premiere im Juli dieses Jahres war auch jahreszeitlich ein "Sommernachtstraum". Aber der Zauber und der Charme dieser Aufführung von Shakespeares Meisterwerk in der deutschen Übertragung von Heiko Postma bleiben natürlich auch in diesen Herbsttagen erhalten. Es ist verblüffend und sehr eindrücklich, wie Regisseur Günther Geiser und sein spielfreudiges "Bühneli"-Ensemble auf der kleinen Bühne ihres neuen Theaters in der alten Schokoladenfabrik eine Märchenatmosphäre verbreiten; mit einfachsten Mitteln -und dem Vertrauen auf die Phantasie der Zuschauer - wird der Eindruck von Tiefe und Weite erzeugt, im Palast von Theseus und im Athener Wald, wo die Liebespaare von einem tänzerisch beweglichen, lustigen Puck und dem vom Regisseur persönlich dargestellten stolzen Oberon gehörig durcheinandergewirbelt werden. Dass nicht nur die Handwerker, sondern auch der Athener Adel sprachlich klar im tiefen Wiesental heimisch ist, wird man dieser begabten Schar der Lörracher Laienspieler verzeihen. Übertragung und Regie rücken vor allem auch die Komik der Liebeshändel und der Verwirrungen in den Vordergrund. Auf lange mythologische und philosophische Vergleiche wird hingegen weitgehend verzichtet. Als Höhepunkte bleiben die Szenen des Handwerkerspiels und die Verzauberung Zettels stark in Erinnerung: Drastische, handfeste Komik mit "Pyramus und Thisby" - ein gelungenes poetisches Bild, wenn Zettel in Eselsgestalt bei Titania liegt. Thomas Waldmann zum Archiv Dreiland-Zeitung vom 11. Juli 1997 "BÜHNELI" AUTONOM "Sommernachtstraum": Theseus, Zettel, Titania, Oberon und Puck entfalten sich auf sieben mal vier Metern Spielfläche. THOMAS WALDMANN Wer im ehemaligen Suchard-Werk an der Brombacher Strasse in Lörrach eine Mehrzweckhalle im Industriebau erwartet, ist falsch gewickelt: Aus eigener Kraft, teils in Fronarbeit, mit Hilfe zahlreicher Freunde, Förderer und Gönner hat sich "S`Bühneli" ein richtiges kleines Theater in die leerstehende Halle gebaut. Eine praktische Bühne von 24 Quadratmetern steht dem Amateurtheater zur Verfügung - mit auf Knopfdruck sich öffnendem, leuchtendrotem Vorhang, Tonanlage, 38 Scheinwerfern und zwei Verfolgern, seitlich und im Schnürboden technisch für Bühnenbild-Anforderung gerüstet. Das Publikum sitzt auf 99 Plätzen unter Sheddächern und Stahlstützen, der gemütliche Zuschauerraum mit ansteigenden Reihen wird von Wandlampen und zwei kleinen Kronleuchtern geprägt. Das Theater ist "schnuckelig", wie sich Lörrachs Kulturreferent Helmut Bürgel ausdrückt; aber es ist auch leistungsfähig, was sich jüngst schon am Eröffnungsabend mit Zupforchester, einer Szene aus der neuen "Sommernachtstraum"-Produktion und Kreationen der Ballettschule Iris Karkowsky gezeigt hat. Dass das Bühneli-Ensemble in Günther Geisers Regie (seit 1975) lebendige, künstlerisch anspruchsvolle Theaterabende vor die Augen des seit Jahrzehnten treuen Publikums zaubert, weiss man z. B. von Shakespeare- und Nestroy-Abenden im Schlosspark Brombach (Ortsverwaltung). Den schönen Ort musste die Gruppe verlassen; auf der Suche nach einem Spielort entstand die Idee des eigenen Theaters in der alten Schokoladenfabrik, nach neun Monaten Arbeit war der Traum verwirklicht. Die Stadt hat vermittelt und die Gratis-Übernahme der Bestuhlung im Hirschen-Kino ermöglicht - finanziell beteiligt hat sie sich nicht. Die Kosten für den Umbau, auch fürs Theatercafe mit Möbeln aus früheren Inszenierungen, die für eine gediegene Pausenatmosphäre sorgen, und für die geräumige Künstlergarderobe betragen rund 250000 Mark. Den Umbau haben Sponsoren mitermöglicht. Der nun anlaufende Betrieb, im Mietverhältnis für vorderhand zehn Jahre, soll mit Eintrittspreisen und Unterstützung des Freundeskreises erwirtschaftet werden. Grundsätzlich plant man zwei Eigenproduktionen im Jahr; während der übrigen Zeit werden die Räume weitervermietet. Der Traum vom eigenen Theater wird von den rund 35 Mitgliedern des Vereins, dessen Geschichte bis ins Jahr 1953 zurückverfolgt werden kann, in zwei Spielserien bis Mitte August und dann ab September nun gleich praktisch umgesetzt mit dem wohl schönsten Traum, den die dramatische Literatur hervorgebracht hat: Die erotische Verzauberung von Liebespaaren und Handwerkern im von Elfen beherrschten Athener Wald - Shakespeares "Sommemachtstraum". Heute ist Premiere. Flyer von 1997 Liebe Theaterfreunde, nach Jahren der Wanderschaft, nach zahllosen Vorstellungen in Vereinsheimen und Gasthöfen, in der ehemaligen Kellerbühne im Riesgässli und im Park des Rathauses Brombach, nach Jahrzehnten engagierten Wirkens zur Freude des immer zahlreichen Publikums hat das "Bühneli" im ehemaligen Suchard-Werk ein eigenes Domizil gefunden. Für die Spielerinnen und Spieler um Günther Geiser geht damit ein langjähriger Traum in Erfüllung, der Traum von einem eigenen Theater. Das kulturelle Leben in Lörrach erhält durch diese vorbildliche Eigeninitiative eine ganzjährig und vielfältig nutzbare Spielstätte für Freunde des (Amateur-)Theaters - ein die Burgfestspiele, das Theater Gut & Edel und die verschiedenen anderen Theatergruppen ideal ergänzendes und sicher auch stimulierendes Angebot. Diese außergewöhnlich engagierte und zukunftsorientierte Eigeninitiative verdient unsere Anerkennung und höchsten Respekt. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Mithilfe. Unterstützen Sie das Vorhaben des "Bühneli", helfen Sie durch Ihre Spende mit, der Theaterbegeisterung in unserer Stadt einen festen Ort zu geben - damit dieser Traum in Erfüllung geht. Mit freundlichem Gruß Gudrun Heute-Bluhm Oberbürgermeisterin **************************************** Lieber Günther Geiser, immer wieder hatten Sie in den vergangenen Jahren mit der Schwierigkeit zu kämpfen, geeignete Auftrittsorte für Ihr Theater in Lörrach zu finden. Glücklicherweise hat Sie dabei nie der Mut verlassen, hat dabei nie Ihre Leidenschaft fürs Theater Schaden genommen. Mit Ausdauer und nie sinkendem Mut haben Sie das Ziel verfolgt, einen Ort zu schaffen, der für Sie die Welt bedeutet. Die Pläne stehen, die Baugenehmigung ist erteilt, manche Aufträge sind schon vergeben, bald wird der Spielbetrieb beginnen. In wenigen Monaten wird ein schnuckeliges Kleintheater entstanden sein, mit einer festen, ausreichend großen Bühne, mit einem Foyer, Garderoben und Lagerräumen für Kostüme, Bühnenbilder, Technik und alles andere, was in einem Theater gebraucht wird. Die Sie mit Ihren Spielerinnen und Spielern verbindende Begeisterung scheint mir der wichtigste Garant eines erfolgreichen Spielbetriebs zu sein. Für die Zukunft des "Bühneli in der Schoggi" wünsche ich Ihnen eine glückliche Hand bei der Auswahl der Stükke, gute Ideen bei der Umsetzung und so oft wie möglvh ein ausverkauftes Haus; zunächst aber die Hilfe und Unterstützung zahlreicher Spender, Gönner und Förderer. Mit den besten Wünschen Helmut Bürgel Kulturreferent **************************************** Liebe Freunde des Bühneli, In erster Linie danke ich für Ihr Interesse an unserem Spiel, meine Damen und Herren. Nach 20 Jahren wird wahr, von was wir immer geträumt haben: Ein eigenes Haus für unser Publikum. Eine feste Spielstätte für unsere Bühne. Nichts spornt eine Theatergruppe mehr an, als ungestört und kreativ arbeiten zu können. Wir freuen uns, auch mit dem Kleintheater Bühneli, Lörrach zur weiteren Bereicherung des kulturellen Lebens in unserer Stadt beitragen zu können. Alles was wir in Zukunft in Sachen "Theater" machen werden, wird zur Freude unseres großen Freundeskreises geschehen. Mit Ihrer Hilfe und unserem Engagement werden wir es schaffen. Das BÜHNELI-Ensemble wird es Ihnen danken. Mit herzlichem Gruß Günther Geiser 1. Vorsitzender Artikel vom 11. November 1996 "Die spanische Fliege" sorgt für Verwirrung Ausverkaufter Bonifatius-Saal beim "`s Bühneli" / begeisterte Zuschauer unterstützen das Kleintheater Lörrach (tex). Volkstheater wie es sein sollte: Hautnah, originell und voller Situationskomik: 's Bühneli zeigte im ausverkauften Bonifatius-Saal das witzigeTheaterstück: "Die spanische Fliege". Franz Novotny hatte den Schwank von Arnold / Bach treffend ins Alemannische übersetzt. Die Lacher waren auf seiner Seite. Vor gut ausgeleuchteter Biedermeier-Kulisse ging das Theater in zwei Akten über die Bühne. Die Regie und Gesamtleitung hatte Günther Geiser. "Des goht jo wie gschmiert und gsalbt": Witzig, voller Komik wurde herzerfrischend die Geschichte um die "spanische" Zirkus-Zänzerin Rosa Knöpfli dargestellt. Immerhin, "Die spanische Fliege" treibt den ehrenwerten Herren in einem Markgräfler Kleinstädchen den Schweiß auf die Stirn. Schließlich leben alle in einer sittenstrengen Zeit. Da kann ein Tete ä tete mit einer Tänzerin und die nächtliche "Werbetour" zum Verhängnis werden. Nicht nur die ortsansässigen Fabrikanten, sondern auch ehrenwerte Familien werden für einige Zeit mit schlimmen Befürchtungen belastet und kräftig durcheinander gewirbelt. Als dann noch der vermeintliche uneheliche Sohn Willi auftaucht, (originell und typgerecht gespielt von Rainer Sautter), gerät der kleinstädtische Friede für einige Zeit aus den Fugen. In der Hauptrolle fasziniert Senffabrikant Kasimir Jucker (Günther Geiser). Ursula Golomb spielt überzeugend die sittenstrenge Ehefrau Emma. Zusammen mit Eduard Mauderle (Karlfrieder Gressel), Präsident des örtlichen Sittenvereins, will sie die Geschichte der "Spanischen Fliege" ans Licht zerren. "Natürlich isch der Vatter worre, Mutter geht schlecht", weiß bald einer über Junggeselle Anton Werffele (Wolfgang Hertstein) Bescheid. Doch lang, lang ist es her. Seit 25 Jahren bezieht die "Spanische Fliege" - alias Rosa Knöpfli vom Hotzenwald - von mehr als drei der sittenstrengen und ehrenwerten Männern der Stadt für Sohn Willi Alimente. Im Mittelpunkt stehen zudem die heiratsfähige Senffabrikanten-Tochter (Petra Glienke) und ihre Cousine Nora (jeanette Hunzinger). "Isch mit de junge Maidle wie mit dem Senf, wenn die austrockne, will sie koiner mehr." Als dann noch Generaldirektor Friedolin Weber (Horst Bachmann) und seine Gattin Martha (Dorothea Seiter) auftauchen, ist das Chaos komplett. Da kann nur noch der junge, tüchtige Rechtsanwalt Dr. Franz Gerber (Thomas Kaitinnis) helfen. Alles in allem: Eine reife schauspielerische Leistung, die große Beachtung fand. Begeistert wurden die Schauspieler gefeiert. Klar ist: "'s Bühneli bruucht e eigenes Domizil." Darum wird das Kleintheater umziehen und in der kommenden Spielsaison "in der alten Schoggi Lörrach" den Vorhang wieder öffnen. Architekt Michael Balint hat für das "Bühneli",Umbaupläne vorgestellt und gesponsert. Jetzt werden noch weitere Sponsoren gesucht, um die Realisierung unter Dach und Fach zu bringen. Eine Investition, die sich lohnt. zum Archiv Artikel vom 2. Januar 1996 Und dann geht´s weiter im alten Trott... "Es war die Lerche" im TAM / Überzeugende Leistung der "Bühneli"-Schauspieler WEIL AM RHEIN (str). Den lieben Tag lang muß sie seine Schmutzwäsche waschen, seine blöden Sprüche anhören und Tag für Tag Rettich vom Markt heranschleppen. Und nachts liegt sie dann neben ihm mit Lockenwicklern und all ihren verflossenen Hoffnungen im Herzen, an denen der Zahn der Zeit schon seit Jahrzehnten genagt hat. Kann denn das Liebe sein? Die ganz große Jahrhundertliebe? Die, die Millionen von Menschen zu Tränen gerührt hat? Da stimmt doch etwas nicht, möchte der literaturbegeisterte Theaterbesucher aufschreien. Das kann so nicht sein. Da war doch mal alles ganz anders. So mit Balkonnächten voller Romantik und Liebesschwüren. Oder? Klar, nur bei Ephraim Kishon ist eben manches anders als normalerweise. Das erlebten die Besucher des Theater am Mühlenrain (TAM) am vergangenen Wochenende bei der Aufführung des Klassikers "Es war die Lerche" von Altmeister Ephraim Kishon immer wieder im Laufe dieses heiter-beschwingten Theaterabends, für den das Lörracher Laienensemble 's Bühneli sorgt. Weitere Aufführungen sind am 5., 6. und 12. und 13. Januar im TAM. Zur Handlung: Ein Bett in einem Schlafzimmer. Man schreibt das Jahr 1623. Ort der ehelichen Szenen ist das schöne Verona. Rund 30 Jahre sind inzwischen vergangen, seit Romeo und Julia ihren Doppelselbstmord erfolgreich hinter sich gebracht haben. Nun kann man Fraktur miteinander reden. Während sich der stürmische Liebhaber von einst wenig elegant vom Nachtlager erhebt, und auf der Suche nach seinen Pantoffeln wieder in sämtliche Fettnäpfchen tritt, die sein treues Weib für ihn bereithält, nimmt das morgendliche Unheil seinen Lauf. Und das geht so: Da betritt Julias treue Amme plötzlich die Szenerie und Romeo, genannt Mommo, erkennt in ihr seine späte Flamme. Und weiter: Der alte Pater Lorenzo, der das Jahrhundertbrautpaar einst verehelichte, entdeckt in einer schwachen Minute seine Gefühle für Romeos Gattin. Doch damit nicht genug: Lucretia, das frühreife Früchtchen des gealterten Liebespaares, verknallt sich ausgerechnet in den Schöpfer ihrer Eltern, William Shakespeare. Daß damit die Verwicklungen vorprogrammiert und das Drama frei nach Shakespeare bald perfekt ist, ist eigentlich von vornherein klar. Alle haben sie in diesem Stück von Ephraim Kishon ihre Altlasten zu bewältigen: Julia mit ihrem Sexproblem, wie es Pater Lorenzo auf den Punkt bringt, Vater Romeo mit seiner stillen Liebe zu Lisa, der Dame aus Gummi, die er des nachts zärtlich an sein einsames Herz drückt, oder Old Willie, der extra aus dem Grab aufsteht, um wieder Ordnung zu machen bei den Liebesleuten von Verona. Am Ende liegen sie wieder friedlich vereint wie einst miteinander im Ehebett. Williams Giftcoktail soll die beiden für immer und ewig in Liebe verbinden. Aber Romeo und Julia haben ihre eigene Dramarturgie für das Finale im Hinterkopf. Man muß nur warten, bis der große Romantiker den Tatort verlassen hat, und dann geht es weiter im alten Trott mit dem Zoff der Ehegatten und der Streiterei über die Sache mit der Nachtigall und der Lerche. Klaus Beck als Altvater Shakespeare lieferte ein brilliantes Spiel mit Worten und eine Gestik, die mit der Figur in Einklang war. Ihm nahm man seine Besorgnis und Trauer um den Verfall der Sitten und das Sterben der Liebe ab. Rollenflexibilität und schauspielerisches Gespür bewies auch Günther Geiser für seine Interpretation des Romeo und Pater Lorenzo. Petra Glinke-Geiser als Julia, Lucretia und treue Amme überzeugte ihr Theaterpublikum mit viel Temperament und Charme. Begleitet wurden die agilen Laienschauspieler am Klavier von Claudia Günthert. Ein Lob verdient auch Luc Bürgin für seine Arrangements. s'Bühneli - dieser Name des Laienspielensembles bürgt für gutes Theater. zum Archiv Artikel vom 17. Juli 1995 Toi, toi, toi heißt es jetzt für "`s Bühneli" Alle Akteure waren ganz heiß auf ihren Auftritt Lörrach-Brombach (ps). Einen Blick hinter die Kulissen warfen wir bei der Premiere des neuen Erfolgsstücks "Lumpazivagabundus" oder "Das liederliche Kleeblatt" von Johann Nestroy, das seine glänzende Premiere durch die Laienspielgruppe "'s Bühneli" am vergangenen Freitag abend im Brombacher Rathauspark erfuhr. Brombachs Ortsvorsteher Kurt Löhler und seine Ortsverwaltung haben ein Herz für "'s Bühneli". Die Räumlichkeiten des halben Rathauses stehen für die zwölf Spieltage dem Emsemble zur Verfügung. Angefangen vom Ratssaal über das Büro des Ratsschreibers bis hinunter in den Keller, wo man mittels Schminke und Kostüm in die jeweilige Rolle hineinschlüpft. Hier im Keller herrscht drangvolles Treiben. Herrscht knisternde Atmosphäre. Wird nach den nur 18 Proben die Premiere den großen Erfolg bringen, auf den man so sehr hingearbeitet hat? Gelassen gibt sich da Willi Borsdorf als alter Hase, mit 86 Jahren der älteste der Laienspieler ist er mit nichts aus der Ruhe zu bringen. Anders dagegen Manuela Golomb, mit 16 Jahren die Jüngste im Team, die ihre Aufregung nicht verbergen kann. Dann, fünf Minuten vor 20 Uhr, tritt Regisseur und Leiter des "'s Bühneli", Günther Geiser als Feenkönig Stellaris kostümiert, in die Mitte des Umkleideraumes. Es gibt aufmunternde Worte an die Schauspielerschar. "Proben und Generalprobe sind gut gelaufen, gut gelungene und tolle Premiere, gute Nerven, jeder soll sein Bestes bringen, dann könne nichts schief gehen." Dann rief Geiser noch allen ein "toi, toi, toi" zu, und man verließ dann gemeinsam den Umkleideraum um die Naturbühne vor dem Rathaus zu betreten. Spannung auch bei den Zuschauern, welche die ideale Kulisse des Rathauses vor sich haben. Inzwischen rennen die letzten der Zuschauer von der Kasse zu der Tribüne, um den Beginn nicht zu verpassen. Musik ertönt aus den Lautsprechern, die Akteure betreten die Bühne und weg ist bei ihnen das Lampenfieber. Mit ganzem Herzen spielen sie ihre Rollen, identifizieren sich mit ihnen. Zwischen den einzelnen Bühnenbildern gibt es keine Erholung für die Laienspieler, denn es heißt für das nächste Bühnenbild die Kulissen schieben. Endlich die Pause. Klaus Beck als Schneidergeselle Zwirn, der seine tragende Rolle wie auf den Leib geschneidert verkörpert, trifft man an der Balkontür des Ratssaales, sich schnell bei einer Zigarette erholend. Den Rest der Akteure trifft man im Umkleideraum bei einem Glas Sekt oder einem Bierchen, voll großer Freude über das Gelingen des ersten Teils der Premiere. Die Zeit drängt, man muß wegen einem Nachbarn rechtzeitig fertig sein, und schnell wieder betritt man die Naturbühne um mit Spiel und Gesang die Herzen des Publikums zu erfreuen. Am Ende Beifall. Der Beifall, "das Brot des Künstlers", wird reichlich über die Spielerschar ausgeschüttet und sie genießen ihn verdient. Sophie Glockner (92 Jahre) aus Hauingen, Ehrengast des "'s Bühneli", läßt es sich nicht nehmen, Regisseur und Leiter Günther Geiser mit Rosen und einem Schmützchen zum Erfolg zu gratulieren. Und auch Ortsvorsteher Kurt Löhler gratuliert zum tollen Erfolg vor der Rathauskulisse. zum Archiv Artikel vom 24. Dezember 1994 Zwangsversteigerung des Theaters im Riesgäßli nicht vor Ende Februar "Bühneli" zieht zum Jahresende aus LÖRRACH (ele). Mit der Zwangsversteigerung des Theaters im Riesgäßli in Lörrach ist nicht vor Ende Februar zu rechnen. Schon jetzt freilich erlischt das letzte kulturelle Lichtlein: Mit Ende des Jahres zieht das Schauspielensemble "s'Bühneli" aus und in die Stadtbibliothek um. Seit Monaten schien es absehbar, daß es dem Inhaber des Theaters, dem Lörracher Architekten Reinhold Ebler, nicht gelingen würde, das Kellertheater auf seinem angestammten Platz in der Lörracher Kulturszene zu etablieren. Zuletzt fiel ein Gastspiel von Reinhard Wespel unkommentiert ins Wasser. Mit äußerst erfolgreichen Aufführungen des Kishon-Stücks "Es war die Lerche" bewahrte einzig das "Bühneli" das Theater davor, vollends in Vergessenheit zu geraten. Freilich tat sich Ebler mit den Bedingungen schwer, die der Leiter des Ensembles, Günther Geiser, an das Engagement knüpfte. So habe Ebler oft die Besucher der Aufführungen bewirten wollen, sagte Geiser gegenüber der Badischen Zeitung, obwohl ihm die Stadt keine Ausschankgenehmigung erteilt hatte. Zudem habe Ebler, entgegen der Vereinbarung mit dem Bühneli, während der Saison eine Party veranstaltet, die im Keller deutliche Spuren hinterlassen habe: ein kaputtes Klavier, zerrissene Kostüme. Daraufhin habe sich das Ensemble entschlossen auszuziehen. Die bereits verkauften Karten blieben für die Aufführungen in der Stadtbibliothek gültig. Verschoben werden müsse nur die Vorstellung am 12. Januar, versichert Geiser. Das Ensemble, so Geiser, habe das Risiko einer Saison im Riesgässli auch deshalb auf sich genommen, weil es eine Zwangsversteigerung nicht schon zum Jahresanfang erwartete. Und in der Tat sei damit vor Ende Februar nicht zu rechnen, sagte Rechtspfleger Fritz Gramlich vom Amtsgericht Lörrach. Betrieben wird die Zwangsversteigerung von einer Bank, die zu den Gläubigern gehört. Daß das Theater weiterhin kulturell genutzt wird, könne das Amtsgericht dem neuen Besitzer nicht vorschreiben, sagte Gramlich. Auch für die Stadt sieht da Roland Schmidt, der Leiter des städtischen Rechtsamtes, keine Chance. Die Baugenehmigung für ein Kellertheater liege zwar vor, sei aber nicht bindend. Da das Riesgässli zu einem Mischgebiet gehöre, stehe es einem neuen Besitzer frei, anstelle des Theaters eine Kneipe oder Wohnungen einzurichten. Artikel von 1994 Premiere im Riesgäßli Bei der Boulevardkomödie "Hier sind sie richtig" sind Sie richtig Lörrach (kde). "Hier sind Sie richtig" heißt die Boulevardkomödie, mit der "'s Bühneli" im Lörracher "Theater im Riesgäßli" die Lachmuskeln der Zuschauer reizt. Zum Premierenabend der Boulevardkomödie "Hier sind Sie richtig" von Marc Camoletti am Freitag im Lörracher "Theater im Riesgäßli" wollen mehr Theaterhungrige, als in das kleine Kellertheater hineinpassen. Ungefähr 50 Personen mußten bereits abgewiesen und auf eine der folgenden Aufführungen vertröstet werden. Eine Attacke nach der anderen reitet das "Bühneli", unter der Regie von Günther Geiser, mit dem Stück "Hier sind Sie richtig" auf die Lachmuskeln der Glücklichen, die Einlaß finden. Ein Feuerwerk an Situationskomik lassen der ehemalige Bühnenstar Georgette (Dorothea Seiter) mit ihrem Hausmädchen Berthe (Erika Kranzer), die Malerin Jacqueline (Christina Rieber) und Janine (Ursula Golomb), eine Klavierlehrerin, die alle unter einem Dach in Paris zusammenleben, abbrennen. Alle vier haben nämlich ein Problem und versuchen dieses mit einer Zeitungsannonce zu lösen: Georgette sucht einen Mieter, die Malerin ein Modell, Berthe möchte gerne heiraten und Janine mit einem Schüler endlich Geld verdienen. Auf alle Annoncen melden sich natürlich Bewerber, womit vielfältigen Verwechslungen Tür und Tor geöffnet sind. Joachim Geiser, Rainer Sautter, Horst Bachmann und Karlfrieder Geiser spielen die Bewerber, die jeweils von der falschen Dame mit "Hier sind Sie richtig" begrüßt werden. Das Bühnenbild mit "Pariser Salonatmosphäre" schufen Lioba und Bastiaan Suvaal. Regie-Assistenz führt Hannelore Bachmann und für das gute Licht und den richtiggn Ton sorgen Markus Saiger, Ilja Fliegauf und Thomas Dworak. Für die Kostüme zeichnet Erika Kranzer verantwortlich, die Frisuren gestaltet Ursula Huber. Beim "Bühneli" im "Theater im Riesgäßli" sind die Liebhaber leichter Unterhaltung noch bis zum 29. Mai goldrichtig, wenn es heißt "Hier sind Sie richtig". Klaus D. Ebner zum Archiv Artikel vom August 1994 Theater im Schloßpark soll nicht sterben Unterschriftenaktion für Bühneli-Aufführungen im Schloßpark Lörrach (ndg). Trotz einer Vielzahl kultureller Veranstaltungen und herrlicher Abende erlebte Lörrach einen für Theaterfreunde ungewohnt mageren Sommer. Die Burgfestspiele wiederholten ihre Aufführung vom vergangenen Jahr, und im Brombacher Rathauspark gab es kein Freilichtspiel des Bühneli-Ensembles. An der Spielleitung und den Akteuren des Bühneli-Ensembles lag es nicht, daß die in den Jahren zuvor allseits gelobten Aufführungen ausfallen mußten. Spielleiter Günther Geiser betonte, daß dafür ein einziger Anwohner verantwortlich sei. Per Einspruch habe die Familie bestimmt, wann geprobt, wann und wie lange gespielt werden dürfe. "Und das in einem öffentlichen Park", entrüstet sich Geiser. Als dem Bühneli nur noch zwei Probentage für ein abendfüllendes Stück im Park zugestanden werden sollten, winkte Geiser ab. Diese Bedingungen bezeichnete er als nicht akzeptabel. Dennoch wollen die Bühneli-Verantwortlichen nicht aufgeben. Geiser: "Wir kämpfen nun darum, auch ab 1995 wieder für unser Publikum spielen zu können. " Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat Günther Geiser eine Unterschriftenaktion initiiert. Die Listen liegen bereit und können auch unter Telefon 5 22 39 angefordert werden. Geiser bittet jeden, der die Bühneli-Aufführungen schätzt und den Wunsch hat, das Ensemble ab '95 wieder im Brombacher Schloßpark zu sehen, um seine Unterschrift. Badische Zeitung vom Juli 1993 "Die Zähmung der Widerspenstigen" im Brombacher Schloßpark Rauhbein mit Durchsetzungskraft LÖRRACH. "Küß mich Käthchen", fordert Petruchio und duldet keinen Widerspruch mehr von der kratzbürstigen Katharina. Mit diesem Kuß hat das Rauhbein Petruchio endlich "Die Zähmung der Widerspenstigen" geschafft und das Happy-End der köstlichen Sommerkomödie im Brombacher Schloßpark besiegelt. "s'Bühneli" hatte mit seiner Inszenierung des Shakespeare-Lustspiels am Freitag abend vor der malerischen Schloßkulisse Premiere. 200 Besucher amüsierten sich bei idealem Sommerwetter über dieses "Lehrstück für Ehemänner". Viel Aufwand hat das Lörracher Amateurtheater-Ensemble für sein neues Freilichtstück betrieben. Über 20 Akteure sind mit komödiantischem Eifer und Verwandlungsgeschick dabei, die Kostüme von Erika Kranzer im Stil der Renaissance sind eine Augenweide; sogar die vier Musiker des Zupforchesters Lörrach unter Leitung von Günter Mantel sind stilecht ausstaffiert und unterhalten das Publikum mit passenden Gitarrenklängen. "Bühneli"-Regisseur Günther Geiser hat den unverwüstlichen Shakespeare-Klassiker in der zeitgemäß sprachlich etwas frisierten Bearbeitung von Heiko Postma mit viel Situationskomik, Wortwitz, deftig-handfestem Humor und lustigen Einfällen inszeniert. Es beginnt mit einer Rahmenhandlung, einem Vorspiel, sozusagen dem "Theater im Theater": Der betrunkene Kesselflicker Christopher Schlau (Karlfrieder Geiser) wird von einer adligen Gesellschaft (Bruno La Piana als Lord und Dorothea Seiter als Lady) selbst zum feinen Schloßherrn ausstaffiert. Zu seiner Unterhaltung wird eine Schauspieltruppe engagiert, die wiederum die eigentliche Komödie "Die Zähmung der Widerspenstigen" aufführt. Diese "Backstage Comedy" nutzt das "Bühneli"zu einer Art selbstironischem Blick hinter die Theaterkulissen. Ein rechter Macho Turbulent und höchst temperamentvoll geht's dann im "richtigen" Stück zu. Ein reicher Edelmann aus Padua, Baptista Minola (Klaus Beck in einer Paraderolle als kauziger Alter), hat zwei ungleiche Töchter: die liebreizende, sanftmütige und sittsame Bianca (hübsch wie aus einem Renaissance-Gemälde: Heidi Winzer), und die zänkische, streitsüchtige Katharina, genannt die "böse Käthe" (Christina Rieber spielt mit treffender Mimik und Gestik diesen tobenden und keifenden Satansbraten). Die beiden Schwestern locken natürlich alle möglichen Freier und Mitgiftjäger an; darunter so lächerlich-komische Figuren wie der eitle, storchenbeinige Hortensio (eine tolle Charge: Horst Bachmann) und der bucklige Gremio (hervorragend gespielt von Rainer Sautter). Der junge Lucentio (Oliver Dürscheidt) erobert schließlich mit Hilfe seines gewandten Dieners Tranio (Joachim Geiser/ Wolfgang Herstein) und seines reichen Vaters (Willi Borsdorf) das Herz der schönen Bianca. Doch nur einer nimmt es mit dem Teufelsweib Katharina auf: Petruchio, ein rechter "Macho". Günther Geiser ist in dieser Rolle ganz in seinem Element als Vollblutkomödiant. Es sind die besten Szenen des Abends, wenn er der störrischen Käthe eine Lektion erteilt, sich mit ihr einen hitzigen, übermütigen Kampf der Geschlechter liefert: sie ohrfeigt ihn, er legt sie übers Knie und versohlt sie nach Strich und Faden. Da fliegen im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen, wenn Geiser bei der "Wahnwitz-Trauung" die arme Käthe über die Schulter wirft und mit ihr im Schloßpark verschwindet, oder wenn er sich von der schimpfenden, barfüßigen Magd Biondella (Petra Glienke-Geiser) die Stiefel ausziehen läßt. Das ist alles spaßig und sehr theaterwirksam gemacht; bis hin zur originellen Schlußpointe: eine Putzfrau (Erika Kranzer) fegt den Zuschauern vor den Füßen herum und kommentiert auf alemannisch diese Zähmung Käthchens zur gehorsamen Ehefrau: "Des isch jo ä Macho, de Shakespeare..." ROSWITHA FREY zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 3. August 1992 Vor ausverkauften Rängen im Brombacher Schloßpark am Freitag abend Gelungene Premiere mit glanzvollen Pointen `s Bühneli spielt Charleys Tante / Günther Geisers Rolle als falsche Tante ein Genuß / Theatergruppe überzeugte LÖRRACH-BROMBACH. Die Premiere ist gelungen: Der tosende Beifall am Ende des dritten Aktes waren verdienter Lohn für 's Bühneli in Brombach. Mit "Charleys Tante" hatte die Laienspielgruppe um Günther Geiser einen Glücksgriff getan. Vor ausverkauften Rängen - es kamen 250 Zuschauer in den Schloßpark - sorgten die Darsteller für kräftige Reize der Lachmuskeln. Besonders Spielleiter Günther Geiser in der Rolle von Charleys falscher Tante setzte pointierte Akzente. Kurz zur Handlung: Es geht um die beiden Studenten Jack Chesney (Oliver Dürrscheidt) und Charley Wakeham (Wolfgang Hertstein), die sich in die beiden Mädchen Anny Spettigue (Petra Glienke-Geiser) und Kitty Verdun (Heidi Winzer) verliebt haben. Um den beiden ihr Herz zu offenbaren, wollen Charley und Jack die beiden Mädchen einladen. Als Anstandsdame soll die reiche Tante Donna Lucia D'Alvadorez (Dorothea Seiter) - Charleys Tante - fungieren, die allerdings ihre Ankunft wieder absagte. Da kann nur noch der Freund der beiden Studenten, Lord Fancourt Babberly (Günther Geiser) helfen. Ohne daß er wußte wie ihm geschah, wurde er zu "Charleys Tante"... Im Laufe der Handlung, die Verwicklungen nahmen ihren Lauf, tauchten auch noch zwei weitere Herren auf: Der Vater von Jack, Colonel Sir Francis Chesney (Horst Bachmann) und Advokat Stephen Spettigue (Karlfrieder Gressel), dessen einzige Sorge seiner Nichte Anny und seines Mündels Kitty galt. Schon zu Beginn konnten die beiden jungen Studenten, Jack der Aristokrat, durch Charme und Witz überzeügen. Dazu bedienten sie sich Jacks Butler Brasset, der mit zuckenden Gesichtszügen und vornehmer Zurückhaltung die Wünsche der Herren zu verwirklichen vermag. Dann trat er in Erscheinung, die tragende Figur des Schwanks in drei Akten: Günther Geiser als Lord Babberly und "Charleys Tante". Mit ausgeprägter Gestik und glänzend pointierender Interpretation des lebeleichten Lords eroberte Geiser im Sturm die Lachmuskeln des Publikums. Ob er gerade als Lord oder als Charleys Tante auf die Freilichtbühne trat, er verkörperte die Rolle in exzellenter Weise. Bestens besetzt waren auch die Rollen des mittellosen Colonels Chesney und des Advokaten Spettigue. Mit Witz, Charme und - wenn es angesagt war - mit glühender Leidenschaft stellten Horst Bachmann und Karlfrieder Gressel Personen des konservativen Großbürgertums dar. Leicht überspitzte Gesten setzten passende Akzente. Die anderen Rollen waren ebenfalls hervorragend besetzt und fügten sich in das Gesamtbild ohne abfallende Qualität ein. Und immer wieder bezogen die Schauspieler durch kleine Gesten das Publikum mit ein, wodurch der Zuschauer auch ein kleines Stück zum Mitspieler wurde. Ein Lob verdienen auch die vielen Helfer hinter der Bühne und die Stepp-Damen des Tip-Top-Clubs, die mit einer kleinen Einlage dem Schwank auch noch eine tänzerische Note gaben. Durch die Einbeziehung der Rathausräume und des Parks entstand eine Dynamik, die zur Kurzweile des an und für sich dialogbetonten Stückes beigetragen hat. Sicher ist: "Charleys Tante" ist ein sehenswerter Lach- und Augenschmaus, brillant vom "Bühneli" interpretiert und daher sehenswert. Möglichkeiten gibt es dazu in den kommenden Wochen noch genug. Volker Münch zum Archiv Badische Zeitung vom 12. August 1991 Aufführung der Theatergruppe "S`Bühneli" "Dornröschen" verzauberte vor Brombachs Schloßkulisse LÖRRACH-BROMBACH (seh). "Nach einem harten, arbeitsreichen Jahr" (Regisseur Günther Geiser) war es am Samstag soweit: Brombachs Rathaus-Park wurde zum Schauplatz der "Dornröschen"-Premiere, dargeboten vom Lörracher Amateur-Theater "S'Bühneli im Park". Ausverkauft war die Vorstellung und strahlend blau der Himmel - dafür dankte Geiser dem Wettergott und für die große Unterstützung Brombach und seinem Ortsvorsteher. Sie stellten ihr Schlößchen und den Park zur Verfügung für ein Märchenspiel, das in dieser Umgebung wahrlich zauberhaft wirkte. Das ganze Gelände, soweit von Zuschauerreihen her einsehbar, hatte Geisers Truppe in ihr Spiel einbezogen: Der Koch (sehr gut und mit Dynamik: Horst Bachmann) jagt seinen Küchenjungen (Stefanie Picen) die steile Treppe empor, im rosengeschmückten Haupteingang erstarren die beiden gemeinsam mit dem Schloßhauptmann (Willi Borsdorf) zum Schlaf. Auf dem Dach geht der böse Spruch der Fee Stacheline (eine starke Besetzung: Christina Rieber) in Erfüllung und Dornröschen (Heidi Winzer) sticht sich mit der Spule iri den Finger. Im Saal sieht man durch das weit geöffnete Fenster den König und die Königin (Karlfrieder Gressel und Lioba Suvaal) nebst Gefolge einherschreiten. Im Park agieren Prinz Heinrich (Joachim Geiser) und sein Hofmarschall ("Kolossal" gut Karlfrieder Gressel), zwischen den Büschen zündelt Stacheline, der Hauptweg zum Schlößchen hinauf führt die gute Fee Floralia (Petra Glienke-Geiser) ins Spiel, im Zentrum vor den Zuschauerbänken läuft alles wieder zusammen. So sind die Möglichkeiten des Spielortes in dieser Inszenierung gut genützt, die das Märchen ganz klassisch umsetzt, mit wallenden Kostümen, Perücken und berückender Musik. Den Pep erhält diese Freilichtaufführung wesentlich durch seine Nebenfiguren - das ist im Text so angelegt, in dem Koch, Schloßhauptmann und Hofmarschall die witzigen Gestalten sind, und gerade sie (und Stacheline) sind auch am stärksten besetzt. Doch spielt sich das natürlich leichter als alles Liebliche und Melancholische - Joachim Geiser als Prinz Heinrich zum Beispiel wird viel stärker, als er nicht mehr den Traurigen, sondern den zur Tat Entschlossenen mimt. Eine überaus dankbare Rolle übrigens, virtuos ausgespielt und besonders beliebt bei den Kindern: Hund Schlapperpatz (Thomas Werner), Prinz Heinrichs treuer Begleiter, der noch beim abschließenden Renaissance-Tanz (Choreographie: Christina Rieber) eine zentrale Rolle spielt. Das Märchenspiel, das "S'Bühneli" mit viel Aufwand für diesen Sommer einstudiert hat, ist ein optischer Genuß mit kleinen Schwächen und vielen Stärken, das man vor allem den Kindern nicht vorenthalten sollte. Der Lörracher Truppe unter der Regie von Günther Geiser ist zu verdanken, daß der Brombacher Rathaus-Park als Freilicht-Bühne entdeckt wurde, die sich vielleicht besonders, aber sicher nicht nur für Märchenaufführungen eignet. Zu hoffen ist, daß es nicht bei dieser einen Inszenierung bleibt. (Bis zum 1. September samstags und sonntags um 15 Uhr). Sabine Ehrentreich zum Archiv Badische Zeitung vom 24. Oktober 1990 "Bühneli " hat das Thema Wohnungsnot humoristisch aufbereitet Humor ist, wenn man trotzdem noch lacht Herzerfrischende Dialoge sorgten bei der Premiere für Lachsalven - Dem Volk aufs Maul geschaut LÖRRACH. "Du alti Giftsprützi", zetert die resolute Dora, ihres Zeichens Gattin des Roßmetzgers Max Meister. "Madame Pferdeschlachter", schimpft ihre Intimfeindin, die hochnäsige und unsäglich zickige Ella Senkpiel, unfreiwillige Untermieterin bei der Familie Metzger. Die beiden zänkischen Weibsbilder keifen, daß die Fetzen nur so fliegen, werfen einander die schlimmsten Bösartigkeiten und Beleidigungen an den Kopf und gehen schließlich, zur johlenden Gaudi des Publikums, mit der Bratpfanne aufeinander los ... Zankapfel der hysterischen Hausdrachen ist "Mi Chuchi", wie der gleichnamige alemannische Schwank heißt, mit dem jetzt das Lörracher "Bühneli" im Riesgäßli-Theater Premiere hatte. Es ist ein derblauniges, volkstümliches Mundart-Lustspiel, das nur so strotzt vor urigem, herzhaftem Humor. Die Zuschauer biegen sich zweieinhalb Stunden lang nur so vor Lachen, hauen sich dröhnend auf die Schenkel - so köstlich deftig und vergnüglich ist dieser hitzige Streit um die hausfrauliche Herrschaft in der Küche. Dabei hat der Schwank, der dem Volk, sprich dem kleinen Mann so richtig aufs Maul schaut, einen durchaus ernsten Hintergrund: Es geht um die Zwangseinweisung von Flüchtlingen in den 50er Jahren, als mancher Familie unliebsame Untermieter ins Haus gesetzt wurden, was natürlich nichts als Zoff und Ärger brachte. Das alles hat Autor Kirchhoff in seinem Anfang der 50er Jahre geschriebenen Stück höchst amüsant und lustig geschildert. Doch "Bühneli"-Regisseur Günther Geiser hat sich nicht damit begnügt, das Lustspiel als alemannische Komödienstadl-Version mit Witz und polternder Komik auf die Bühne zu bringen, sondern zieht mit einem eigens verfaßten "Vorspiel" aktuelle Parallelen zur heutigen politischen Situation nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung. Dieser Prolog spielt in seinem Garten anno 1990, wo der Vater (dargestellt von Günther Geiser selbst) mit der Tochter (Petra Glienke-Geiser) beim Wäsche-Abhängen anfängt, zu politisieren. Über die Ex-DDR, die künftige gesamtdeutsche Wohnungs- und Arbeitsnot, die ganze Wiedervereinigung, die nur Geld kostet, die Übersiedler aus dem Osten, die nichts als westlichen Wohlstand wollen. Geiser redet sich als Volkes Stimme sozusagen den Frust und die Zukunftssorgen von der Seele, in herzerfrischend spontanen, lebensechten und treffenden Dialogen, die all das erfassen, was viele Leute heute denken. Und dann, mit einem nostalgischen Rückblick auf die guten (!?) alten Zeiten nach dem Krieg, leitet er direkt zum eigentlichen Stück über. Der Blick fällt nun auf eine typische Küche anno 1950 (Bühnenbild: Bas und Lioba Suvaal), in der besagte Roßmetzgers-Gattin Dora regiert. Erika Kranzer ist umwerfend komisch und sensationell gut in dieser Rolle als zänkische, zeternde Alte, als echter "Räf" in Schürze, als herrschsüchtiger Hausdrachen, der mit giftiger, boshafter Zunge die ganze Familie schikaniert: ihren Göttergatten, den Roßmetzger Max Meister, einen aufbrausenden Poltergeist und Choleriker mit sanftmütigem Kern (Karlfrieder Gressel als echtes gestandenes Mannsbild); ihre Tochter Hanni (Christina Rieber und Ursula Golomb wechseln sich in dieser Rolle ab) und vor allem ihren Schwiegersohn Erich (Horst Bachmann in Handwerker-Montur), dem sie sogar die verzehrten "Härdöpfel" im Mund abzählt ... "Mi Chuchi" wird zum reinsten Irren- und Tollhaus, als die zwangseingewiesenen Untermieter auftauchen: die altjüngferlich-hochnäsige Ella Senkpiel (hinreißend lustig in ihrem Etepetete-Getue: Hilde Brenneisen), die reinste Beißzange mit Dragonerton, die ihren ärmsten Gatten "Schorschi" (Wolfgang Hertstein sächselt, daß es eine wahre Pracht ist ...) schwer unter dem Pantoffel hat. Der ganze Schwank lebt von dem jetzt folgenden Schlagabtausch und den Streichen und Sticheleien der heillos zerstrittenen Xanthippen Dora und Ella. Die beiden Darstellerinnen und sogar das ganze Ensemble kommen dabei so in Fahrt, daß das Publikum aus dem Lachen überhaupt nicht mehr rauskommt: eine tolle "Bühneli"-Leistung! Natürlich kriegt die Geschichte noch eine überraschende Wendung, als die adrette Tochter Uschi (Martina Baumann) als Bräutigam das verklemmte, schrecklich schüchterne Muttersöhnchen Walter (Thomas Werner) anschleppt. Denn der bravi Bubi entpuppt sich als Beamter vom Wohnungsamt, der den ganzen Schlamassel verursacht hat, und im übrigen der Besitzer des Hauses ist. Inmitten der turbulenten Verwicklungen und Verwirrungen, Zank und Hader dürfen abwechselnd Oma Meier (Ella Kostolich) oder Opa Meier (Willi Borsdorf) als Friedensstifter auftreten. Kein Zweifel: Mit dem Schwank, "Mi Chuchi" hat das "Bühneli" wieder einen echten Publikumsrenner und Lachschlager gelandet. Die nächsten Vorstellungen bis 17. November sind schon ausverkauft, Karten gibt's nur noch für den 20. November und die SilvesterAufführung. ROSWITHA FREY zum Archiv Artikel vom 30. Oktober 1989 `s Bühneli inszeniert "Die Falle" im Riesgäßli Knisternde Spannung Kriminalspiel mit Überraschungen: Wo ist Florence? Auf ein spannendes Kriminalspiel können sich die Besucher des Kleinkunsttheaters im Riesgäßli freuen. Das Wiesentäler Amateur-Theater-Ensemble "'s Bühneli " bringt mit dem von Günther Geiser inszenierten Stück "Die Falle " von Robert Thomas knisternde Kriminal-Atmosphäre in den Kleinkunstkeller hinein, vermag die Zuschauer bis zur letzten Spielsekunde in seinen Bann ziehen. Da fehlt es weder an Turbulenz noch an geradezu greifbarer Spannung. Bis zum Ende des Stückes bleibt der Zuschauer in Ungewißheit über den Ausgang - der ist dann allerdings so überraschend, daß selbt dem Krimikenner der Mund offen stehen bleibt. Der Zuschauer macht in dem Krimi Bekanntschaft im den verschiedensten Charakteren, erlebt die Abgründe menschlicher Fehlbarkeit, wird Zeuge von Mord und Giftmischerei, von Spielleidenschaft, Sucht, Erpressung und durchtriebener Betrügerei. Bei der Wahl der Schauspieler - alles Amateure - hatte der Regisseur Günther Geiser eine glückliche Hand. Da ist zunächst der Ehemann Daniel, der seine Frau Florence vermißt. Günther Geiser stellt den verzweifelten Mann überzeugend dar, ist unübertroffen in seiner Mimik und Körpersprache - ein wahrer Genuß für den Zuschauer und ein glänzendes Beispiel für ausgereifte Laien-Schauspielkunst. Eine nicht minder gute Leistung vollbringt Rosemarie Chaghaghi-Herrmann, die offenbar mit Daniel ein heimtückisches Spiel treibt und die Zuschauer mit immer neuen Intrigen überrascht. Mit undurchdringlicher Mine, ohne Hinweis auf seine wahren Absichten, spielt Joachim Geiser den jungen Abbe. Licht ins Dunkel zu bringen ist die Aufgabe des Polizeikommissars, in dessen Rolle Karlfriedel Gressel schlüpft. Dem scheint die Rolle des polternden Gesetzesmannes wie auf den Leib geschrieben, und mit Hilfe von Wolfgang Hertstein als Polizist klärt er die Sache später auch richtig auf. Die Krankenschwester wird in Dopelbesetzung überzeugend gespielt von Petra Glienke-Geiser und Ursula Golomb. Mit Willi Borsdorf kommt noch ein mittelloser, herumstreunender Maler ins Spiel - auch er ist ein Strohhalm, nach dem Daniel in seiner unendlichen Verzweiflung greift. Wo aber ist Florence? Auch dem Zuschauer drängt sie diese Frage im Verlauf des Spieles immer zwingender auf ... "Die Falle " garantiert in 18 Aufführungen bis zum 9. Dezember gute zwei Stunden Spannung und Unterhaltung mit Knalleffekt. Ulrike Wilke zum Archiv Artikel vom 5. November 1988 "Bühneli"-Premiere mit Lustspiel "Boeing-Boeing" Auf Flugpläne der Airlines ist nicht immer Verlaß... LÖRRACH. "Für ein anständiges Dienstmädchen ist das kein leichtes Leben in diesem Haus. " Berthe, das in Arbeit und Ehren ergraute Hausmädchen läßt den (Selbst-)Mitleid heischenden Stoßseufzer des öfteren ertönen. Ach, sie hat ja so recht: alle Kleinigkeiten wegräumen, wenn die eine geht, damit die andere nur ja keinen Verdacht schöpfen kann - Berthe hier; den Speisezettel von Joghurt mit Gurken umstellen auf Rösti mit Würstchen, je nachdem, welche Dame gerade im Hause zwischenlandet - Berthe da. Mittendrin sitzt der "gnädige Herr" Bernard, notiert fein säuberlich die Flugzeiten von Air France, PanAm und Swissair, damit nur ja Jacqueline in Stockholm weilt, während Janet gerade nach New York fliegt und er mit Judith ungestört ... Oder Judith in Kairo, Janet auf dem Flug nach Kalifornien und er mit Jacqueline... Bernard rekrutiert seine Verlobten aus dem Personal von Fluggesellschaften, liebt sie nach eigenem Bekunden alle drei, preist sein System als geradezu patentverdächtig seinem Freund Robert vom Lande an, der ihn in Paris besucht. Die Flugpläne der Airlines erweisen sich in Marc Camolettis Lustspiel "Boeing - Boeing" als keineswegs so verläßlich, wie das für Bernards Spiel mit drei Damen vonnöten wäre. Die Umstellung auf schnellere Flugzeuge läßt die Stewardessen in kürzeren Abständen in Paris zwischenlanden und die Wohnung des Umschwärmten ansteuern, und wenn dann bald nach dem Start ein Sturm über dem Atlantik die eben aufatmend Fortgewähnte unvermutet zurückweht, dann braut sich das Unwetter zusehends in Bernards vier Wänden zusammen - unheilschwanger für den Protagonisten auf der Galerietheaterbühne, höchst unterhaltsam für die davor sitzenden Zuschauer. Situationskomik, Wortwitz, Spannungssteigerung durch angedeutete und tatsächliche Verwicklungen: Robert entpuppt sich als gar nicht so ländlich-naiv, wie es zunächst scheint, sondern als schnell lernfähig - und als guter Freund. Auf wunderbare Weise begegnen sich die Damen nicht, auch wenn zwei gleichzeitig im Hause sind. Und als es dann doch soweit ist, sticht der zweite Bube (Robert) die eine Dame weg, ehe zwei Damen übereinander herfallen können und der erste Bube (Bernard) vielleicht gar keinen Stich mehr macht. Von der dritten Dame erfährt er dann, daß sie gleich ihm ein Spiel mit drei Buben macht... Es ist in der Tat kein leichtes Leben für ein anständiges Dienstmädchen in diesem Haus. Daß wir hineinsehen dürfen, verdanken wir dem Ensemble des "Bühneli". Diese neue Inszenierung Günther Geisers hatte am Donnerstag Premiere. Alle zehn Lörracher Aufführungen sind bereits ausverkauft. Wer den Besuch noch vor sich hat, darf sich auf einen vergnüglichen Theaterabend freuen. Wie er im neuen und ausgesprochen gelungenen Bühnenbild (Robert Brenneisen, Hans Kostolich, Günther Geiser) so locker über die Kellerbühne geht, das ist das Ergebnis mehrmonatiger, intensiver Probenarbeit. Es kann sich wahrlich sehen lassen. Günther Geiser spielt selbst den Robert (dafür ein Kompliment ohne Einschränkung), Horst Bachmann wird als Bernard vom souveränen Spielmacher zum Spielball des Geschehens und zeigt jeweils gute Leistungen, Hilde Brenneisen als Berthe macht mit ihrem souveräner und sprechtechnisch besser gewordenen Spiel viel Freude. Petra Geiser-Glienke (Jacqueline) hat starke Szenen, in denen sich schauspielerisehe Weiterentwicklung offenbart. Freude macht auch das Wiedersehen mit Christina Rieber (Judith), die in jeder Bühnenhinsicht Sicherheit gewonnen hat. Und schließlich: Michaela Müller (Janet) tut diesmal als Debütantin ihre ersten vielversprechenden Bühnenschritte. Sie macht ihre Sache gut. Ihren Anteil am Erfolg haben auch Vreneli und Rudi Ortlieb (Masken und Frisuren) sowie Sieglinde Struck (Licht- und Tontechnik). Alles in allem: Mit "Boeing - Boeing" hat "`s Bühneli" nach dem steten Steigflug der letzten Jahre die erreichte Flughöhe gehalten, gerät auch bei dieser neuen Aufgabe nie in Turbulenzen, die gerade das Lustspiel bietet, weil man leicht ins Klamottenhafte abdriften kann. Wir hatten einen guten Flug und freuen uns schon darauf, wenn wir beim "Bühneli" wieder einsteigen dürfen. NIKOLAUS TRENZ zum Archiv Artikel vom Oktober 1988 Unter der Regie von Karl-Frieder Gressel sind Mitglieder der Laienspielgruppe "'s Bühneli" derzeit auf Tournee in der Stadt. Im Darsteller-Sextett des Stücks "Hahn im Korb" wirken auch Willy Borsdorf und Elli Kostolich mit. In dieser Saison "'s Bühneli" zweigleisig Lörrach. -os. Während sechs Akteure der Laienspielgruppe "'s Bühneli" unter der Regie von Günther Geiser intensiv für die Premiere des Stücks "Boeing-Boeing" im Galerietheater Riesgäßle am 3. November proben, hat ein weiteres Sextett von Laienschauspielern der Gruppe derzeit schon einige Auftritte hinter sich. Zweigleisig fahre man in dieser Saison, so "'s Bühneli"-Chef Günther Geiser, der für die "Mundart-Schiene" die Regie an KarlFrieder Gressel abgegeben hat. Zusammen mit Ursel Golomb, Thomas Werner, Erika Kranzer, Elli Kostolich und Willy Borsdorf hat Gressel das Mundartstück "Der Hahn im Korb" einstudiert und bereits mit viel Publikumserfolg - zuletzt vor voller Schloßberghalle beim von der Feuerwehrmusik Haagen mitgestalteten "Feuerwehrball" im Stadtteil - aufgeführt. Oberbadisches Volksblatt vom 13. Januar 1988 LOKALES KULTURGESCHEHEN "Bühneli"-Tschechow-Abend im Riesgäßli-Theater Unterhaltungswert und Tiefgang gut gemixt Zwei Repertoirestücke um "Bankjubiläum" erweitert / Aufführungen bis Ende Monat Die Einakter des russischen Impressionisten Anton Tschechow, der 1904 in Badenweiler verstarb, bieten genau jene Verbindung von Unterhaltungswert und Tiefgang, die einer Laienbühne mit einigem Anspruch entgegenkommt. Das Lörracher "Bühneli" bewies bei seinem Tschechow-Abend im Galerietheater im Riesgäßli, daß es beide Seiten der kurzen aber entwicklungsreichen Stückchen herauszuarbeiten vermag, wenn die Akteure sich einmal "warmgespielt" haben. Die Groteske "Der Heiratsantrag", mit dem der Abend begann, ging noch etwas zu rasch über die Bühne, zu flüchtig, vor allem Christina Rieber als Natalja Stepanowna, die Umworbene, agierte in Gestik und Sprache zu undifferenziert. Mit sehr viel mehr Ruhe, die Entwicklung subtil herausspielend, war dagegen die Posse "Der Bär" inszeniert: Rose-Marie Chaghaghi-Hermann als typisch Tschechowsche Gestalt der kultivierten Gutsbesitzerin und Günther Geiser als ihr ungeschlachter Gegenpart führten wahrhaft überzeugend vor, wie nah lodernde Wut und erotische Anziehung, Liebe und Haß beieinanderliegen können. Beide Stückchen spielte das "Bühneli" nicht zum ersten Mal: Sie gehörten bereits zum Tournee-Programm des vergangenen Jahres und wurden während der Lörracher Kulturtage auch im Galerietheater aufgeführt. Premiere dagegen hatte "Das Bankjubiläum", eine Komödie, die wieder dem Prinzip der Steigerung gehorcht und mit Fingerspitzengefühl inszeniert sein muß, wenn sie nicht in die Klamotte abgleiten soll. Das "Bühneli" schaffte es: Trotz des turbulenten Geschehens am Ende des Einakters, in dem die komischen Talente der Truppe voll zum Tragen kamen, wurde das Klamaukige gemieden. Stets blieb die nervliche Qual des um seine Reputation fürchtenden Bankdirektors Schiputschin (Horst Bachmann) präsent, den der Mediziner Tschechow ebenso wie den Lomow im "Heiratsantrag" (ebenfalls von Horst Bachmann gespielt) mit ausgeprägten psychosomatischen Symptomen ausgestattet hat. Vor allem aber Günther Geiser, der auch der Regisseur des kleinen Ensembles ist, konnte in diesem letzten Einakter der Tschechow-Trilogie eine weitere Facette seines Könnens unter Beweis stellen: Ob als väterlicher Gutsbesitzer im "Heiratsantrag", als Haudegen im "Bär" oder als sauertöpfischer Buchhalter im "Bankjubiläum" - Geiser vermag überzeugend ganz verschiedene Charaktere zu verkörpern. Als Chirin Kusjma Nikolaijtsch, der Bankangestellte, ohne den der große Schiputschin gar nichts wäre, erlangt sein Spiel professionelle Qualität. Auch für Rose-Marie Chaghaghi-Hermann bietet die Rolle der unerträglichen Nervensäge die Gelegenheit, einen komischen Part zu bekleiden, der doch nicht gänzlich außerhalb jeder Realität liegt. Der Tschechow-Abend ist gelungen, die Leistung des gesamten Ensembles bis hin zur Bühnengestaltung beachtlich. Wer sich selbst überzeugen möchte, hat den ganzen Januar über Gelegenheit dazu: Gespielt wird jeweils freitags und samstags ab 20.30 Uhr (nicht am 15./16. Januar, dafür aber am Donnerstag, 21. Januar, ebenfalls um 20.30 Uhr). Alle Vorstellungen finden im Galerietheater im Riesgäßli statt. Sabine Ehrentreich zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 1. April 1987 LOKALES KULTURGESCHEHEN "Gift un Spitzehübli" im Riesgäßli-Keller Herzallerliebste Killer-Tanten Wenn das "Bühneli" mit dem Horror Scherz treibt... Sie sind wirklich zum Abküssen, die beiden herzigen alten Damen. Ein bißchen altjüngferlich-schrullig vielleicht, aber sonst die Liebenswürdigkeit in Person. Und ihre Nächstenliebe kennt keine Grenzen. Wo immer sie mit ihren bescheidenen Möglichkeiten Gutes tun können, erweisen sie ihre Wohltaten in aller Stille und Bescheidenheit. Besonders alten, einsamen Herren gilt ihr ganzes Mitleid, und ihr Mittel, solche betagten Singles von aller Last des Lebens zu erlösen, ist so probat wie effizient. Ein Schlückchen Holunderwein ... und schon ist der arme Gute von jedem irdischen Kummer befreit. Wie es weitergeht, dürfte Theater- und Filmfreunden hinreichend bekannt sein. Joseph Kesselrings rabenschwarzes Lustspiel "Arsenic and Old Lace", 1944 von Frank Capra zu einem weltweit schallend belachten Leinwandklassiker aufbereitet, ist auch heute noch so taufrisch vergnüglich wie bei der Uraufführung vor mehr als 50 Jahren. Da wird in einer Weise mit dem Horror Scherz getrieben, die bislang in der Theater- und Filmgeschichte einmalig ist. Elf Leichen im Keller und zwei, die auf der Bühne hin und her jongliert werden - wenn das nicht ans Zwerchfell geht ... In der Tat: Es geht erneut ans Zwerchfell, und zwar ganz massiv. Das "Bühneli"-Ensemble hat sich des unverwüstlichen Lachschlagers angenommen und serviert ihn derzeit im Riesgäßli-Theater in einer alemannischen Adaption. Aus der ganzen irren Brewster-Sippe, die Joseph Kesselring schuf, ist jetzt ein Brüschtli-Clan geworden. Die beiden Tanten Anni und Martha - hinreißend gespielt von Elli Kostolich und Hilde Brenneisen - meucheln nunmehr herzallerliebst auf gute Markgräfler Art, und der liebe Neffe Teddy ist halt auf halb Alemannisch, halb Hochdeutsch von der fixen Idee besessen, Präsident Roosevelt zu sein. Günther Geiser, zugleich Regisseur, macht das brillant, wenngleich die Geschichte hier ein bißchen hakt, weil kein noch so verwirrter Südbadener sich als Inkarnation von Teddy Roosevelt begreifen könnte. Aber vergleichbar populäre Politiker lassen sich in deutschen Landen nicht auftreiben. (Die Schweizer kämen da mit ihrem Wilhelm Tell elegant aus dem Schneider.) Item: Das Stück ist ohnehin so kurios, daß es auf ein paar Abwegigkeiten mehr gar nicht ankommt. Auch Frankenstein-Figuren wie der mißratene andere Neffe Jonathan (Karlfrieder Gressel spielt ihn, als stamme er in direkter Linie von Boris Karloff ab) gibt's eigentlich nur in Amerika. Macht auch nichts. Er ist schließlich unauswechselbarer Handlungs- und Spannungsträger des bizarren Verwirrspaßes. Und dann ist da noch der einzig normale Neffe Martin, der in seiner Verzweiflung ob all der Horror-Entdeckungen schier den Verstand verliert. Horst Bachmann figuriert in dieser Rolle als gestandener Charmeur-Typ höchst differenziert. Der Rest des Ensembles steht den Protagonisten kaum nach. Horst Hertstein böhmakelt als obskurer Schönheitschirurg durch das turbulente Geschehen, der Polizisten-Tolpatsch ist bei Joachim Geiser prima aufgehoben, als verliebte Pfarrerstochter macht Petra Geiser-Glienke aparte Figur und Altstratege Willi Borsdorf mimt den würdigen Herrn Pastor sowie einen alten Junggesellen, der ungeschickterweise des wohltätigen Werkes der beiden Killertanten nicht teilhaftig wird. Ursula Golomb als Irrenhaus-Inspektorin und Horst Glienke als Oberwachtmeister vervollkommnen das krude Irrwitz-Spektakel. Kommando zurück! Vervollkommnet wird "Gift un Spitzehübli" - so der alemannische Titel - durch Lioba Suvaals entzückend konzipiertes Bühnenbild, ein Großmutterstübchen, wie es Spitzweg nicht biedermeierlicher hätte malen können. Vreneli und Rudi Ortlieb steuerten die adäquaten Masken und Frisuren bei, und Markus Saiger rückt das Ganze ins rechte Licht. Die altruistische Meuchelei wird an den nächsten Wochenenden im Riesgäßli-Keller fortgesetzt. W. B. zum Archiv Wir trauern um unseren Freund und Kollegen Franz Novotny Lörrach, im Juni 1986 s`Bühneli-Ensembble Artikel vom 10. Mai 1986 Bühneli im Riesgäßli: "Die spanische Fliege" Höchst amüsante Verwicklungen Populärer Schwank in alemannischer Version Das "Rösli Knöpfli" vom Hotzenwald muß in ihrer Blütezeit schon ein "flotter Käfer" gewesen sein, schwirrt es doch auch 25 Jahre nach ihrem flüchtigen Gastspiel mit einer Tingel-Tangel-Gruppe den nun sittenstrengen Herrn noch als "spanische Fliege" im Kopf herum und sorgt für allerlei Verwicklungen im puritanischen Kleinstadtmilieu der Jahrundertwende. Zu höchst amüsanten Verwicklungen legt dieses kurze Gastspiel der flotten Flamenco-Tänzerin den Grundstein, blieb es doch nicht ohne Folgen. Folgen, die einige gestandene Herrn der besseren Gesellschaft nun arg ins Schwitzen bringen: Der vermeintliche Sohn offenbart auf der Suche nach seinem (Schwieger)- Vater, wie brüchig die Fassade der Tugendhaftigkeit doch ist. Verständlich; die Bemühungen der potentiellen Väter, ihre "Jugendsünde" möglichst geheim zu halten: Ist doch der eine im Vorstand des "Vereins zur Hebung der Sittlichkeit", und versucht die Gattin des anderen, ebenfalls als Mitglied dieses Vereins, die unbewältigte Vergangenheit ihres Gemahls zu erforschen. Wenn dann noch der eheliche Nachwuchs im Überschwang der ersten und freilich ernsten Liebe den strengen moralischen Maßstäben nicht gerecht wird, gerät das starre Konventions-Korsett völlig aus den Nähten, wird die Verwirrung komplett. Völlig die Übersicht behält jedoch "'s Bühneli", das mit "Die spanische Fliege" des Autorengespanns Franz Arnold und Ernst Bach noch bis Ende Mai im Lörracher Riesgäßli-Theater für Bühnenunterhaltung allererster Güte sorgt. Auch wenn es Günther Geiser des öfteren "us de Sogge jagt", er und sein Amateur-Ensemble beherrschen diesen Schwank mit seiner Fülle an Situationskomik, sprachlichen Finessen und mimischen Glanzleistungen mit schier traumwandlerischer Sicherheit. Franz Novotnys Übertragung des im Hochdeutschen nicht unbekannten Schwanks ins Alemannische, verleiht ihm gerade im hiesigen Raum Dichte und Atmosphäre; beides unterstreicht das Regiekonzept Günther Geisers, der zu recht auf die geschlossene Ensembleleistung setzt und auf das Abstellen auf eine oder mehrere tragende Rollen verzichtet. Günther Geiser selbst, Jannet Suvaal, Ursula Golomb, Petra Geiser, Karlfrieder Gressel, Karlfrieder Geiser, Wolfgang Hertenstein, Willi Borsdorf, Hilde Brenneisen und Joachim Geiser, sie alle machen aus diesem herzerfrischenden Schwank eine überaus erfolgreiche und sehenswerte Aufführung. Detailversessen zeigten sich Lioba Suvaal und Günther Geiser, die mit ihrem stimmigen Bühnenbild und den zeitgemäßen Kostümen der Inszenierung ebenso den letzten Schliff gaben wie Rudi und Vreneli Ortlieb, die mit Masken und Frisuren die Laienschauspieler glaubhaft auf "Jahrhundertwende" trimmten. Für die Licht- und Tontechnik zeichnet Markus Saiger verantwortlich. Noch am heutigen 10., am 16., 17., 22., 23., 30. und 31. Mai jeweils ab 20.30 Uhr sowie am Pfingstmontag um 15 Uhr läßt sich bei einem unbedingt lohnenden Theaterbesuch im Riesgäßli das Geheimnis der "spanischen Fliege" ergründen. U.O. zum Archiv Badische Zeitung vom 28. November 1984 "Fast so, wie ich mir´s vorgestellt habe" Nicht nur der Stückeschreiber Jung ist zufrieden mit der neuen Bühneli-Inszenierung Lörrach. "Wo der Herrgott die chaibe Wiiber erfunde hätt', hätt' er e echti Fehlzündig ka." Gleich im ersten Akt läßt Gerhard Jung seine Titelfigur in der Malerwerkstatt des "Wiiberfressers" diesen Satz sagen. Die ihm das Verhältnis zum weiblichen Geschlecht nachhaltig gestört haben, sind - zwar noch nicht leibhaftig - aber doch verbal ("die Zwillingsdrache") bereits gegenwärtig. Sodann tauchen sie auf, des Malers Felix Bemsels Mutter Leopoldine und deren Schwester Isidore. Der junge Meister Bemsel leidet unter ihren ständigen Angriffen und Sticheleien; Isidore, die 23 Minuten Ältere, führt stets das Wort, Leopoldine fungiert fast nur als deren Echo. Aber Tommi, der Lehrling bei Felix, nimmt die Frauen nicht für voll. Und da faßt sich auch der Felix ein Herz, beginnt sich zu emanzipieren. Gerhard Jung schürzt den Knoten der Verstrickungen um den "Wiiberfresser", der zunächst Spielball der streitbaren Schwestern ist und gleichzeitig auch von Menschen, die ihm helfen wollen: der Malermeister-Kollege Laier bringt geschickt seine Nichte als Lehrling bei Felix Bemsel unter. Und dem geübten Lustspiel-Zuschauer schwant bald, daß sich da die Wende zum Happy-end anbahnt. Bis sich am Ende dann die Richtigen gefunden haben (das Echo kommt schließlich aus Isidores Mund), spannt der Autor seinen Figuren natürlich noch ein paar Stolperdrähte, läßt aber auch immer wieder einen da sein, der die Hindernisse beiseite räumt. Daß das in dem lustigen Mundart-Spiel ständig begleitet ist von Wortspielen und Situationskomik, von aufkommender Freude und neuen Enttäuschungen, versteht sich, gibt dem Stück seine bis zum Schluß anhaltende Spannung, macht das Theater um "de Wiiberfresser" zum schieren Vergnügen. "'S Bühneli", die einheimische Amateurschauspielgruppe, hat dieses jüngste Stück von Heimatdichter Gerhard Jung am vergangenen Freitag im Adler-Saal in Brombach uraufgeführt. Günther Geiser hat Regie geführt, hat das Stück flott inszeniert, mit wohl dosiertem Tempo, hat jeden seiner Akteure die eigenen Stärken ausspielen lassen und sie allesamt doch als Ensemble zum Wohle des Ganzen zusammengeführt. Echtes Teamwork, muß man sagen. Dazu haben auch die Mitarbeiter(innen) hinter den Kulissen ihren Teil beigetragen: Karlfrieder Geiser, Markus Saiger (Beleuchtung), Vreneli und Rudi Ortlieb (Masken und Frisuren), Günther und Karlfrieder Geiser (Bühnendekoration), Lioba Suvaal (Souffleuse). Denen auf der Bühne gilt ein großes Kompliment als Ensemble. Dennoch ist herauszuheben Horst Bachmann (Felix Bemsel), der zum zweiten Mal beim "Bühneli" mitspielte, viel Talent hat, und von dem Autor Gerhard Jung meinte: "Das würde ein Berufsschauspieler auch nicht besser machen." Elli Kostolich (Leopoldine) und Hilde Brenneisen (Isidore) waren ein großartiges Gespann. "Malergeselle" Erika wurde gespielt von Petra Geiser, die in den letzten zwei Jahren so viel dazugelernt hat, daß sie inzwischen mit einiger Routine ihre Rollen sicher ausfüllt. Willi Borsdorf hat beim Bühneli als Malermeister Laier wieder mal zeigen dürfen, daß er mehr kann, als man bisweilen von ihm sieht. Und auch die anderen verdienten sich gute Noten: Ursula Golomb als Witwe Wuselmann, Janet Suvaal als ihre Tochter Susi und Joachim Geiser als Lehrling Tommi. Gerhard Jung erging es nicht anders als dem Publikum. Er hatte sichtlich großes Vergnügen an der Art, wie Günther Geiser und das "Bühneli" den "Wiiberfresser" umsetzten. Wie das denn sei, wenn man als Autor die Figuren aus der eigenen Phantasie plötzlich auf der Bühne leibhaftig agieren sieht? Jung: "Fast genau so, wie ich mir's vorgestellt habe." Am Schwarzen Meer, während seines Urlaubs, hat er das Stück geschrieben. Spontan, wie er erzählte. Und diese Spontanität merkt man dem Stück von der ersten bis zur letzten Szene an. Er hat keine "Fehlzündig ka". Im März nächsten Jahres wird "'s Bühneli" das Stück im Galerietheater im Riesgäßli wieder aufführen. Darauf darf man sich freuen. NIKOLAUS TRENZ zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 28. März 1984 LOKALES KULTURGESCHEHEN "`s Bühneli" konnte bei der Aufführung der "Glasmenagerie" durchaus mit Profis konkurieren Beherztes Auseinandersetzen mit einem Klassiker Eine Herausforderung an die Schauspielkunst / Wiederholung am 30. und 31. März im Riesgäßli "'s Bühneli" springt über den großen Teich: Vom alemannischen Mundartschwank aus der Nachkriegszeit ("Mi Chuchi") zum amerikanischen Psychodrama der dreißiger Jahre ist es wahrlich kein Katzensprung. Die engagierten Laiendarsteller zeigen Mut zu anspruchsvoller, mit tragischen Untertönen ausgestatteter Theaterliteratur. Dieses ungewohnte Bekenntnis zwingt auch die Freunde des Bühneli zum Umdenken. Doch es lohnt sich, allein schon um die intensive Probenarbeit und das beherzte Auseinandersetzen mit einem BühnenKlassiker der moderne zu honorieren. Mit Tennessee Williams "Glasmenagerie", einem irrationalen "Spiel der Erinnerung", setzt das vierköpfige Lörracher Ensemble neue Maßstäbe. Und das, obwohl dieses Theaterstück alles andere als eine leicht eingängige Komödie ist, in der es etwas zu lachen gibt und in der man die Sorgen vergißt. Denn die Story eines verkrüppelten Mädchens und einer vereinsamten Mutter ist sicher keine Ausgangsposition, von der sich schenkelklatschendes Vergnügen erwarten läßt. Kein problemloses Unterhaltungsstück also, an das sich "'s Bühneli" wagt, und kein Stoff, aus dem Lustspielträume sind. Da werden Theaterregionen erschlossen, an die sich sonst professionelle Landesbühnen wagen. Was nicht heißen will, daß die Aufführung dieses Seelen-Melodrams im Galerietheater Riesgäßli nicht mit Profi-Theater konkurrieren könnte, im Gegenteil: denn dieses Stück zeichnet messerscharfe Charaktere, seziert Schicksale, Verbitterung, Vereinsamung, mörderische Illusion - eine Herausforderung an die Schauspielkunst. Daß sich die Bühneli-Truppe um Günther Geiser auf solche psychoanalytischen Bühnenexperimente einläßt und sich an die Abgründe der Psyche wagt, heißt nichts anderes, als daß das Bühneli die Herausforderung annimmt - Laiendarsteller im Grenzbereich zwischen psychischer Defekte und hintersinniger Komik. Dieses Bühnenstück eines erzählten Fatalismus braucht große Schauspieler, um die "Beschreibung eines miserablen Zustandes" sinnfällig zu machen. Rosemarie Chaghaghi-Hermann ist auch als Mutter Amanda Wingfield eine "Mutter Courage" (als die man sie noch von den Burgfestspielen Rötteln in bester Erinnerung hat). Als einziger "Profi" im Ensemble trägt die Chaghaghi mit ihrem dramatischen Talent und ihren mimischen Ausbrüchen das Stück. Ihre Studie der hysterischen Südstaaten-Lady, deren mütterliche Sorge nur allzu gern in egoistisches Umklammern ausartet, reißt den Zuschauer mit: Diese Protagonistin ("enttäuscht sein, das ist eine Sache, entmutigt sein, eine andere") ist in jeder Situation Herrin über ihre exaltierte Gestik, ihre Gefühlsskala reicht bis skrupellos. Sie spielt selbst "Shakespeare" an die Wand! "Shakespeare",so wird ihr Sohn Tom genannt, der aus dem Familienkäfig ausbricht und eine Dichterseele unter der rauhen Schale verbirgt. Regisseur Günther Geiser verkörpert diesen verhaltenen Rebellen und übernimmt gleichzeitig die schwierige Aufgabe des Erzählers. Geisers Tom zeigt robuste Züge. Ein Typus Mann, der zwischen seinem Freiheitsdrang, dem Wunsch nach Abenteuer und der Zuneigung zu seiner Schwester hin- und hergerissen wird. Diese Schwester. Laura, ein schüchternes gehbehindertes Geschöpf, spielt Petra Geiser mit schmerzlicher Zurückhaltung. Daß sie in der Scheinwelt ihrer Glastierchen, eben jener Glasmenagerie, lebt, die dem Stück seinen Namen gab, daß sie auch eine "Zerbrechliche" ist, wird etwas spät im zweiten Teil der Erinnerung deutlich, als der vielbeschworene "Herrenbesuch" auftaucht. Der Besuch des flotten Iren Jim O'Connor, dessen Nebenrolle auf Karlfrieder Gressel zurechtgeschnitten wurde, bringt etwas bärentapsigen Schwung in die Einzelauftritte des zweiten Teils, dem es - ohne die Grande Dame Chaghaghi - doch spürbar an innerer Spannung mangelt. Nachdem auch noch (im Stück) das Licht ausgeht, ist man froh, daß dieser O'Connor als erfrischend kaugummikauende Episode die Düsternis aus der Wingfield-Stube fortbläst. Über die fünfte Person des Dramas, Amandas Ehemann a.D., läßt sich nur soviel sagen, daß er - gerahmt an der Wand - ein "reizender Gentleman" sein mußte. Wenn er nicht das Weite gesucht hätte, was den "writer", Tennessee Williams zur "Glasmenagerie" animierte, welche die "Wahrheit in der freundlichen Maske der Illusion" zeigt. (Bekanntschaft mit dem Stück kann man noch am 30. und 31. März im Riesgäßli machen). Jürgen Scharf zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 18. Januar 1984 LOKALES KULTURGESCHEHEN Neue "Bühneli"-Inszenierung im Riesgäßli kommt beim Publikum gut an Nachkriegs-Groteske aufs Zwerchfell fixiert Zeit der Wohnungs-Zwangsbewirtschaftung mit turbulenter Situationskomik zubereitet Begeisterter Applaus. Der letzte Vorhang fällt. Mit verschmitzten Augen verlassen gut 100 Besucher das Kellertheater-Gastspiel des "Bühneli". Doch sind sie nur oberflächlich durch diesen von Günther Geiser mit seinem Amateur-Theater inszenierten Schwank "Mi Chuchi" erheitert worden oder konnte ihnen das Ensemble mit der von Geiser selbst ins Alemannische übertragenen Groteske von Hans Kirchhoff mehr übermitten? Wo steckt der Hintergrund zu einer Fassade, auf deren Vorhang in blau gestickt zu lesen ist: "Ein eigenes Heim mit seinem Frieden ist ein Stück vom Paradies?" War ein tieferer Sinn vom Zuschauer erspürt worden? War es den Amateur-Spielern gelungen, lebensnahe Situationen eindrücklich wiederzugeben? Hat der Autor dieses Bühnenstücks nur einen Rückblick auf eine verworrene Zeit während der Wohnungs-Zwangsbewirtschaftung aufzeichnen wollen, oder hat er diese schwierige Lage als äußeren Anlaß genommen, um selbst heute noch mögliche Vorkommnisse im menschlichen Zusammenleben hinter einem Schwank versteckt zu charakterisieren? Unmittelbar vor den Augen der Zuschauer erscheint als einziges Bühnenbild eine altmodisch eingerichtete Küche, in der sich das alles andere als ruhige Leben einer Roßmetzgersfamilie abspielt, die auf engem Raum zusammenleben muß. Alles lebt mit. Die Rollen auf der Bühne sind derart lebensecht gespielt. Zurufe aus dem Publikum. Immer wieder aufs neue überraschende, spritzige Einlagen, begeistert applaudiert, lassen Darsteller und Zuschauer zu einem gemeinsamen Erlebnis zusammenwachsen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, einen von humorvollen Einfällen vollgepropften Schwank bis zum Schluß aufrecht spannend zu halten, ist, von kleinen, vielleicht als etwas zu viel empfundenen Ausnahmen abgesehen, fast profimäßig geglückt. Doch was ist los? Durch ihre verschiedenartigen Charaktere sorgen bereits Roßmetzger Max Meister (Franz Novotny), der sich zwar immer wieder selbst fragt "worum mueß ich numme so e ruehigi Natur ha" und seine Ehefrau Dora (Hilde Brenneisen) für ein recht bewegtes Familienleben. Auch die Töchter Hanni (Christina Rieber) und Uschi (Jannet Suvaal) nebst Schwiegersohn Erich Brendel (Horst Bachmann) nehmen regen Anteil daran. Schuld an den Zwistigkeiten sind ja nur die schlechten Einnahmen in dem Metzgerladen und das Zusammenleben auf einem so engen Raum. Kann es dazu eine Lösung geben? Es scheint fast so, doch nicht in der erwarteten Weise. Eine durch Walter Wendland (Joachim Geiser), dem Verlobten von Uschi in Unkenntnis der Sachlage entschiedene zusätzliche Zwangseinweisung des sächsischen Ehepaares Georg Senkpiel (Willi Borsdorf) und Frau Ella (Annemarie Hauser) in Roßmetzgermeisters Haushalt bringt einen selbst bis dahin bei der Familie nicht erlebten frischen Wind in die Küche. Trotz des Ernstes der Lage kommen die Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr heraus. Daß diese Einweisung nicht gut gehen kann, hört man schon an dem Ton des von hinten nahenden Ehepaares. Wird es je eine für alle Beteiligten akzeptable Regelung geben? Die rothaarige Ehefrau Dora verteidigt ihr Revier "Mi Chuchi" bis auf die Knochen. Die Zuhörer wundern sich, zu welchen Listen und Taten sie sich hinreißen läßt, um den Eindringling, "die Senkpiel", hinauszuekeln. Daß aber auch mit der Ella nicht immer gar so einfach zu geschirren ist, davon kann ihr 15 Jahre älterer Schorschi schon ein Liedchen singen. Kurzum, derweil die Männer schon längst freundschaftlich zusammensitzen, entfacht zwischen den Ehefrauen der Krieg um "Mi Chuchi" mehr und mehr. Doch wem gehört die Küche denn nun in Wirklichkeit? Ist "die Senkpiel" am Ende in ihr eigenes Heim zurückgekehrt? Diese eher groteske Wende hatte niemand erwartet. Die Spannung wächst. Wer ist nun im Recht? Auf dem Höhepunkt der Verwirrungen erscheint der rettende Engel. Oma Meyer (Ella Kostolich) gelingt es, die Besitzansprüche zu klären und die Streitenden zu versöhnen. "Mi Chuchi" ist in Harmonie, und die Sehnsucht nach dem Paradies durch ein eigenes Heim scheint für alle erfüllt. Weitere Vorstellungen sind am 20., 21., 27. und 28. Januar, jeweils um 20.30 Uhr und am 22. Januar um 15 Uhr. kn zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 22. November 1982 LOKALES KULTURGESCHEHEN "`s Bühneli" startete in die Wintersaison: Spritzig, humorvoll und arg turbulent Premiere des Mudartstücks "D´Beförderig" von Heimatdichter Gerhard Jung Wie gewohnt bei den Premieren des Lörracher Heimatbühne "s'Bühneli" herrschte wieder eine richtige "Druggete" bei der jüngsten Aufführung im Adler-Saal. Zunächst aber war der Sitzenkirchener Liedermacher Frank Dietsche an der Reihe, der seine Gedichte in heimischer Mundart selbst verfaßt und vertont und sich dabei als ein guter Kenner von Personen, Sitten und Gebräuchen des Markgräflerlandes vorstellte. Im ersten Stück des Abends, "dr Amig und de Morndeno" von Gerhard Jung spielte Günther Geiser überzeugend den Amig und sein Sohn Joachim den Morndeno. Ein Stück in dem es um die Vorstellungen der Jugend für eine bessere Welt, den Frieden und eine Welt geht, in der alle gleich sein sollen. Dagegen setzte der Amig seine Lebenserfahrungen und korrigierte die Lebensideen seines Sohnes, bis man sich schlußendlich bei einem Schluck Wein zum gemeinsamen Kompromiss zusammenfindet. Eine Geschichte, wie sie heute überall vorkommen kann, das Problem der Generationen. Nach einem Zwischenspiel des Liedermachers Frank Dietsche mit Liebesliedern von Albun Fringeli, dem bekannten Heimatdichter, brachte das Mundartstück "Wenn de Mond schiint" von Gerhard Jung die Geschichte eines Ehezwistes, der sich an der Hartnäckigkeit der 17jährigen Tochter Marianne entzündet. Die Eltern, von Ursula Golomb und Günther Geiser dargestellt, mußten dabei schlußendlich einsehen, daß der Mond nicht nur ihrer Tochter und deren Freund scheint, sondern auch den "älteren Jahrgängen". Viel Beifall erntete dann Liedermacher Frank Dietsche mit "D' alte Rhi" und "Aber am Budefescht do sin mir do" und noch einigen Liedern, ehe sich dann der Vorhang zum Hauptwerk des Abends "d'Beförderig" von Gerhard Jung hob. Verzwickter hätte es um Vaters Beförderung nicht mehr zugehen können, zumal sich mit der schwäbischen Tante Klementine ein ungebetener Besuch einstellte und die Tochter des Hauses an diesem Abend sich verloben wollte. Ausgerechnet dann aber kommt der Vater (nach seiner Beförderung zum Oberinspektor) mit einem Geschäftsfreund total betrunken nach Hause. Verwicklungen über Verwicklungen, wie sie in einem Heimatstück von Gerhard Jung nicht dramatischer vorkommen können, und die von einem eingespielten Ensemble ebenso verwickelt wie dramatisch dargeboten wurden. Eine Glanzleistung in der Rolle als beförderter Oberinspektor bot Franz Novotny. Als besorgte Mutter Lisbeth Meyer konnte Ella Kostolich ihre Fähigkeiten in einer tragisch-komischen Rolle voll entfalten. Lilli, die Tochter des Hauses, verkörpert von Jeanette Suvaal, und ihr Bruder Rolf, von Axel Stieber als immer zu Streichen aufgelegter Lausbub dargestellt, sorgten für Spannungen. Und dann Annemarie Hauser als schwäbische Tante Klementine, die mit ihrem Gebabbel der ganzen Familie auf den Wecker fiel, vor allem als sie ankündigte, sie wolle das nächste Mal ihren Emil mitbringen. Als Hausbesitzerin und Vermieterin verkörperte Lioba Suvaal in treffender Weise die vor Stolz schäumende Jungfrau Eulalia Espenlaub, ein etwas schrulliges Wesen. Zu gefallen wußte auch Karlfrieder Geiser in der Rolle des Dr. Franz Walter, der sich mit der Tochter des Hauses verloben will, aber erst einige Hindernisse aus dem Weg räumen muß. Willi Borsdorf, verkörperte die ihm auf den Leib geschneiderte Rolle des Willi Schneider als Geschäftskollegen. Als aufmerksamer Reporter fungierte dabei Günther Geiser. Für die gelungene Aufführung von "d' Beförderig" gab es viel Beifall und so manchen Vorhang. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 20. Januar 1982 LOKALES KULTURGESCHEHEN "`s Bühneli" sorgt im Riesgäßli für ungetrübtes Vergnügen: Gezielter Wortwitz und handfeste Komik "Hier sind Sie richtig" / Boulevardspaß mit deftigen Gaudi-Effekten Lörrach. -bn. Das Vergnügen war ungetrübt. Dafür, daß die theaterbeflissene "Bühneli"-Equipe noch nie Boulevard gespielt hatte, muß ihrer Aufführung von Marc Camolettis witzigem Dreiakter "Hier sind Sie richtig!" über anerkennenden Respekt hinaus hohes Lob gezollt werden. Günther Geiser, der für diese Inszenierung im Riesgäßli-Keller verantwortlich zeichnete und zusammen mit seinem Bruder Karlfrieder auch die Bühnenausstattung besorgte, hatte sein Team auf diesen Theaterspaß hin ausgezeichnet getrimmt. Freilich, Camolettis Stück ist nicht astreines Boulevard. Es trägt aber alle Elemente dieses Genres und verquickt sie munter mit der wirksamen Situationskomik einer deftigen Klamotte. Literarischer Anspruch und raffiniert konstruierte Handlung spielen da eine untergeordnete Rolle. Das Stück lebt von locker servierten Dialogen, gezieltem Wortwitz und eben jenen handfest-vordergründigen Szenenabläufen, die sich aus geschickt eingefädelten Verwechslungen und Mißverständnissen ergeben. Die Handlung ist relativ simpel: Vier zusammenwohnende Damen jugendlichen bis reiferen Alters geben aus unterschiedlichen Absichten und ohne daß die eine von der anderen etwas weiß, Inserate auf. Die eine, Künstlerin, sucht ein männliches Modell, die andere, Hausmädchen, den Mann fürs Leben, die dritte, Klavierlehrerin, gut zahlende Schüler und die vierte, Hausbesitzerin, einen solventen Mieter. Jede Annonce enthält noch ein gleichlautendes Kürzel, das je nach Inseratabsicht von den anbeißenden Ineressenten problemlos zu deuten ist. Folgerichtig melden sich dann auch vier Herren auf die unterschiedlichen Zeitungsangebote, nacheinander versteht sich, und jeder gerät zunächst einmal an die falsche Inserentin. Die sich daraus ergebenden szenischen Turbulenzen liegen auf der Hand, sollen indessen nicht genauer beschrieben werden. Schließlich sind ja noch vier weitere Aufführungen (jeweils am Freitag und Samstag dieser und der nächsten Woche, Beginn 20.30 Uhr) geplant. Es passiert jedenfalls recht viel, und namentlich im dritten Akt häufen sich die Lacher. Es ist jedoch absolut nicht so, daß in diesem Stück mit pausenloser Penetranz Attacken auf die Lachmuskeln geritten würden. Da ist noch viel Platz für eher stilles Vergnügen, das hintergründiges Lächeln provoziert und jenen feinen, heimlichen Spaß bereitet, der nicht unbedingt lauthals quittiert werden muß. Das liegt zweifellos auch an den schauspielerischen Qualitäten dieser Laiendarsteller, von denen Rose-Marie Chaghaghi-Hermann und Klaus Beck zu Beginn des dritten Akts wohl das überragendste Kabinettstückchen liefern. Becks Spartacus-Persiflage könnte es ohne weiteres mit Peter Ustinovs Film-Nero in "Quo vadis" aufnehmen. Nebst diesem vorzüglich agierenden Paar profilieren sich Günther Geiser als eitler Vorstadt-Adonis und Hilde Brenneisen als nicht mehr ganz taufrische Hausbesitzerin am eindrücklichsten. Gerade letztere Rolle birgt Gefahren ins aufgesetzte Gehabe einer "komischen Alten" abzugleiten, die die Darstellerin jedoch elegant zu umspielen weiß. Christina Rieber als Hausmädchen gibt sich in der Rolle der jugendlichen Naiven, als wäre sie ihr auf den Leib geschneidert, und Petra Geiser agiert als klavierspielendes spätes Mädchen mit allen Attributen der zickigen höheren Tochter. Karlfrieder Gressel als konsternierter junger Mann auf Freiersfüßen und Peter Kaiser als schüchterner Jüngling mit musischen Ambitionen machen ihre Sache ebenfalls ausgezeichnet. Insgesamt wird gelöst und mit erfrischendem Temperament gespielt, der kleine Bühnenraum optimal genutzt, und wo bei der Premiere noch der eine oder andere Texthänger zu registrieren war, gab Ursula Golomb als umsichtig waltende Souffleuse hinter den Kulissen rasch wirksame "Pannenhilfe". Wie gesagt: Das Vergnügen war ungetrübt. Walter Bronner zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 25. November 1981 LOKALES KULTURGESCHEHEN "`s Bühneli spielt für Sie": Neue Theaterstücke und kurzweilige Sketche Ausverkaufte Premiere im "Adler" in Brombach / Gastspiel auch im Riesgäßli Lörrach. -bf. Keine Nachwuchssorgen braucht sich Günther Geiser, Spielleiter des "Bühneli", zu machen. Das zeigte sich bei der siebten Premiere des "Bühneli" im "Adler" in Brombach. Umrahmt von Mundartliedern des Sängers Roland Hofmaier und zwei Tanzeinlagen der Ballettschule Iris Karkowsky fanden die neuen Theateraufführungen der "Bühnel"-Akteure bei den zirka 120 Besuchern sowohl anerkennende als auch begeisterte Resonanz. Unter dem Motto "`s Bühneli spielt für Sie" stellte das Ensemble seine neuen Theaterstücke vor, mir denen es im kommenden Jahr wieder auf Familien- und Vereinsfesten wie auch im Riesgäßli zu sehen sein wird. Im Sketch von Gerhard Jungs "Im Himmel voruss" wurde das Thema der Frauenemanzipation karikiert. Die wohlbekannten Darsteller Franz Novotny als "Erzengel Gabriel" und Ella Kostolich als "Frauenrechtlerin" versetzten den Saal von Anfang an in eine lustige und kurzweilige Stimmung. Bestaunt wurde vom Publikum die prächtig hergerichtete Bühnenkulisse des Mundartstücks "S´Drum umme" von der aus Schliengen stammenden Franziska Basler-Christen, Mitglied der "Muettersproch-Gesellschaft". Die Autorin hat mit diesem Lustspiel beim Mundart-Theater-Wettbewerb 78 des alemannischen Gesprächskreises in Freiburg den fünften Platz gewonnen. Neben den langjährigen Bühnenmitgliedern Annemarie Hauser als "Mutter Rosel" und Willy Borsdorf als "Vater Oskar" wirkten die Nachwuchsspieler Jeanette Suvaal, Stefanie Kapfer und Joachim Geiser als deren "Kinder" mit, die ihr Debut trotz Lampenfieber zur vollsten Zufriedenheit meisterten. Zum Anheizen der Stimmung hatte man den "Barden des Wiesentals" Roland Hofmaier engagiert, der mit seinen Mundartliedern zu Gitarre die Besucher nicht nur zum Lachen brachte, sondern auch zum Mitsingen animieren konnte. In diesem Rahmen etwas außergewöhnlich, jedoch zur gemütlichen Atmosphäre passend, waren der glänzend einstudierte Stepp- und klassische Tanz der Schülerinnen des "Ballettstudios Iris Karkowsky" aus Lörrach. Im nächsten Jahr sollen zwei Premierenabende veranstaltet werden, da für die diesjährige einmalige Vorstellung die Nachfrage nach Platzkarten nicht befriedigt werden konnte. zum Archiv Artikel vom 8. Februar 1981 Abnutzung und Zerfall von menschlichen Beziehungen "Russischer Abend" des Bühneli im übervollen Riesgäßli Lörrach. Das Galerie-Theater im Riesgäßli erlebte zu seinem ersten "Russischen Theaterabend", gegeben vom "Bühneli", einen Publikumsandrang wie seit langem nicht mehr. `S Bühneli hat hier im Riesgäßli nicht nur ein eigenes Domizil, sondern mit dem alten Gewölbe auch ein passendes Ambiente gefunden. Vor ausverkauftem Haus, genau gesagt Keller (wer keinen Stuhl bekam, fand einen Platz auf der Treppe), spielte `s Bühneli eine Groteske und eine Posse von Anton Tschechow und "Geschehen in Marseille" von Leo Tolstoi. Wie Zänkereien um Hab und Gut zuverlässig aus der Welt zu schaffen sind, ist bei Tschechow zu erfahren: Die Streitenden verlieben sich (muß jedoch nicht unbedingt sein) und bringen den umstrittenen Besitz in den Hafen der Ehe ein. Im "Heiratsantrag" geht es mit schönster Ausführlichkeit um die Ochsenwiese am Birkenwäldchen, von der schon Großmutter und Tantchen genau wußten, wem sie gehört, nur der geradezu räuberische Nachbar scheint es nicht zu wissen. Nicht einmal mitleiderregende Herzattacken retten ihn vor der scharfen Zunge seiner Zukünftigen. Das der Kampf nach vollzogener Ehe ("meinen Segen habt ihr, und dann hol euch der Teufel!") in gekonntester Form weitergehen wird, ist zu erwarten. Auch in der Posse "Der Bär" streitet man sich ums Geld, auch hier ein Feuerwerk von Beschimpfungen und Selbstgerechtigkeiten. Mit einer Heirat läßt sich das Schuldenproblem leicht lösen. Sieger im boshaften Schlagabtausch wird vermutlich die Frau, der "Philosoph im Unterrock" werden. In "Geschehen in Marseille" von Leo Tolstoi geht es nicht um den Triumph des Einen über den Anderen. Hier ist es die klägliche Überlebenskunst der Bordell-Mädchen, deren Elend dem Mann allerdings erst bewußt wird, als er seine eigene Schwester vor sich hat. Menschliche Beziehungen sind das Thema des "Russischen Abends", ihre Abnutzung und ihr Zerfall. Daß es dennoch ein heiterer Abend wurde, mit vielen Lach- und Schmunzelerfolgen, ist der grotesken Überzeichnung zu verdanken, in der sich der Zuschauer - ohne sich angegriffen zu fühlen - wiedererkennen kann. Ein schöner Auftakt für `s Bühneli und seine Darsteller Günther Geiser, Rosmarie Chagaghi, Klaus Beck, Annemarie Hauser, Ursula Golomb, Petra Geiser und Franz Novotny. (Nächste Aufführungstermine 13. und 14. Februar.) Elisabeth Voges zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 4. November 1980 `s Bühneli stellte sein neues Programm vor Gelungene Premiere vor vollem Haus Alemannisches, Russisches und heulende Weiber ließen keine Langeweile aufkommen Lörrach-Brombach. -ps. Ein recht erfolgversprechendes Programm hat wieder die Heimatbühne `s Bühneli mit drei Stücken aufgestellt, die im Saal des Gasthauses "Adler" ihre Premiere vor vollem Haus erlebten. Dabei wurde neben alemannischem, russischem auch heimatgebundenes Geschehen gezeigt, das glänzend dargeboten wurde, wofür Günther Geiser als Regisseur, Textbearbeiter und selbst noch Mitspieler verantwortlich zeichnete. Die Premiere eröffneten die "singenden Vreneli" vom Hebelbund, begleitet von dem Hauinger Liedermacher Ernst Sütterlin auf der Gitarre mit "Sunnige Stund" von Wolfgang Scheurer und "Es gfallt mer numme eine" von Johann Peter Hebel. In seiner Begrüßung bedauerte Regisseur Günther Geiser, daß nicht alle Platzwünsche berücksichtigt werden konnten, wobei es beim Bühneli traditionsgemäß freien Eintritt zur Premiere gab. Dafür flossen reichlich Spenden in die alte Kaffeekanne, die auch schon traditionsgemäß die Runde machte. Einen stimmungsvollen Auftakt erlebte man dann mit "D´Leidwiiber" von Heimatdichter Gerhard Jung, wo Hilde Brenneisen und Elli Kostolich als heulende Trauernde um das entfernt verwandte Babettle das Geschehen um die Beerdigung vortrugen, wobei es weniger um das Babettle ging als vielmehr um die Unverschämtheit, daß man nicht zum Leichenschmaus eingeladen wurde. Dabei wurden dann alle die "Sünden der unverschämten Verwandten" zum besten gegeben, ein Auftakt, der nicht hätte besser sein können. Die Pause überbrückte Liedermacher Ernst Sütterlin mit Mundartliedern von Manni Marter und Wolfgang Scheurer, die er selbst vertont hatte. Hohe Anforderungen an die Akteure des "Bühneli" stellte die russische Posse "Der Bär" von Anton Tschechow, wozu man sich hatte ein glänzendes Bühnenbild einfallen lassen. Als trauernde Gutsherrin Jelena Popowa um ihren seit langem verstorbenen Gatten Nicolai Michailowitsch zeigte Annemarie Hauser mit gestenreicher, wohldosierter Mimik die Launenhaftigkeit beim Umgang mit Männern. Dies bekam vor allem Gutsherr Grigorij Stepanowitsch Smirnow zu spüren, dargestellt von Günther Geiser, als er bei der trauernden Witwe als Gläubiger ihres verstorbenen Mannes längst fällige Schulden eintreiben wollte. Als Landedelmann wurde er ob seiner derben Sprache von der feinfühligen Gutsherrin als "Bär" beschimpft, die aber, als sich die Frage der Liebe stellte, hingebungsvoll in die Arme des Gläubigers, des Bärs, sank zur Überraschung der treuen Magd Mascha (Ursula Golomb). "Der Bär", ein Stück, das hohe spielerische Anforderungen an die Akteure stellte und mit zu den Besten gehört, was je vom "Bühneli" inszeniert wurde. Ein Stück unserer Zeit, wie es in vielen Familien oft vorkommen mag, waren "Moderni Eltere" von Tilli Hütter, ins Alemannische übertragen und für´s "Bühneli" bearbeitet von Günther Geiser. Bieder, wohlbürgerlich eingerichtet das Wohnzimmer, in dem sich der Generationszwist zwischen Tochter Petra (Petra Geiser) und den Eltern (Hilde Brenneisen und Franz Novotny) abspielte. Unverständnis bei den Eltern über den Ausflug der Tochter, wobei des Vaters ewiger Kommentar "Schluß jetzt, basta!" bei der Tochter nur noch mehr Konfrontation erzeugte, versuchte der auf Besuch weilende Onkel Willy (Willy Borsdorf) mit guten Ratschlägen vermittelnd die Wogen zu glätten. Als Folge davon empfingen die Eltern dann, aufgemacht als alternde Teenager, die völlig überraschte Tochter und ihren Freund Karle (Karlfrieder Geiser) bei der Rückkehr vom Ausflug, was bei der Jugend noch mehr Kopfschütteln auslöste und schlußendlich dazu führte, daß es doch am besten sei, wenn man es beim alten und gewohnten Ton in der Familie belasse. Wie immer beim "Bühneli" dabei: Rudi und Vreneli Ortlieb, die mit der Gestaltung der Frisuren und Masken wieder Vortreffliches geleistet haben. Beim abschließenden großen Finale, das von einem langanhaltenden Beifall begleitet wurde, überreichte Regisseur und Allroundmann Günther Geiser den Aktiven einen Blumengruß, und Gastwirt Helmut Presser vom "Adler" ließ es sich nicht nehmen, den Damen ein Honigtöpfchen und den Herren ein Weinpräsent zu überreichen. Er lud die Vreneli vom Hebelbund zu einem Imbiß ein, verbunden mit dem Wunsch, daß die drei Stücke noch vielen Freude bringen möge. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 7. Dezember 1979 Theater in Steinen "Bühneli" begeisterte groß und klein Steinen. -ov. Zu einer Vorführung des Märchens "Schneeweißchen und Rosenrot" war die Laienspielgruppe "Bühneli" aus Lörrach nach Steinen gekommen. Anders wie im Fernsehen konnte man hier eine Aufführung des Märchens erleben, die groß und klein begeisterte: Einmal richtige Theateratmosphäre spüren, das war hier möglich. Denn aus welchem Fernseher kommt ein Darsteller zu den Zuschauern und verteilt den Geburtstagskuchen von "Schneeweißchen und Rosenrot", kommt ins Publikum, um es zu verzaubern oder um ein Schläfchen zu halten? Ein Programm, in dem keine Langeweile aufkommt. Man ist gespannt und aufmerksam bis zum Schluß, enttäuscht, wenn es zu Ende ist. Dem "Bühneli" ist es gelungen, daß an diesem Sonntag viele Fernseher kalt blieben - denn eine Theateraufführung ist in Steinen noch eine Seltenheit. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 8. November 1978 LOKALES KULTURGESCHEHEN "`s Bühneli" stellte neues Programm vor Glückliche Hand bei der Wahl des Stückes "So ne Theater" von Gerhard Jung fand großes Interesse Lörrach-Brombach. -st. Mit ihrem neuesten Theaterstück trat die Lörracher Schauspieltruppe "`s Bühneli" an die Öffentlichkeit. Es gelang den bewährten Laienspielern mit Franz Novotny und Günther Geiser an der Spitze, dem Liedersänger Roland Hofmaier und dem Duo Hans Sehringer und Ilse Pregger, einen abgerundeten Abend zu gestalten, der bei allen, den Akteuren und Zuschauern, viel Freude hinterließ. Eng gedrängt saßen die zahlreichen Freunde vom "Bühneli" aus dem Wiesental und Markgräflerland im Gasthaus "Zum Adler" in Brombach, um beim Start des neuen Stückes dabeizusein. Eine glückliche Hand hatten die Darsteller mit der Wahl des lustigen Einakters von Hebelpreisträger Gerhard Jung "So ne Theater". Die vor 13 Jahren geschriebene kleine Komödie enthält zehn dankbare Rollen, die es jedem ermöglichen, sein Können auszuspielen. Was die Darsteller aus der verzwickten Geschichte im Gasthaus zum "Ochsen" machten, war schon sehenswert. Wie sich die spannend-heitere Geschichte mit kriminalistischem Einschlag auflöste, sei hier nicht verraten, denn "`s Bühneli" hat es verdient, bei möglichst vielen Vereins- und Firmenfesten mitwirken zu können. Langanhaltender Beifall dankte dem Ensemble, das eine vorzügliche Gesamtleitung geboten hatte. Es spielten Franz Novotny, Annemarie Hauser, Petra Geiser, Christel Rieber, Karlfrieder Geiser, Günther Geiser, Willi Borsdorf, Karl Knoblauch und Siegfried Arnhold. In die Herzen der Besucher sang sich der alemannische "Barde" mit Format, Roland Hofmaier aus Steinen. Ernst und Heiterkeit, das treffende Wort ergänzt durch die Musik, zeichneten seine Beiträge aus. Hausmusik mit Zither und Gitarre boten Hans Sehringer und Ilse Pregger, alte und neue Weisen unterstützten die großartige Stimmung im Saale. Da viele Besucher an diesem Premieren-Abend beim "Bühneli" abgewiesen werden mußten, wird die Eröffnungs-Vorstellung in dieser oder der kommenden Woche wiederholt. Der Termin wird rechtzeitig in dieser Zeitung bekanntgegeben. zum Archiv Badische Zeitung vom 9. November 1977 Großer Erfolg mit einem Kontrastprogramm Gespielte Witze, Mundart und Tolstoi in einer geglückten Mischung Lörrach (rum). Eine Premiere besonderer Art hatte `s Bühneli für die neue Saison vor begeistertem Publikum am Freitagabend im Bonifatiussaal mit seinem neuen Mundartspiel und einem bearbeiteten Bühnenstück nach einer Erzählung von Leo Tolstoi. Wieder einmal zeigte `s Bühneli, eine Gruppe von Amateurschauspielern, die schon seit drei Jahren zusammen spielen, daß es sich wirklich lohnt, einen Abend im Theater zu verbringen. Die Zuschauer wurden auch an diesem Abend nicht von den dargebotenen Leistungen enttäuscht, denn das Bühneli zeigte lebendiges, unverbrauchtes Theater und ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Unter der Leitung von Günther Geiser, dem geistigen Vater und Chef des Bühnelis, begann die diesjährige Premiere unter besonderen Erwartungen, denn sie sollte gleichzeitig als ein Experiment verstanden werden. Das Schauspielerteam, dem zwölf Mitglieder angehören, wollte ein möglichst kontrastreiches Programm anbieten, das für jeden aus dem Publikum einen besonderen Leckerbissen bereithalten sollte. Dafür wurde die Länge der Stücke begrenzt, ja auf das Wesentliche beschränkt. Diese Mischung kam auch beim Publikum an. Man scheute sich nicht, als Einstieg einen Partysketch mit gespielten Witzen vorzuführen, bei dem man sich lebhaft das gelangweilte Gerede auf einer Stehparty mit Sektempfang vorstellen konnte. Auch die Jugend und die, die sich noch für jung halten, kamen voll auf ihre Kosten. Dafür sorgte der Rocking Club aus Basel, der mit gekonnten Rock`n-Roll-Einlagen das Publikum an die "wilden fünfziger Jahre" erinnerte. Die Pflege der alemannischen Mundart und das Zeigen von Stücken unserer Heimatautoren wird aber auch weiterhin für das Bühneli im Mittelpunkt stehen. Mit dem diesjährigen Mundartspiel "Us Chinder werde Lüüt" von Franziska Basler-Christen gelang eine originelle und köstliche Aufführung. Als Kontrast dazu zeigte man "Geschehen in Marseille" von Ulrich Kabitz, nach einer Erzählung von Tolstoi. Bei diesem Stück merkte man doch schon ein klein wenig die Routine und Erfahrung der Schauspieler, von denen fünf auch bei den Burgfestspielen Rötteln mitwirken. Als nächstes Ziel kündigte Geiser an, eine Klamotte oder einen Schwank mit zwei oder drei Akten zu verwirklichen. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom November 1976 Kultur-Telegramm "D`Beförderig" fand viel Beifall Lörrach. -ov. Im Bonifatiussaal amüsierte sich das zahlreiche Publikum über das alemannische Mundartstück von Gerhard Jung. Die Darstellung eines Familienfestes zu Ehren des Vaters, der befördert wurde, war so gelungen aufgezeigt, daß mancher Zuschauer sich selbst im Spiel wiedererkannt haben mag. Das konnte man aus dem wiederholten Szenenapplaus entnehmen. Das von den Spielern selbst geschaffene Bühnenbild wurde allgemein bewundert. Das Schminken und Frisieren besorgte Hans-Rudi Ortlieb, der den Figuren gekonnt den letzten Pfiff gab. Für Abwechslung im Programm sorgten die Memory-Singers aus Weil mit ihren Liedern aus aller Welt. Zum Spiel des Ensembles vom Bühneli darf gesagt werden, daß intensive Probenarbeit und Freude am Spiel deutlich spürbar waren. Aus den Namen im Programm war zu ersehen: Einige Spieler haben sich bei anderen Bühnen bestens bewährt. Dem Bühneli kann bescheinígt werden, auf dem besten Weg zu sein, seinen Zuschauerkreis von Jahr zu Jahr zu vergrößern. zum Archiv Oberbadisches Volksblatt vom 29. November 1975 Die alte Hauinger Laienspielgruppe will jetzt als "`s Bühneli" neue Form gewinnen Am Samstag Premiere im Brombacher Adlersaal Lörrach-Hauingen - "Wo die Liebe hinfällt" heißt das Stück, mit dem sich das Hauinger "`s Bühneli" am morgigen Samstag im Saal des Brombacher "Adler" zum ersten Male der Öffentlichkeit vorstellt. Bei dieser hübschen Komödie des englischen Autoren Michael Brett handelt es sich nicht um einen der sonst bei ländlichen Laienspielgruppen beliebten "Bühnenkracher", die allein aus der Situationskomik leben, sondern um ein gepflegtes Boulevardstück, das einige Anforderungen an Schauspieler und Regie stellt. Mit diesem neuen Stück beginnt auch ein neuer Zeitabschnitt für die Hauinger Laienspieler. Die schon seit über 15 Jahren bestehende Laienspielgruppe, die immer wieder mal ein Stück einübte und dann bei Vereinsfesten oder bei sonstigen Anlässen für soziale Zwecke auftrat, hat sich jetzt neu formiert. Unter der Leitung von Günther Geiser setzten sich die Laienspieler im vergangenen September zusammen und überlegten, ob sie ihre "Bühnenarbeit" ganz einschlafen lassen, oder einen Neubeginn wagen sollten. Man dachte dabei an die für sie so erfolgreichen Aufführungen der vergangen Jahre, an den "Etappenphasen", die "Tante Jutta aus Kalkutta" und an das vom Gruppenmitglied Elli Kostolich selbst verfaßte Bühnenstück in alemannischer Mundart "Ätsch, inekeit". Aus der Rückbesinnung wurde ein Neuanfang und mit den Plänen für die kommende Arbeit kam auch ein neuer Name: "s`Bühneli". Dieser Name ist so etwas wie ein Programm, das sich die neuen aktiven "Schauspieler", der Bühnentechniker und die Souffleuse vorgenommen haben. Aus der bisherigen Laienspielgruppe soll eine Laienspielbühne werden. Das heißt nicht nur kontinuierliche Arbeit, sondern auch Anspruch auf Qualität in der Auswahl der Stücke. "Wo die Liebe hinfällt" ist ein erstes Beispiel dafür, und man darf gespannt sein auf die erste Premiere. Doch der alemannische Name "s`Bühneli" weist auch darauf hin, daß sich die jungen Leute der heimatlichen Theaterliteratur annehmen wollen, und sie hoffen, auch die nötigen Autoren zu finden, die sie in diesem Vorsatz unterstützen. zum Archiv © 2003 – www.buehneli.de |